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Klassik

Musikalisches Gespräch zu neunt

Tschechisches Nonett überzeugte beim Regensburger Musikverein.
Von Gerhard Dietel

Das Tschechische Nonett gastierte in Regensburg. Foto: Jan Malý
Das Tschechische Nonett gastierte in Regensburg. Foto: Jan Malý

Regensburg.Um eine der ältesten ununterbrochen bestehenden Kammermusikformationen handelt es sich beim „Tschechischen Nonett“, das im Jahre 1924 von Schülern des Prager Konservatoriums gegründet wurde. In derzeitiger Nachfolger-Besetzung war das „Tschechische Nonett“ nun beim sechsten Konzert des Regensburger Musikvereins im Vielberth-Gebäude der Universität zu erleben, und wie beim ersten öffentlichen Auftritt des Ensembles vor über neunzig Jahren stand das Standardstück der Nonett-Literatur auf dem Programm: Louis Spohrs Pionier-Komposition aus dem Jahre 1813 für diese ungewöhnliche Instrumenten-Kombination.

Als handle es sich um ein Streichtrio, eröffneten Violine, Viola und Cello das Werk, bevor die fünf Blasinstrumente die Führung übernahmen. Als letztes trat der Kontrabass hinzu und weitete den Klangraum zu fast orchestraler Fülle. Doch nicht auf kompaktes Musizieren setzten Komposition und Interpretation. Munter ließen die Mitglieder des „Tschechischen Nonetts“ immer wieder kurzgliedrige Motive durch die Instrumente wandern und gaben jedem Spieler Gelegenheit, sich gehaltvoll ins Gespräch der Gruppe einzuschalten.

Ein unbekanntes Stück folgte, das seinen Ursprung in einem tschechischen Märchenfilm hat: das „Nonetto Favoloso über den braven Ritter Bajaja“ von Vaclav Trojan. Der Zuhörer konnte in den kurzen Szenen dieser raffiniert instrumentierten und archaisierend auf Tonfälle der Renaissancemusik zurückgreifenden Partitur eine imaginäre Handlung im Kopf abrollen lassen. Ganz plastische Bilder entstanden, als man in beschwingten Tönen den Aufbruch des Ritters vernahm, eine feierliche „Begrüßung der Gäste“ auf der Burg erlebte und schließlich unter dramatischen Tremoli einen Drachen im Kontrabass hervorkriechen sah, aus dessen Fängen Bajaja die Prinzessin schließlich glücklich errettete.

Wo es an Original-Literatur für die Besetzung mangelt, greift das „Tschechische Nonett“ zu Bearbeitungen. Und siehe: Antonin Dvoraks eigentlich für Bläser (nebst grundierendem Cello und Kontrabass) geschriebene Serenade op. 44 machte auch in der gemischten Nonett-Besetzung gute Figur. Zu hören war in farbiger Interpretation eine unterhaltsame Musik, die im Geist des Historismus Mozart Reverenz erweist, doch immer wieder vom Klassizismus in den böhmischen Volkston abbiegt, zumal im „Menuett“ mit seinen Furiant-Rhythmen im Mittelteil. Eine Bearbeitung war dann auch die Zugabe nach dem anhaltenden Beifall des Musikvereins-Publikums. Sie musste nicht extra angesagt werden, denn die Töne von Boccherinis „Menuett“ sind jedem Musikfreund vertraut.

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