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Oper

Momo in deutlichen Tönen

Für die musikalische Adaption von Endes Roman bietet das Staatstheater am Gärtnerplatz alles auf, was die Bühne hergibt.
Von Gerhard Heldt

Momo wird von der jungen Wiener Schauspielerin Anna Woll souverän in Szene gesetzt. Foto: Christian POGO Zach
Momo wird von der jungen Wiener Schauspielerin Anna Woll souverän in Szene gesetzt. Foto: Christian POGO Zach

München.Michael Ende, der 1995 starb, und Wilfried Hiller verband eine über vier Jahrzehnte andauernde künstlerische Zusammenarbeit und Freundschaft, aus der mehrere Werke hervorgingen. Der jüngste Spross dieser Künstlergemeinschaft ist nun eine „Veroperung“ eines der frühesten Erfolgswerke des Dichters, sein Märchen-Roman „Momo“ (1973), aus dem Hiller in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Wolfgang Adenberg ein „Musiktheater in 18 Bildern“ schuf.

Gedacht als literarisches Werk, das Kindern und Jugendlichen Wege aus dem zunehmenden Stress der immer schneller werdenden Zeit weisen könnte, erklomm „Momo“ Bestsellerlisten, wurde verfilmt und bereits mehrfach vertont. Die einzige bisher existierende Oper nach Endes Roman von Mark Lothar (1978) gefiel dem Schriftsteller nicht, denn der Komponist hatte Momo mit zahlreichen Arien bedacht, wo die wunderbare Stärke des Mädchens doch im Zuhören besteht. Er distanzierte sich von diesem Werk. So lag das Staatstheater am Gärtnerplatz goldrichtig, als es den Auftrag, das Märchen musikalisch neu zu fassen, an den erfahrenen Ende-Freund vergab.

Nah an der Roman-Vorlage

Hiller und sein Librettist Wolfgang Adenberg halten sich eng an den Roman; alle Figuren behalten ihre charakteristischen Eigenheiten, der zeitliche Ablauf ist gleich, was zur Folge hat, dass die Vorlage stets kenntlich bleibt und die Musik nichts verfälscht, sondern eher verdeutlicht. Momo wird in dieser Version zu dem, was sie ursprünglich ist: zur intensiv zuhörenden Zauberfigur, die erst dann ins Geschehen eingreift, wenn es unumgänglich ist: als es darum geht, den grauen Herren ihren Schatz an geraubter Zeit zu entreißen, um ihn den Menschen zurückzugeben.

Das Staatstheater am Gärtnerplatz hat alles an Bühnen-, Licht- und Kostümzauber aufgeboten, was Werkstätten und Bühnentechnik hergeben. Dazu ist ein prächtig singendes und munter agierendes Ensemble aufgeboten. Momo wird von der quicklebendig spielenden, aber auch die nachdenklichen Phasen der Titelheldin überzeugend darstellenden jungen Wiener Schauspielerin Anna Woll souverän in Szene gesetzt: Sie ist Momo, lebt in den Ruinen eines Amphitheaters, aus dessen Rundungen später die Uhr, in der Meister Hora lebt, wird. Besondere Bewunderung verdienen die zwei hohen Sopranistinnen Ilia Staple und Caroline Adler. die als Erster Grauer Herr und Puppe Bibigirl ihre halsbrecherischen Koloraturen und schwindelerregenden Höhen bravourös meisterten. Dass bei Bibigirls Gesang im Orchester das Lied der Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“ herüberklingt, sei am Rande erwähnt.

Mit einer großen Partie ist Gigi, der Fremdenführer – ursprünglich Girolamo – bedacht. Die Grauen Herren machen aus ihm einen Schmalz-Schlagersänger (der angeblich auf einem grünen Hügel singt); sein Text ist hier ebenso banal wie seine Musik, die Anklänge an einen deutschen Barden nicht verleugnet. Maximilian Mayer läuft hier zu begeisternder Form auf.

Der nicht singende Herr über die Zeit, Meister Secundus Minutius Hora wird vom Tänzer Matteo Carvone übernommen. Seine Welt ist die Zeit, dargestellt durch ein riesiges Uhrwerk mir einem enormen Pendel. Er kommt mal mit zappeliger Gestik, mal mimt er den Uralten; das erschließt sich nicht auf den ersten, aber auch nicht auf den zweiten Blick. Seine Worte werden vom Chor (aus dem Off) in vierstimmig-harmonischem Satz vorgetragen.

Überwältigende Bühneneffekte

Bühne und Beleuchtung stellen eigentlich alles andere in den Schatten: Was hier überwältigend mit Drehbühne, Hubpodien, Versenkungen in grandiosen Lichtstimmungen gezaubert wird, verdient höchstes Lob. Auf dieser Bühne hätte die Regie durchaus straffer zupacken können, lähmende Pausen bei den Anschlüssen stören leicht den Fluss der Erzählung.

Ein Werk über die Zeit, ihre Vergänglichkeit, und unbarmherzige Unwiederbringlichkeit für die ganze Familie inklusive der Kinder soll „Momo“ sein. Dieser Anspruch ist hoch gesteckt. Ob es von Kindern verstanden wird und Ältere fesseln kann, bleibt nach der gelungenen Uraufführung zu hoffen.

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