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Museen verlieren digital den Anschluss

Bayerns Häuser müssen den Besitz intensiver präsentieren statt zu expandieren, sagt der Chef der Staatsgemäldesammlung.
Von Harald Raab, MZ

Der Chef der Münchner Pinakotheken, Bernhard Maaz
Der Chef der Münchner Pinakotheken, Bernhard Maaz Foto: Marc Müller/dpa

München.Seit acht Monaten ist der Kunstwissenschaftler Bernhard Maaz Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Er ist Chef von fünf Kunstmuseen in München – Alte und Neue Pinakothek, Pinakothek der Moderne, Museum Brandhorst und Schack Sammlung. Außerdem ist er für ein Dutzend Filialgalerien im Freistaat verantwortlich. Am Rande des großen Zukunftssymposions der Kunstmuseen in Stuttgart fragte ihn MZ-Autor Harald Raab zu seinen Plänen und zur Museumssituation in Bayern.

In welcher Richtung ist bei den Kunstmuseen Wachstum noch möglich?

Die Museen werden nicht mehr quanitativ expandieren. Sie werden sich intensivieren müssen. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit ihren Objekten und um die Beschäftigung mit ihrem Publikum. Verstärkt werden muss die Museumspädagogik. Mehr Menschen müssen an die Kulturgüter herangeführt werden. Das Angebot an Führungen, auch an digitalen Erschließungen, muss verdichtet werden.

Welche Kreise der Bevölkerung erreichen Sie noch?

Es gibt ein weites Spektrum von Menschen, die an Kultur interessiert sind. Die sogenannten Bildungsbürger haben wir auf unserer Seite. Wir kümmern uns sehr um Kinder und Jugendliche, um sie mit dem Museum vertraut zu machen. Es fehlt uns aber eine stabile Verbindung zu einem Publikum, das in der Lebensmitte steht.

Gibt es in Bayern noch Wachstumspotentiale für Museen?

Wenn man sich die großen Museumsverbünde ansieht, das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg und die Bayerische Staatsgemäldesammlung in München, mit all ihren Filialen, dann kommt es verstärkt darauf an, der Bevölkerung nahezubringen, welche Schätze wir haben. Nur so können wir erreichen, dass diese Häuser mehr Besucher bekommen.

Warum haben Sie keine Filialgalerie in Regensburg?

Der Chef der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Bernhard Maaz
Der Chef der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Bernhard Maaz Foto: dpa

Wir sollten nicht weitere Außenstellen aufmachen, bevor wir nicht die vorhandenen intensiv genug pflegen. Regensburg ist ja gut ausgestattet. Die Stadt hat bereits wichtige Einrichtungen wie das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Regensburg hatte ja schon einmal eine Filialgalerie der Staatsgemäldesammlungen. Die wurde aber wieder geschlossen. Man hatte in Regensburg wohl einen Vorbehalt gegen Kunst des 19. Jahrhunderts.

Wie sieht Ihre Vorstellung vom Museum der Zukunft aus?

Man muss das Museum nicht neu erfinden. Die Museen haben seit 200 Jahren eine vernünftige Entwicklung genommen. Man muss sie allerdings weiterentwickeln. Das heißt, vor allem neue Kommunikationsformen mit dem Publikum finden. Allerdings stellen wir fest, dass die digitalen Instrumente auch kein Allheilmittel sind. Wir werden dennoch verschiedene Formen ausprobieren. Wir sind uns voll bewusst, dass wir die Kommunikationswege unserer Zeit nützen müssen. Museen, die sich in einem Zeitraum von zehn Jahren nicht verändern, laufen Gefahr, nicht mehr im notwendigen Umfang wahrgenommen zu werden.

Wie weit sind die Museen in Bayern bei der Entwicklung hin zur digitalen Vermittlung?

Die Geschwindigkeit, mit der etwa das Städel in Frankfurt am Main digitale Erschließungswege geht, ist beeindruckend. Uns fehlen in Bayern dazu die personellen Strukturen und Ressourcen. Wir haben in vielen deutschen Museen, so auch in München, keine Substrukturen für Datenbankpflege. Wir haben enormen Nachholbedarf. Mit jedem Jahr, das vergeht, wird die Distanz zu den Möglichkeiten der Zeit größer. Wir bemühen uns um Partner. Es ist aber nicht einfach, weil Sponsoren im digitalen Bereich Innovationen fördern wollen und nicht die Basisarbeit der Digitalisierung. Dazu sind Millionenbeträge notwendig.

Sie haben Erfahrungen in Berlin und in Dresden. Haben Sie vergleichsweise mehr Geld in Bayern?

Man kann die Orte schwer vergleichen, weil die Strukturen sehr verschieden sind. Die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin sind gesamtdeutsch finanziert, in Dresden sind die staatlichen Kunstmuseen vom Land Sachsen finanziert. Ebenso ist es in Bayern. Es gibt viele Bereiche in München, in denen wir dank eines großen bürgerschaftlichen Engagements besser gestellt sind als in Dresden. Wir haben auch den Vorteil einer langfristigen Bindung der Industrie an die Stadt. Wir haben ein erfreulich enges Verhältnis der Staatsgemäldesammlungen zu unserem Ministerium. Das sind geldwerte Voraussetzungen.

Es wurde Ihnen beim Dienstantritt in München vom bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle die Aufgabe gestellt, sich um die strategische Weiterentwicklung Ihrer Häuser zu kümmern. Wie sieht da Ihre Planung aus?

Die Kernaufgabe der nächsten fünf Jahre wird das Bauen sein. Die Alte Pinakothek ist bis 2017 in der Sanierungsphase. Anschließend müssen wir dringend die Neue Pinakothek sanieren, auch in der Schack-Galerie haben wir Bauaufgaben abzuschließen. Die Konsolidierung durch bauliche Ertüchtigung ist der Schritt Nummer eins. Das gilt auch für Filialen wie derzeit in Würzburg. Es geht aber auch darum, die Digitalisierung voranzutreiben.

Museumsleute kritisieren, sie hätten in kommunalen und staatlichen Strukturen nicht die Freiheit, Neues zu wagen. Bayern ist ja in dem Verdacht, dass hier alles sehr bürokratische geregelt ist.

Staatliche Museen sind natürlich an Vorschriften gebunden. Die Fülle der Vorgaben, die uns Schwierigkeiten machen, sind nicht vom Ministerium diktiert. Am meisten zu kämpfen haben wir mit Bauvorschriften etc.. Administrative Vorschriften müssen jedoch stets hinterfragt und angepasst werden.

Sie sind froh in Bayern zu sein?

Absolut. Ich habe ein hervorragendes Team, mit dem ich alle uns gestellten Aufgaben meistern kann.

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