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Hochschule

Neue Klänge für die Kirchen

Der Masterstudiengang „Neue geistliche Musik“ an der Regensburger Hochschule für Kirchenmusik sorgt für Aufsehen und Neugier.
Von Andreas Meixner

Die drei Professoren des neuen Masterstudiengangs: Gerwin Eisenhauer, Dieter Falk und Franz Prechtl (v. l.)Foto: HFKM
Die drei Professoren des neuen Masterstudiengangs: Gerwin Eisenhauer, Dieter Falk und Franz Prechtl (v. l.)Foto: HFKM

Regensburg.Es ist erst einige Wochen her, dass die Hochschule für Kirchenmusik und Musikpädagogik (HFKM) den neuen Masterstudiengang „Neue geistliche Musik“ der Öffentlichkeit präsentiert hat. Das Echo darauf ist seither enorm. Hochschulrektor Stefan Baier ist begehrter Interviewpartner, auch die drei Professoren Gerwin Eisenhauer, Dieter Falk und Franz Prechtl sind in aller Munde bei denen, die teils kritisch und neugierig, in jedem Falle gespannt auf das erweiterte Angebot an der Hochschule blicken.

Dabei ist die Anforderung zunächst nicht neu. Schon lange halten Stilelemente des Pop und Jazz Einzug in die Kirchen und Gemeinden – beim Angebot für Kinder und Jugendliche bei Familiengottesdiensten oder durch den Wunsch nach einem individuellen Musikangebot bei Taufen, Trauungen oder Requien. Rhythmische und moderne Lieder in der Liturgie oder bei großen Kirchenfesten sind mittlerweile in vielen Kirchengemeinden Alltag. Auch der Gospelgesang hat sich längst in etabliert und ist Anziehungspunkt für viele junge Menschen.

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Die Erwartungshaltung ist groß gegenüber dem Versuch, einem vom Establishment eher belächelten und wenig ernst genommenen Bereich der Kirchenmusik nun Hochschulrang zu verleihen. Dabei geht es nicht vorrangig um das Neue geistliche Lied, das schon lange Einzug in die Gotteshäuser und in das Gotteslob gefunden hat. Vielmehr geht es darum, wie mit Jazz-, Pop- und Rockmusik im Kirchenraum umgegangen werden soll. Es stellt sich in diesem Zusammenhang auch die grundsätzliche Frage, was denn gute Kirchenmusik ausmacht, welche Qualität sie haben soll und was sie vor allem nicht sein darf.

Kirchenmusik braucht Qualität

Für Stefan Baier ist das eigentlich schnell zu beantworten: „Jegliche Musik, die im Kontext der Liturgie steht, ein inhaltliches Verhältnis zum Raum eingeht und die Menschen im Herzen und in ihrem Glauben erreicht, ist zunächst gute Kirchenmusik.“ Die Hochschule hat diese Entwicklungen bisher in einzelnen Studienfächern erfolgreich eingebettet und daraus wertvolle Erkenntnisse gezogen. Baier, selbst eher ein Vertreter der Alten Musik, ist der Initiator des neuen Masterstudiengangs.

Ich wünsche mir eine neue Ästhetik in der Neuen geistlichen Musik!“

Prof. Gerwin Eisenhauer, Dozent für Schlagzeug

Baier, der an seiner Hochschule bereits vor kurzem mit einer ebenfalls deutschlandweit einzigartigen Schwerpunktausbildung im Fach Gregorianik für Aufsehen gesorgt hat, geht das Wagnis ein, dieses bisher kaum strukturierte Feld der Kirchenmusik in eine professionelle Ausbildung einzubetten. Damit schafft er einen weiteren großen Baustein für eine ganzheitliche und umfassende Kirchenmusikerausbildung, wie es sie bisher so noch nicht gegeben hat.

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„Das grundständige Kirchenmusikstudium erhält mit dem neuen Master-Studiengang eine Komplettierung, die den Kirchenmusiker vor Ort befähigt, sich in der vollen musischen Bandbreite – vom gregorianischen Choral bis hin zu Pop- und Jazzsongs – auf hohem Niveau zu bewegen“, sagt Rektor Baier. Das Bistum geht mit der Finanzierung kräftig in Vorleistung: Drei Professuren und die Anschaffung modernen Instrumentariums, Beschallungsanlagen, sowie die Ausstattung mit Computertechnik kosten viel Geld.

Ziel ist es, die Fähigkeiten der Studierenden im Umgang mit den Stilelementen zu intensivieren. Songwriting, Arrangementbearbeitung sowie computerunterstützte Kompositionstechniken sind ebenso wichtige Bestandteile, wie grundlegende Kenntnisse an der Gitarre und an Bassinstrumenten. „Es geht um die handwerkliche Qualifikation im Umgang mit den Elementen und Stilistiken der Popularmusik“, sagt Franz Prechtl. „Die Musik folgt oft einer völlig anderen Dramaturgie, die Zusammensetzung des Instrumentariums ist nicht immer aus der klassischen Musik abzuleiten.“

Eigene Kreativität und Kraft

Gerwin Eisenhauer, ein international renommierter Top-Schlagzeuger, freut sich auf den Dialog und die Auseinandersetzung mit den Studenten. „Ich wünsche mir eine neue Ästhetik für diesen Musikbereich, der sich in Zukunft nicht alleine auf das Covern alter Pop- und Rockballaden und Gospelsongs reduzieren lässt, sondern eine eigene Kreativität und Kraft entwickelt.“ Dieter Falk, der als Komponist zuletzt auch große Erfolge mit Musicals und Poporatorien feiern konnte, fordert ohnehin von der Kirchenmusik, „ein kulturelles Spiegelbild“ zu sein. „Auch für Musik in der Kirche gilt es, die Menschen bei ihren Bedürfnissen abzuholen. Und dazu gehört auch die Frage, welche Musik sie in der Kirche hören wollen.“

Der neue Master-Studiengang ist anspruchsvoll. Er verlangt bereits fundierte Vorkenntnisse. Aber das ist nun mal der hohe Anspruch der ältesten Kirchenmusikausbildungsstätte der Welt.

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