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Kultur
Sonntag, 23. September 2018 24° 7

Neue Musik vom Feinsten

Vor großem Publikum stellte der Neue Kammerchor der Kirchenmusikhochschule in Regensburg „erstmal neues“ vor.
Von Gerhard Heldt, MZ

Regensburg.Es ist recht still geworden um die Neue Musik, nicht nur hier, sondern auch anderenorts. Umso verdienstvoller ist es, dass der Neue Kammerchor der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik jetzt eine Reihe „erstmal neues“, die Uraufführungen aus dem neuen Jahrtausend bringt, startete.

Der erste Abend im gut besuchten Konzertsaal der Hochschule machte mit drei ebenso unterschiedlichen wie qualitätvollen Werken bekannt: dem „Lux aeterna I“ für Chor und Orgel des 1960 geborenen Hans Schanderl (Uraufführung 2001), der 2009 uraufgeführten Orgelsinfonie Nr. 7 „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ von Enjott Schneider, geboren 1950, und der ebenfalls 2009 erstmals vorgestellten „Gryphius-Kantate“ (Kantate der Vergänglichkeit) von Karl von Feilitzsch (1901-1981). Schanderls vier- bis achtstimmiges Werk basiert auf einer kurzen Skala mit der einmaligen Alteration des Tones B zum H; modal gehaltene Veränderungen erreicht er mit weitgespannter Dynamik und Wechsel der Stimmlagen. Expressiv-dichte Klangschichtungen wiederholen sich auf kleinstem Raum, zeugen von Beständigkeit des Ewigen. Der neue Kammerchor zeigte sich der intonatorisch schwierigen Aufgabe bestens gewachsen; Eva Maria Leeb, zuverlässig leitend, und Kunibert Schäfer an der Orgel waren Garanten für den nachhaltigen Eindruck, den die Präsentation dieser Komposition hinterließ.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Enjott Schneider ist durch seine oftmals ausgezeichneten Filmmusiken bekannt geworden; hier kennt man ihn spätestens seit der Uraufführung seiner Kammeroper „Albert warum?“ 1998. Ein Schwerpunkt seines Schaffens sind programmatische Orgelsinfonien, deren 7. Kunibert Schäfer 2009 in der Basilika in Waldsassen uraufführte und sie nun in anderer Umgebung nochmals vorstellte. Er hat auf der Goll-Orgel wahre Wunder an Registrierungs-Feinheiten vollbracht, um den räumlichen Nachteil gegenüber einer großen Kirche auszugleichen, was ihm ausgezeichnet gelang. In der direkten Akustik des Konzertsaals vermittelten sich seine Intentionen „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ sehr eindringlich. Sowohl minimalistische Strukturen als auch der reizvolle Kontrast sehr hoher und sehr tiefer Register kamen bestens zur Geltung.

Klage über die Vergänglichkeit

Die Orchesterbegleitung der „Gryphius-Kantate“ (Kantate von der Vergänglichkeit) von Karl von Feilitzsch hatte der energisch leitende Steven Heelein für zwei Klaviere gesetzt, was das Werk klanglich noch näher an den Zeitgenossen Carl Orff rückte. Feilitzsch hat sich Passagen aus Texten von Andreas Gryphius, des Barockdichters Martin Opitz, aus dem Hohen Lied, dem Prediger Salomo, dem 90. Psalm und altorientalischer Lyrik zu einer umfassenden Klage über die Vergänglichkeit alles Irdischen zusammengestellt. Er fasst dies in massiv auftrumpfende Chöre, ergreifende Soli (Christa Schäfer, Alt; Sibrand Basa, Tenor; Christian Schmidt, Bass) und zart-lyrische Abschnitte – nie resignierend und nicht mit überschwänglicher Zuversicht. Die grandiose Leistung des Chores und der Solisten krönte einen vielversprechenden Auftakt!

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