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Regensburg.

Musikalisch intelligent, elegant und energiegeladen

Anastasia Zorina entzündete ein Feuerwerk pianistischer Brillanz.

Anastasia Zorina Foto: MZ-Archiv

Von Gerhard Heldt, MZ

In einem Alter, in dem andere Abitur machen, legt die seit 2002 in Regensburg lebende knapp 20-jährige gebürtige Russin Anastasia Zorina beim renommierten Klavierpädagogen Gerhard Oppitz an der Münchner Musikhochschule ihr Di-plomexamen ab. Ihre bisherigen Regensburger Auftritte litten unter unzureichenden Instrumenten. Nun stellte sie ihre Diplomkonzertstücke im akustisch problematischen Saal des Pianohauses Metz auf dessen bestem Konzertflügel vor. Mit ihrem ebenso anspruchsvollen wie abwechslungsreichen Programm überspielte sie einfach alle Tücken des Raums.

Beethovens „Sonata quasi una fantasia“ Es-Dur op. 27,1 ist die eher unbekannte Schwester der „Mondscheinsonate“ cis-Moll op. 27,2. Anastasia Zorina traf die leichten, poetisch schwebenden Klänge des langsamen ersten Teils des Kopfsatzes ebenso wie die stürmisch aufbrausenden des Mittelteils. Die dynamischen Kontraste des zweiten Satzes (Allegro molto vivace) meisterte sie mit ausdifferenzierter Anschlagskunst, im Adagio con espressione sang sie die liedhafte Melodik eindringlich, formte Verdichtungen konzentriert und arbeitete im finalen Allegro vivace souverän auf den Ruhepunkt (Wiederaufnahme des Adagio) vor dem Schluss-Presto hin.

Wer die 12 „Études“ op. 10 von Frédéric Chopin musikalisch wie technisch derart mitreißend spielt wie die junge Solistin, muss zum engeren Kreis ausgezeichneter Pianisten gezählt werden. Was sie an atemberaubender Virtuosität und hoch entwickeltem Klangsinn einzubringen weiß, übertrifft alle Erwartungen. Technisch sind ihr keine Grenzen gesetzt, und musikalisch ist sie ausgereift. Das zeigten besonders die Études C-Dur (Nr. 1), cis-Moll (Nr. 4) und Ges-Dur (Nr. 5), F-Dur (Nr. 8), Es-Dur (Nr. 11) und c-Moll (Nr. 12).

Edvard Grieg schrieb seine „Ballade in Form von Variationen über ein norwegisches Volkslied“ op. 24 als Reaktion auf den Tod der Eltern 1875. Sie fordert vom Interpreten, über der Gestaltung der verhangen-melancholischen Grundstimmung des Themas und den Anforderungen an seine Virtuosität die Großform nicht zu vernachlässigen, was Anastasia Zorina vorzüglich gelang. Den massiv getürmten atonalen Klangmassen der „Ciaccone“ von Sofia Gubaidulina begegnete sie mit lässiger Nonchalance. Mit Martellato-Forteschlägen und hingetupften Pianissimi gestaltet die Komponistin die barocke Form sehr frei – die Wiedergabe zeigte, dass der jungen Interpretin auch diese Musik bestens liegt. Zum Abschluss eine Reverenz an das Klavier-Virtuosentum des 19. Jahrhunderts: Franz Liszts „Mephisto-Walzer“ Nr. 1 („Tanz in der Dorfschenke“). Dieses oft von prominenten Pianisten eingespielte Werk nutzte die Solistin, ein Feuerwerk pianistischer Brillanz, musikalischer Intelligenz wie klanglichen Feinsinns, gepaart mit Eleganz und Energie, zu inszenieren. So möchte man sie hier öfter hören!

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