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Turmtheater

Nichts ist komischer als das Unglück

Michael Bleiziffer entdeckt in Becketts „Endspiel“ die Musikalität der Sprache.
vpn Peter Geiger

Am Ende aller Hoffnung: Das Turmtheater zeigt Samuel Becketts „Endspiel“. Foto: Alba Falchi
Am Ende aller Hoffnung: Das Turmtheater zeigt Samuel Becketts „Endspiel“. Foto: Alba Falchi

Regensburg.„Natürlich könnte man sagen: Das ist eine Tragödie!“ Immerhin geht es in Samuel Becketts „Endspiel“ ja um das Ehepaar Nagg und Nell (Heinz Müller und Undine Schneider), das beinlos sein Dasein in einer Mülltonne fristet. Und um deren ebenso blinden wie lahmen Sohn Hamm (Martin Hofer), der restlos abhängig ist von seinem verhassten Diener Clov (Paul Kaiser).

Regisseur Michael Bleiziffer nutzt eine Probenpause, um selbst die Bühne zu betreten. Und setzt sich damit der paradoxen Situation aus, den Exegeten eines Stücks zu geben, das nach seiner Ansicht „auf keinen Fall gedeutet werden darf!“

Jetzt steht er also da, wie ein von tiefen Gewissensbissen gequälter Akteur. Fährt sich mit der einen Hand durch den grauen Haarschopf und steckt die andere in die Hosentasche seiner schwarzen Lederkluft. Und setzt zur Erklärung des Absurden an, so als gelte es, den Monolog in einem Shakespeare-Drama zu sprechen: „Nein, keine Tragödie! Es ist ein lustvolles Spiel mit dem Ende!“

Und fährt fort mit lauter Negationen, mit Bestimmungen, was das 1957 uraufgeführte „Endspiel“ alles nicht ist: „Es hat keine Einführung. Es findet keine Zuspitzung und keine Auflösung statt, weil gar keine Konfliktsituation vorhanden ist. Und über die Figuren erfahren wir auch fast nichts, sie haben weder eine Vorgeschichte noch eine Biographie.“

Trotzdem ist dieses Stück (das längst Eingang gefunden hat in den Kanon der Weltliteratur), das aus lauter Bruchstücken der Verweigerung und der Verneinung besteht, auch ein Etwas. Ein Stoff, der Regie, Schauspieler wie Publikum extrem fordert, und dabei mit seiner abgrundtiefen Komik brillant zu unterhalten vermag.

Weshalb Michael Bleiziffer, der vor mehr als 20 Jahren das „Endspiel“ schon einmal im damaligen Stadttheater inszenierte (Martin Hofer damals noch in der Rolle des Dieners Clov), dieser Herausforderung folgendermaßen begegnet: „Wir haben uns gefragt: Wie geht man formal damit um?“

Die Premiere wird ab kommenden Freitag auf der Turmtheaterbühne zu begutachten sein: Michael Bleiziffer will sein vierköpfiges Ensemble auf eine Expedition schicken, um dabei die Text-Struktur nicht nur „zu entdecken“, wie er sagt, sondern diese im Laufe des Spiels auch „herauszuschälen“. Vor allem aber gehe es ihm darum, die Musikalität der Sprache „freizulegen“. Im Ergebnis soll dem Zuschauer ein „lustvolles Spiel mit dem Ende“ geboten werden, ein synästhetisches Vergnügen, das sich der Klaviatur sämtlicher sentimental-poetischer Färbungen bedient.

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