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Kultur

Neujahrskonzert in Regensburg begeistert

Unter Chin-Chao Lin präsentierte das Philharmonische Orchester ein opulentes Programm und geradezu zügellose Spielfreude.
Von Andreas Meixner

Dirigent Chin-Chao Lin leitete das Neujahrskonzert des Philharmonischen Orchesters im Neuhaussaal.  Foto: Andreas Meixner
Dirigent Chin-Chao Lin leitete das Neujahrskonzert des Philharmonischen Orchesters im Neuhaussaal. Foto: Andreas Meixner

Regensburg.Am Ende war es wie immer unvermeidlich, die Erwartungshaltung in diesem Moment wohl einfach zu groß. Das Publikum des Neujahrskonzerts des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Chin-Chao Lin wiegte und klatschte sich im Neuhaussaal mit dem Donauwalzer und dem Radetzky-Marsch in das junge Jahr. Dabei waren dies gewiss nicht die Höhepunkte eines fast zweistündigen Symphoniekonzerts, das bis dahin jegliche Walzer- und Operettenseligkeit tunlichst vermied, bestenfalls nur streifte.

Unter dem Titel „Aufforderung zum Tanz“ stellte der junge Generalmusikdirektor ein fulminantes, üppiges und kraftstrotzendes Programm zusammen, das Eleganz und Festlichkeit mit hoher Qualität zelebrierte. Aus ganz Europa und Amerika wählte er sinfonische Tänze unterschiedlichster Couleur aus, die er dann mit einem klug durchdachten, dramaturgischen Ablauf noch gekonnt abschmeckte.

NeujahrsKonzert

  • Tradition:

    Seit etwa 30 Jahren gibt es am Theater Regensburg Neujahrskonzerte. Die vier diesjährigen Konzerte des Philharmonischen Orchesters im Neuhaussaal sind alle ausverkauft.

Eröffnet wurde mit Carl Maria von Webers „Rondo brillant“ in der Bearbeitung von Hector Berlioz. Damit schlug die Geburtsstunde des großen Konzertwalzers, während im Anschluss die Steyrischen Tänze von Joseph Lanner zum eigentlichen Vater des Wiener Walzers führten. Es folgten die ungarischen Tänze 7 und 5 von Johannes Brahms – spätestens da war man von der Klangopulenz der Philharmoniker völlig in den Bann gezogen.

Das Orchester blüht auf

Angefeuert von einem exakten wie leidenschaftlich geführten Dirigat blühte das Orchester auf, entwickelte einen kompakten und mitreißenden Sound, der mit fast zügelloser Spielfreude den Neuhaussaal bis in die letzte Nische randvoll füllte. Das hat wenig mit Lautstärke zu tun, sondern mit einer noblen Opulenz und dynamischen Differenziertheit, zu der Chin-Chao Lin seine Musiker einlädt. Und sie lassen sich darauf ein, ein satter Streicherklang und fein geführte Bläsergruppen sind das Ergebnis. Auch die Herren des Schlagwerks entwickelten unter den verschiedenen Anforderungen eine sichtliche Spielfreude, hechteten gekonnt zwischen den Instrumenten hin und her. Die norwegischen Tänze von Edvard Grieg, Béla Bartoks Rumänische Volkstänze sowie Musik aus der Ballettsuite „Maskerade“ von Aram Illjitsch Chatschaturjan oder Maurice Ravels „Pavane pour une infante défunte“ sind Zeugnisse, wie stilsicher das Orchester agiert und zwischen den vielen Klangwelten souverän wechselt.

Das muss man erstmal schaffen, nach Rossinis „Tarantella napoletana“ nahtlos den Anschluss zu Aaron Coplands folkloristischem Rodeotanz „Hoe-Down“ zu finden und wieder zurück zu spanischer Musik. Dort gesellt sich die Sopranistin Sara-Maria Saalmann dazu, die selbst spanische Wurzeln hat und jüngst mit dem Bayerischen Kulturförderpreis ausgezeichnet wurde. Mit Pablo Lunas berühmten Lied „De Espana vengo“ („Aus Spanien komm’ ich“) ist sie gleich voll in ihrem Element, mühelos in jedem Register besingt sie im edlen Bolero-Rhythmus die Schönheit Spaniens und seiner Frauen, und flirtet dabei kräftig mit dem Publikum. Mit drei weiteren Liedern aus der spanischen Operntradition der „Zarzuela“ beschließt sie das offizielle Programm des Neujahrskonzerts des Philharmonischen Orchesters, das einmal mehr beweist, dass es schon lange der Rolle eines regionalen Klangkörpers entwachsen ist und den Vergleich zu großen Orchestern in Bayern nicht scheuen muss.

Grüße in vielen Sprachen

Die Neujahrsgrüße lässt der Generalmusikdirektor in den jeweiligen Muttersprachen der Orchestermitglieder vortragen. Kulturelle Vielfalt ist in der Musik und Kultur so selbstverständlich und bereichernd, dass man nur den Kopf schütteln kann über die aktuellen Realitäten in der Gesellschaft. Und eines bleibt auch gewiss: Vielleicht braucht Regensburg kein Kongresszentrum, aber sicherlich einen Konzertsaal. Die Musikstadt braucht ihn. Ganz dringend!

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