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Kunst

Nichts als Farbe, Form und Fläche zählen

„Malerei – Raum der Freiheit“: Heiner Riepl zeigt bis 2. März Malerei, Grafik, Zeichnung und Installation im Kunst- und Gewerbeverein in Regensburg.
Von Gabriele Mayer, MZ

Regensburg.Zu Jahresbeginn widmet der Kunst- und Gewerbeverein gern eine Ausstellung dem Werk eines namhaften Künstlers aus der Region. Diesmal dem in Kelheim aufgewachsenen Heiner Riepl. Er war Meisterschüler bei Ernst Weil an der Nürnberger Akademie. Von 1988 bis 2013 leitete er das Oberpfälzer Künstlerhaus Schwandorf, das mit seinem Artist-in-Residence-Institut ein internationaler Künstlertreffpunkt wurde. Auch im Rahmen dieser Aufgabe hat sich Riepl mit unterschiedlichsten Kunstpositionen befasst.

Riepls eigenes Werk zeichnet sich durch ein hohes Maß an Beständigkeit aus. Nicht der auffällige, gar den Moden nacheifernde Stilwechsel herrscht hier, sondern das unermüdliche Fortschreiten, Variieren und Forschen in der Tiefendimension und in den Feinstrukturen einer Malerei, die bei Riepl seit den späten 1990er Jahren nichts mit Darstellung der äußeren Wirklichkeit im Sinn hat, sondern ganz frei ist, sich nur mit Farben und Formen, Flächen, Proportionen und Strukturen auseinandersetzt. „Das Spektrum des Bildsystems erscheint rotz formaler Strenge und Begrenztheit groß und unermesslich und führt zu einem bemerkenswerten Facettenreichtum“ schreibt Andrea Madesta dazu im Ausstellungskatalog.

Locker, anregend – und nachhaltig

Manche nennen die Kunstrichtung, auf die Riepl dabei Bezug nimmt, abstrakten Expressionismus, andere Konkrete Kunst. Ähnlichkeit haben die Gemälde mit einigen Arbeiten des Amerikaners Jerry Zeniuk, beide Künstler kennen einander, aber beide haben zu dieser Art der Malerei unabhängig voneinander gefunden.

Die Kunst Heiner Riepls wirkt ungemein locker und anregend, doch ihre Zauberworte sind Überlegung, Nachdrücklichkeit und Nachhaltigkeit in der Wirkung. Riepl hat in Regensburg Philosophie und Wissenschaftsgeschichte studiert, wenn er spricht, wirkt er bedacht und ausgleichend. Und so ist auch seine Malerei. Bei all den Brüchen, Wirbeln, abgründigen Gegensätzlichkeiten, Extremen und offenen Formen, aus denen diese Farbflächenbilder bestehen, stehen am Ende immer unterschwellig ein Gefühlsausdruck und eine ruhige Harmonie.

Ein wunderbares Gefühl für Farben

Die Ausstellung öffnet dem Besucher die Augen für die Entwicklung und Vielfalt dieses künstlerischen Werks und sie vertieft das Verständnis. Im Schauraum, den man zuerst betritt, sieht man frühe ungegenständliche Werke Riepls, zugleich fällt der Blick auf seine noch früheren Bilder als Landschaft- und Stillleben-Maler, und man erkennt die Entwicklungslogik. Das Nebeneinandersetzen und zugleich das Verknüpfen von kompakten Flächen schon bei den Landschaftbildern. Das Faible für geometrische Formen, auch das Spiel mit Überblendungen, überhaupt das wunderbare Gefühl für Farben und ihre Ausdruckskraft ist bereits bei den Stillleben da, und deren dunkle Töne treffen sich mit dem Braun-Grau der ersten ungegenständlichen Kompositionen, die durch die Überlagerungen der Farbflächen erstaunliche räumliche Wirkungen erzeugen. Hier herrscht das Prinzip der Rechtwinkligkeit, das aber wird freier und freier und tritt in der jüngeren Zeit in den Hintergrund, auch wenn es als Grundform erkennbar bleibt, und auch die Farbigkeit selbst wird rauschhaft und vielfältig.

Riepl schöpft ganz aus den Farben

Riepl schöpft ganz aus den Farben heraus. Das geht bis zu einer Werkgruppe, bei der sein Ausgangspunkt die bunten Malpaletten von Kindern waren. Riepl setzt die Farbflächen aus ihren Kontrasten, Ähnlichkeiten, dem Rhythmus, den Proportion heraus, manchmal fransen die Ränder der Flächen dynamisch aus, andere Bilder legen vor allem den variierenden Duktus des Pinselstrichs frei, und wieder andere lasierend die einzelnen Farbschichten und bringen auf diese Weise absichtlich Unruhe ins Spiel, aber auch jene offene Tiefenwirkung, die alle Kompositionen Riepls auszeichnet. Beim Experimentieren mit übereinandergelegten Offsetdrucken oder bei der Zerlegung der Drucke in Farbquadrate sieht man es auf andere Art. Bei einzelnen Bildern sind die Farbflächen mosaikartig gegeneinander getrennt, auf dass Störung und Metamorphosen entstehen. Oder: Gelbe Striche auf weißem Grund, sich ballend und auseinanderdriftend, das wirkt beinahe zeichnerisch.

Jeden Tag zeichne er, sagt Heiner Riepl. Die Ausstellung präsentiert einige seiner Skizzenbücher. Sie geben Aufschluss über den Entstehungsprozess eines Bildes, man entnimmt ihnen aber auch, wie Riepl die in der Außenwelt vorgefundene Ästhetik, etwa das Muster von Bodenfließen, in Malerei umsetzt. Dass die Bildkompositionen Riepls aber nicht dazu verführen, in sie doch irgendeine Realitätsdarstellung hinein- oder herauszulesen, das ist eine Qualität dieser Malerei, eine weitere ist das Ungeschmäcklerische.

Eine luftige Überraschung bietet die Ausstellung zusätzlich, nämlich eine erste Installation von Heiner Riepl in Zusammenarbeit mit Sabine Fischer: Titel. „Der Weltgeist zu Besuch in Regensburg“. Da denkt mancher an die Schwere der Menschheitshistorie, sagt Riepl. Stattdessen handelt es sich um eine Spielerei mit Luftballons, Federn und weisen Sprüchen auf Papier, auch der Besucher kann sich am Spiel beteiligen.

Die Ausstellung ist bis zum 2. März im Kunst-und Gewerbeverein Regensburg (Ludwigstraße 6) zu sehen (Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr).

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