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Musik

Neue CD, neue Band und eine Frau

Der Regensburger Tobias Meinhart kommt mit seinen US-Jungs und der kanadischen Startrompeterin Ingrid Jensen in den Jazzclub.
Von Andreas Brey, MZ

  • „Natural Perception“ – „natürliche Wahrnehmung“ lautet der Titel von Tobias Meinharts neuestem Album. Foto: Mariana Meraz

Regensburg.Er ist „eines der größten deutschen Talente am Tenorsaxofon“. Und dieser Meinung ist nicht nur das „JazzThing Magazin“, das als erstes großes Fachmagazin bereits im September 2013 dem damals noch relativ unbekannten Tobias Meinhart eine erste, große Geschichte widmete. Mittlerweile ist der Musiker ein Liebling – nicht nur des Publikums, sondern auch der Kritiker. Die Redakteure des „Klassikinfo“ gerieten so ins Schwärmen, dass sie den Saxofonisten, der aus Regensburg stammt, aber seit vielen Jahren in New York lebt, als „absoluten Hinhörer“ bezeichneten. Nun hat der 31-Jährige etwas Neues zum „Hinhören“ auf den Markt gebracht: „Natural Perception“.

Die Produktion ist nach Pursuit of Happiness (2011, Doublemoon), Live at Getxo Jazzfestival (Errabal 2012) und In Between (2014, Doublemoon) die vierte CD des Saxofonisten, die sich jedoch in vielen Punkten von den Vorgängern unterscheidet. Die Plattenfirma (erstmals ENJA records), die Band (erstmals ausschließlich amerikanische Musiker) und das erstmals mit Trompete, für deren Besetzung der charismatische Komponist keine Geringere als Ingrid Jensen gewinnen konnte.

Mehr als eine Musikerin

Tobias Meinhart in Regensburg

  • Tobias Meinhart

    Der gebürtige Regensburger studierte in der Schweiz und in Amsterdam Jazzsaxofon und lebt seit 2009 in New York. An der Aaron Copland School machte er sein Master Diplom. Er hat sich seitdem voll in die New Yorker Jazzszene eingelebt. Aktuell ist er auf Natural-Perceptions-Tour.

  • Das Konzert

    Zur Band, mit der Tobias Meinhart (Tenorsaxophon) unterwegs ist, gehören Startrompeterin Ingrid Jensen, Yago Vazquez (Piano), Phil Donkin (Bass) und Jesse Simpson (Drums): zu erleben am Dienstag, 10. November, 20 Uhr, beim Jazzclub Regensburg im Leeren Beutel, Karten: (09 41) 56 33 75.

Die Kanadierin, die seit Anfang der 1990er in den Staaten lebt, ist eine der weltweit bekanntesten Jazztrompeterinnen. Für Meinhart, der sie seit seiner Ausbildung an der renommierten „New School of Music“ kennt, ist die 49-Jährige längst mehr als einfach nur eine tolle Musikerin.

Jensen ist für Meinhart eine Mentorin. Bekannt geworden vor allem durch ihre Arbeit mit dem Maria Schneider Orchestra, eine der stilprägendsten aktuellen Big Bands, ist die Kanadierin immer wieder in den Top 5 der jährlichen Downbeat Critics Polls zu sehen. Und Jensen ist begeistert von dem jungen Komponisten. Tobias sei eigentlich ein sehr sanfter Mensch, der jedoch, wenn er spielt, zu einem Monster mutiert – einer, der sich „am Tenorsaxofon den Arsch aufreißt“. Kein Wunder, dass Jensen mit Meinhart und seiner Working-Band so wunderbar harmoniert. Die Musik ist überraschend. Meinharts Stil, eigen und unverfälscht. Darum geht es auch im gesamten Album: „Natural Perception“, auf Deutsch „natürliche Wahrnehmung“.

Der Kopf ist leer, aber das Herz voll

Es geht um die spirituelle Kraft von Musik, die entsteht, wenn alle Musiker ohne mentale Hindernisse musizieren. Wenn sie, vereinfacht gesagt, nicht mehr so viel denken, sondern sich einfach frei spielen. Nur so kann Musik fließen. Und um eben diesen Flow geht es. Ihn möglichst oft zu erreichen, hat sich die Band zum Ziel gesetzt. Meinhart wurde beim Komponieren – der Prozess dauerte fast zwei Jahre – sehr von Alejandro Jodorowskys Buch „The Spiritual Journey“ inspiriert. Der preisgekrönte chilenische Autor und Regisseur, der mit „Dune“ ein episches Sci-Fi-Movie schuf, schreibt von einem Zustand, den er als „empty mind – full heart“ bezeichnet. Der Kopf ist leer, aber das Herz voll.

Aufgenommen in Berlin und New York setzt die Band dieses Konzept auf faszinierende Weise um. Am Bass spielt Phil Donkin, gefragter Sideman von Kurt Rosenwinkel oder Dhaffer Youssef. Der junge Jesse Simpson aus San Francisco treibt die Band am Schlagzeug an und am Klavier sitzt mit dem Spanier Yago Vazquez Meinharts Mitbewohner in Brooklyn.

Die neue CD ist nur der erste Schritt für die Musiker. Schritt zwei ist die Tour: natürlich New York, Boston, Philadelphia und weitere US-Städte. Seit Anfang Oktober ist die Band in Europa unterwegs: Barcelona, Berlin, Hamburg, Köln, München, Prag, Wien und – diese Stadt lässt Tobias Meinhart nie aus – Regensburg, wo alles begonnen hat. Die Regensburger können sich am 10. November im Leeren Beutel auf außergewöhnliche Eigen-Kompositionen freuen: Lieder, die die Post-Bop Ära der 1960er mit einem swingenden Groove würdigen, aber auch Werke, die traditionelle Jazzformen aufbrechen und die Grenzen kollektiver Improvisation erforschen.

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