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Kultur
Montag, 24. September 2018 15° 2

Konzert

Musikabend von grimmig bis butterweich

Odeon-Reihe: Sergei Nakariakov und die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg gastierten im Audimax.

Der Trompeter Sergei Nakariakov Foto: dpa
Der Trompeter Sergei Nakariakov Foto: dpa

Regensburg.Ein Solist und zwei Instrumente, auf denen er gleichermaßen brilliert – das gibt es nicht alle Tage. Beim jüngsten Konzert der Odeon-Reihe ist es Sergei Nakariakov, der das seltene Kunststück möglich macht. Zunächst erlebt ihn das Publikum im Audimax als Trompeter, der die Solopartie von Haydns Es-Dur-Konzert mit überaus schlanker Tongebung gestaltet. Die Vorstellung von der Trompete als schmetterndem militärischem Signalinstrument muss man bei Nakariakovs Vortrag vergessen, an sie erinnern allenfalls eigene fanfarenhafte Wendungen in Haydns Finalsatz. Ansonsten wird das Blasinstrument hier zum Medium verfeinerter Kammermusik: mit butterweich geführten melodischen Bögen und unangestrengt wirkenden Tonleiter-Klettereien.

Zum Flügelhorn greift Nakariakov als Mozarts Hornkonzert Nr. 4 auf dem Programm steht. Das Instrument gibt Mozarts Komposition ein ungewohntes Timbre: verschatteter als bei der Interpretation auf dem Jagdhorn und gleichsam mattgold glänzend, dafür jedoch wunderbar phrasiert und rhetorisch wie eine textlose Klangrede wirkend. Zum melodiösen Wunder, bei welchem dem Hörer das Herz aufgeht, wird der Romanzen-Mittelsatz, bevor Nakariakov in den Signalmotiven des Finales in seinem Spiel doch noch eine Annäherung an den Hornklang und die damit verbundene Jagdthematik sucht.

So fasziniert die Zuhörer von Nakariokovs Blasinstrument-Künsten sind, sie spenden mit Recht auch der umsichtig begleitenden „Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg“ wohlverdienten Applaus. Ihre eigenen Qualitäten zeigt die Kammerphilharmonie unter ihrem langjährigen künstlerischen Leiter Juri Gilbo zunächst bei einer ausgefeilten Interpretation von Mozarts großer g-Moll-Sinfonie KV 550. Gedeckt im Grundton bleibt anfangs der Kopfsatz, doch immer wieder durchsetzt mit Abschnitten schmerzlichen Aufbegehrens. Dem ungewohnt beschwingt vorgetragenen Andante lassen die russischen Gäste ein grimmiges Menuett folgen und ein wild stürmendes, unversöhnt in Moll endendes Finale.

Abschließendes Hauptwerk ist Mendelssohns „Italienische Sinfonie“, in deren Kopfsatz die russischen Gäste nun ein ganz anderes Klangbild voller Helligkeit und Licht entwerfen. Von südlichem Temperament strotzt auch das Finale: ein vorwärts treibender Saltarello, den Juri Gilbo – nach einer dämpfenden Piano-Wendung – zu einer effektvoll hingepfefferten Schlusspunkt bringt. Zwei folkloristische Zugabenzuckerl gibt’s danach noch: einmal irisch-sanft, einmal türkisch-schmissig. (mdg)

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