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Konzert

Musikalische Aphorismen

Scheinbar unscheinbar: Der Pianist und Musikforscher Lars David Kellner hat kleine Schätze aus dem Werk des Komponisten Leoš Janácek gehoben.
Von Gerhard Dietel, MZ

Pianist Lars David Kellner

Regensburg. Zunächst herrscht beim Publikum Verwunderung: Kann es möglich sein, dass im Oeuvre Leoš Janáceks, eines höchst bedeutenden Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts, noch unentdeckte Schätze zu heben sind? In der Tat ist dies so – jedenfalls was das weniger beachtete Klavierschaffen des vorwiegend als Opernkomponist wahrgenommenen mährischen Meisters betrifft. Der Pianist und Janacek-Forscher Lars David Kellner hat aus Archivbeständen einiges Unbekannte zutage gefördert, und daher können die anwesenden Hörer bei seinem Konzert im Hause der Firma Piano Metz neben bekannten Klavierwerken Janáceks auch einige Uraufführungen erleben.

Deutlich macht Lars David Kellner bei seinem musikalischen Vortrag, dem er immer wieder Erläuterungen zu den dargebotenen Stücken voranstellt, dass Janáceks pianistische Hinterlassenschaft alles andere als einen geschlossenen, stilistisch einheitlichen Komplex bildet. An einem Rand des Spektrums steht jene für die Begleitung sportlicher Aktivitäten gedachte „Musik zum Keulenschwingen“, die sich ganz an herkömmliche böhmische Tanzmusik anlehnt und keinerlei Zeichen einer individuellen Handschrift verrät. Letzteres gilt auch für etliche der uraufgeführten „Zehn Miniaturen“, wenn sie sich etwa in ungebrochenem G-Dur in den Bahnen des lyrischen Klavierstücks der Romantik bewegen. Daneben stehen dann jedoch wieder ganz eigenwillige musikalische Aphorismen, deren Musik Janacek aus tschechischen Sprechtonfällen entwickelte: sozusagen Nebenprodukte seiner typischen Arbeitsweise bei der Opernkomposition.

„scheinbar unscheinbar“ ist die Konzertreihe übertitelt, in deren Rahmen der Konzertabend stattfindet. Man kann dieses Motto direkt auf den pianistischen Anspruch der Klavierstücke Janaceks anwenden. Denn die beginnen, etwa in dem vollständig und in der ursprünglichen Fassung der Handschrift erklingenden Zyklus „Auf verwachsenem Pfade“, oft mit ganz simplen Motiven. Doch werden diese in der folgenden variativen Entwicklung nicht allein eigenwillig harmonisch beleuchtet, sondern auch metrisch erweitert und in schwer realisierbare Proportionen zueinander gestellt. Da ist dann die ganze Gestaltungskraft Lars David Kellners herausgefordert, der am Schluss für seinen spannenden und instruktiven Klavierabend den verdienten Beifall des Publikums erhält.

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