mz_logo

Kultur
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Konzert

Nach der Pause wie aus einem Guss

Das Philharmonische Orchester Regensburg kommt im 5. Sinfoniekonzert mit Schubert besser zurecht als zuvor mit Mozart.
Von Andreas Meixner

Dirigent Christopher Lichtenstein Foto: Theater Regensburg
Dirigent Christopher Lichtenstein Foto: Theater Regensburg

Regensburg.Die Neigung, der Musik Mozarts auch immer etwas Geheimnisvolles unterzujubeln, erfreut sich gerade bei der Bewertung seiner letzten intensiven Schaffensperiode vor seinem frühen Tod 1791 großer Beliebtheit. Das geheime Freimaurertum, Todesahnungen oder Depressionen, die sich mit emotionalen Hochphasen stetig abwechseln, sind dazu natürlich bestens geeignet. Dabei ist Mozart an diesem Punkt genauso Mensch wie jeder andere, die eigene Lebenssituation wird Teil des kreativen Prozesses. Sicher ist es deshalb möglich, dass die Wahl der Tonart g-moll für seine 40. Sinfonie eine schwierige Phase im Sommer 1788 kennzeichnet.

Erste Satz findet nicht zu seiner Mitte

Das Philharmonische Orchester Regensburg musste sich im 5. Sinfoniekonzert der laufenden Saison nach der etwas sperrigen Fugenbearbeitung von Anton Webern aus dem „musikalischen Opfer“ von Johann Sebastian Bach erst in die Welt der großen g-moll Sinfonie einlassen. Der erste Satz fand nicht zu seiner Mitte, blieb interpretatorisch brüchig und unpräzise. Im folgenden Andante wuchsen Streicher und Bläser dann aber langsam zu einer dialektischen Einheit zusammen, bis über das Menuett dann im Finale zu der Qualität gefunden wurde, die man von dem Orchester mittlerweile erwarten darf.

Und die blühte im zweiten Teil des Konzerts mit der Musik von Franz Schubert auf. Fast schien es, als würde seine Musik den Philharmonikern mehr liegen als die des Salzburgers. Das konnte man schon den ersten beschwingen Takten der Ballettmusik zum Schauspiel „Rosamunde, Fürstin von Zypern“ anmerken. Da war so vieles mehr aus einem Guss, die klangliche Geschlossenheit und der Gestaltungswille geschahen um eine ganze Klasse höher als vor der Pause.

Ganz andere Körpersprache

Auch das Dirigat von Christopher Lichtenstein bekam eine ganz andere Körpersprache in Schuberts zweiter Sinfonie, die größere Wucht und Dynamik des Werkes gegenüber der fast dreißig Jahre älteren Mozart-Sinfonie lag allen Beteiligten einfach besser, ausgenommen die Holz- und Blechbläser: Sie glänzten auch schon in den Sätzen der g-moll Sinfonie mit einer hervorragenden Registratur zueinander, gaben Mozarts Musik die typische Farbe eines bestens abgeschmeckten Bläsersatzes. Bei Schubert zeigten vor allem die Blechbläser mit knackigen Einsätzen, dass es nicht nur auf Lautstärke, sondern auch auf bläserische Kultiviertheit ankommt. So war Schuberts frühe Sinfonie, die er gerade mal als 17-Jähriger neben seiner ungeliebten Tätigkeit als Hilfslehrer in der Schule seines Vaters komponierte, ein einziges Crescendo über vier Sätze hinweg, hinein in ein mitreißendes Presto vivace als Finale.

Es ist kein Makel des Abends, dass Lichtenstein in allen vier Stücken keine Neuinterpretation suchte oder gar mit extremen Tempi oder ausgefallenen Dynamiken experimentierte. Das klare Dirigat forderte stets Präzision und eine deutliche Themenzeichnung. Sein Bemühen wurde vor allem im zweiten Konzertteil mit einer beeindruckenden Orchesterleistung belohnt. Einfach schade, dass Mozarts „große g-moll“ kurz zuvor ihre Faszination so wenig entfalten durfte.

Weitere Kulturnachrichten gibt es hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht