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Ausstellung

Nowotny erforscht die Struktur der Figur

Der Regensburger Künstler zeigt in seinen Bildern, was hinter der Oberfläche steckt: aktuell mit „Icon (S)“ bei Art Affair.
Von Helmut Hein, MZ

Ausschnitt aus einem der Burka-Bilder von Peter Nowotny, zu sehen bei Art Affair
Ausschnitt aus einem der Burka-Bilder von Peter Nowotny, zu sehen bei Art Affair Foto: Nowotny

Regensburg. Diese Ausstellung fasziniert ganz offenbar. Schon in den ersten Tagen stieß sie auf große Resonanz. Manche Bilder, die aktuell in der Galerie Art Affair hängen, wurden schon mal vorsichtshalber „reserviert“. Manche Kunden ließen sogar probehängen. Dabei sind doch Peter Nowotnys Arbeiten, zumindest auf den ersten Blick, eher kühl, vielleicht sogar spröde. Sie appellieren, könnte man meinen, weniger an die Sinne als an den Intellekt. Der Künstler selbst sieht es so: „Es geht um Oberflächen.“ Und: „Mich interessiert dabei ein Doppelaspekt: verstecken und versprechen; oder: verbergen und werben.“ Man kennt das aus der Erotik und aus der Werbung. Entscheidend ist das, was (noch) gar nicht da ist, worauf man aber intensiv verweist.

Prima vista wirken viele von Nowotnys Bildern abstrakt. Ein Betrachter sagte sogar: „Das ist doch Design.“ Beim genaueren Hinsehen erkennt man aber, dass stets die Figur präsent bleibt oder zumindest ihre Verdichtung, das, was Nowotny „Icon“ nennt und was unser Zeitalter zunehmend bestimmt. Nicht das Wort entscheidet, sondern das Bild; oder der Rest eines Bilds, der gerade noch hinreicht, um das zu identifizieren, was gemeint ist.

Nowotny bleibt aber nicht bei der Figur oder beim Icon stehen. Er beginnt sie gewissermaßen zu häuten, ihren Kern ausfindig zu machen, das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Es geht also um Oberflächen - und ihre Rückseiten. Dabei scheint Nowotny das, was doch die Natur ausmacht, auch die des menschlichen Körpers, das Runde nämlich, zu stören. Er ersetzt es durch Ecken, Kanten, Linien. So wird das, was etwas Besonderes war, allgemein: Mathematik, ein Algorithmus, also ein Programm zur Erzeugung von Figuren.

Ein Faible für orientalische Kunst

Seit langem schon hat Nowotny ein durchaus ambivalentes Faible für die orientalische Kunst, die ein Produkt eines strikten Bilder- oder vielleicht eher: Abbildungsverbots ist. Während das Abendland schon seit den Griechen in der Kunst vor allem den mimetischen Akt sah, eine zweite Natur wenn auch als Artefakt, eine Wiederholung des göttlichen Schöpfungsakts, zog sich die arabische und asiatische Kunst zurück auf Zeichen und Muster, im Extrem auf die Kalligraphie, also die Schrift in schöner Form.

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Die Sprache der Mode hat Nowotny schon immer beschäftigt. Er nennt sie „Dresscode“. In der aktuellen Ausstellung widmet er sich besonders der Kleidung der strenggläubigen Musliminnen, die er analysiert und dekonstruiert. Die Burka insbesondere gehorcht einerseits dem Regime des Bild- und Blickverbots, legt aber andererseits auf einzigartige Weise die Form bzw. Struktur des weiblichen Körpers und der sie verhüllenden Kleidung frei.

Bei Nowotny heißt sehen und darstellen vor allem: Reduktion. Dann bleibt von der Frau wie von der Burka nur der Umriss. Und wenn die Abstraktion noch weiter getrieben wird, enthüllt sich die Nähe zu floralen Formen. Eine wundervolle Ausstellung, bei der es, paradoxerweise, bei aller Kargheit viel zu sehen und zu entdecken gibt. Und die dann , in ihrer Farbigkeit, auch wieder üppig ist.

Die „Icon(S)“ von Peter Nowotny ist bis 4. Juli zu sehen: bei Art Affair, Neue-Waag-Gasse 2, in Regensburg.

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