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Regensburg.

Nichts ist beweisbar – oder doch?

„Stillleben und so“ – irritierende Fotografien des Schweizers Herbert Weber bei konstantin b.

Der Fotograf Herbert Weber in der Galerie konstantin b. Foto: konstantin b.

VON FLORA Jädicke, MZ

„Nichts ist beweisbar, alles ist widerlegbar“. Diese Erkenntnis des Mathematikers Kurt Friedrich Gödel hat der Fotokünstler Herbert Weber geradezu verinnerlicht. Eine Auswahl seiner „dokumentierten Inszenierungen oder inszenierten Dokumentationen“ zeigt der preisgekrönte Schweizer Fotograf in der Galerie konstantin b. mit „Stillleben und so“.

Landschaften in der kargen Umgebung seines Heimatortes Toggenburg ruhen unter Schnee. Bäume ohne Blätter und dürre Äste erzeugen ihre eigene morbide Atmosphäre. Webers Fotografien haben wenig gemein mit handelsüblicher Landschaftsfotografie. Die digitalen Aufnahmen in Pigmentdruck sind überwiegend schwarz-weiß. Und da wo sie farbig sind, scheinen sie einen Schleier zu tragen.

„landschaft ohne hütte“

Was Weber in der Kulisse der Ostschweiz sucht, sind „Stillleben einer natura morte“. Der Tod hat für den Künstler seine eigene Ästhetik und ist dem Akt des Fotografierens verwandt. Wie heißt es doch: Das Foto wird „geschossen“. Humorvoll, spielerisch und irritierend zugleich stellt Weber Sehgewohnheiten in Frage. Seine Werktitel werfen neue auf: „unbespielte orte“, „landschaft ohne hütte“, „wasser“ oder „landschaft ohne ereignis“.

Bereits der Appendix des Ausstellungstitels „...und so“ lässt ahnen: Ganz ohne Ereignis sind seine Landschaften selten. Mensch, Natur und Fotografie treten in Interaktion und gerieren sich zum Ereignis. Eines, das er sorgsam hinein inszeniert. Weber wählt ungewöhnliche Kamera-Standpunkte. Und er setzt die Position des Fotografen bewusst ins Bild. Als Statist taucht er hier und da im Foto auf. Mal liegt er in einer Trilogie „ohne titel“ wie tot auf verschneitem Waldboden, umringt von kahlen Bäumen – fotografiert aus der Vogelperspektive. Ein anderes Mal ist es nur der „finger meiner hand“, Äste, die aus seinem Körper wachsen oder die Verkabelung zum Selbstauslöser.

In solchen Inszenierung stellt er sich subtil einem weiteren Thema seiner künstlerischen Arbeit – der Frage nach Wahrheit. Laudator Christian Korte drückt es so aus: „Weber geht es um so etwas wie die Erfindung von Wahrheit, um das Erlügen von Fakten, um Realität als Interpretation von Wahrheit.“

Mit einem Augenzwinkern

So steht ein Mann scheinbar unbeteiligt in „der glaube an den wahrheitsgehalt einer fotografie....“ mit dem Rücken zur Kamera und ist doch der Fotograf selber. Einer, der mit einem Augenzwinkern zu beweisen scheint, Gödels Satz ist kaum widerlegbar.

Bis 24. Mai in der galerie konstantinb., Am Brixener Hof 11.

Tel. (0179) 3220064. Öffnungszeiten freitags 16 bis 21 Uhr u.n.V.

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