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Neuer Soundtrack für alte Kunst

Studierende der Kirchenmusikhochschule fanden ganz neue Töne für Scherenschnittfilme der Pionierin Lotte Reiniger – und begeisterten damit ihr Publikum..
Von Fred Filkorn, MZ

Lotte Reinigers Silhouettenfilme sind filigrane Kunstwerke.

Regensburg.Das diesjährige Sonderthema der Kurzfilmwoche, die Musik, ebnete den Weg für eine Zusammenarbeit, die quasi in der Luft lag. Der klassische Stummfilm wurde bei Vorführungen von Musikern live vertont. Und: Unter dem Dach des Arbeitskreises Film (AKF) wird nicht nur die Kurzfilmwoche veranstaltet, sondern auch eine Open-Air-Stummfilmwoche im Historischen Museum. Die Leiterin dieses sommerlichen Events, Nicole Litzel, war also für Festivalleiterin Insa Wiese erste Ansprechpartnerin in den Umbaupausen des Lotte-Reiniger-Abends: Wie hat sich der Stummfilm kulturhistorisch entwickelt? Was hat Lotte Reiniger zum Film gebracht, was aus Deutschland vertrieben? Wie hat die Pionierin ihre Silhouettenfilme handwerklich gemacht?

Zu den acht gezeigten Märchenfilmen gab Litzel kurze Einleitungen und steuerte manche Anekdote aus Reinigers Leben bei. Ebenfalls in den Umbaupausen offenbarte Wiese im lockeren Zwiegespräch mit HfKM-Leiter Stefan Baier, wie die fruchtbare Kooperation überhaupt zustande kam und wie die Studenten auf das neuartige Projekt reagiert hatten. Insa Wiese ließ auch die zu Wort kommen und erörterte mit ihnen Fragen zur Filmauswahl und Kompositionsweisen. Die Antworten gewährten interessante Einblicke, die den besonderen Charakter eines Filmfestivals ausmachen.

Aber natürlich stand die Live-Vertonung der zeitlos schönen Lotte Reiniger-Scherenschnittfilme im Zentrum des Geschehens. In den Filmen bewegen sich filigran ausgearbeitete Figuren und Bühnenelemente in Schwarz vor einer hell ausgemalten Kulisse. Jeder Kurzfilmscore wurde an diesem Abend in einer anderen Besetzung eingespielt. Die saalhohe Kirchenorgel kam dabei ebenso zum Einsatz wie Schlagzeug, Streicher oder Klavier. Der Handlung angepasst, zauberten die Studierenden wohldurchdachte Soundtracks, die die Stimmung des jeweiligen Filmes perfekt wiedergaben. Die Bandbreite reichte von eher lautmalerischen Interpretationen über groovige Clubjazz-Anwandlungen bis hin zu schwelgerischen Streichermelodien, die jedem Hollywood-Melodram gut zu Gesicht stünden.

Die Zuschauer im restlos ausverkauften (und für diesen Zweck fast zu kleinen) Konzertsaal der Hochschule für katholische Kirchenmusik in der Andreasstraße waren begeistert. Bleibt zu hoffen, dass Insa Wieses Wunsch in Erfüllung geht und diese Veranstaltung sich zu einem festen Bestandteil der Kurzfilmwoche entwickelt.

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