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Jubiläum

Nur Trumps Dämon wollte er nicht sein

Längste Zunge der Kultband Kiss, Filmproduzent, Autor, Held einer Reality-Show und eines Marvel-Comic: Gene Simmons wird 70.
Von Helmut Hein

Eine schillernde Figur: Gene Simmons Foto: Caroline Seidel/dpa
Eine schillernde Figur: Gene Simmons Foto: Caroline Seidel/dpa

Regensburg.Donald Trump ist ein harter Hund. Nicht nur, dass er einen prügelnden Rapper höchstpersönlich aus einem schwedischen Hochsicherheitsknast holte – so jedenfalls seine Sicht der Dinge. Nein, er wollte einst auch, dass ausgerechnet „Kiss“ die Show zu seiner Amtseinführung visuell und akustisch aufpeppte. Trump holte sich jedoch von Gene Simmons einen Korb, den ersten von vielen weiteren. Simmons, noch im fortgeschrittenen Alter gern schreckenerregend geschminkt, wollte zwar durchaus unser aller „Dämon“ (so sein Rollenname) sein; aber nicht der Trumps.

„Kiss“, 1973 gegründet, gehört zu den kommerziell erfolgreichsten – mehr als hundert Millionen verkaufte Alben – und musikalisch einflussreichsten Gruppen der Pop-Geschichte. Und sie waren schon immer schwer zu fassen; regelrechte Chamäleons. Kundige Lexika tun sich schwer, ihren Musikstil zu charakterisieren. Da findet sich alles von Hard Rock und Heavy Metal bis zu Glam Rock und, man staune, Pop-Metal. Tatsache aber ist, dass ihr größter Hit ein musikalischer Irrläufer war: „I Was Made For Lovin‘ You“, immer noch in der Heavy Rotation diversester Rundfunkanstalten, entstand nicht nur 1979 auf dem Höhepunkt der Disco-Welle: Der Song war auch heftig-tanzbar und überaus schmusig und weit weg von allem, was man von „Kiss“ gewohnt war.

Viele Wechsel in der Band

„Kiss“ waren (und sind!) keine Studio-, sondern eine Stadion-Band. Und ihre spektakulären Auftritte – mit exzentrischen Schmink-Masken, mal in silbrig-glitzernden Anzügen, dann wieder in dunkelstem Leder – sorgten auch dafür, dass man sie gern in die „Glam“-Ecke steckte. Obwohl sie ansonsten mit dem Bowie der frühen 1970er Jahre, mit T. Rex, mit Sweet oder Slade denkbar wenig zu tun hatten. Man begreift ihren Stil am besten, wenn man weiß, wer sich an ihnen orientiert hat: Metallica, die Seatlle-Grunge-Bands Nirvana und Pearl Jam, aber auch Lenny Kravitz und hierzulande „Die Ärzte“, die sich nicht zu schade waren, die Vorband für Kiss zu spielen.

Kiss war von Anfang an eine metamorphotische Band, die sich permanent neu erfand, Sounds anprobierte wie andere Leute Kleider. Auch die Mitglieder wechselten ständig. Mit zwei Ausnahmen: Paul Stanley (alias „The Starchild“) und eben Gene Simmons. Die beiden gründeten 1973 auch die Band; zuvor fuhr Stanley Taxi und Simmons war Grundschullehrer.

Gene Simmons

  • Werke:

    Als beachtlicher Autor ist Simmons schon über Jahre hervorgetreten. Heutzutage nennt man das Genre, das er bedient, Autofiktion: „KISS and Make-up“ (2001) und „Sex Money Kiss“ (2003).

  • Jubiläum:

    Am 25. August wird Gene Simmons 70. Trotz wilden Lebenstils ist er kein Mitglied des „Club 27“ der Frühverstorbenen geworden, sondern ein Überlebenskünstler auf schwierigem Terrain geblieben.

„Ich bin kein Nazi, ich bin Jude“

Dem vielseitigen Simmons wurde die Band allein aber bald zu eng. Er war traumatisiert – ein Großteil seiner Familie fiel dem Holocaust zum Opfer – , aber ohne Berührungsängste. Dass lange Jahre das Doppel-S im Bandnamen in Runenform daherkam, störte ihn offenbar nicht. Wenn er, vor allem hierzulande, angegriffen wurde, antwortete er: „Ich bin kein Nazi. Und kein Antisemit. Ich bin Jude.“

Abseits der Band nahm er Solo-Alben auf: nicht übermäßig erfolgreich. Er gründete ein eigenes Platten- und dazu gleich noch ein Kleider-Label mit dem schönen Namen „Moneybag“. Populärer machte ihn da schon die Reality-TV-Show „Gene Simmons Family Jewels“, die mittlerweile in der siebten Staffel läuft. Vermutlich kannte ihn Trump, der Fernseh-Junkie und „The Apprentice“-Mastermind von daher. Disney produzierte eine Serie „Mein Dad Is’n Rockstar“, für die Simmons als Vorbild diente und er wurde Teil des Marvel-Comic-Universums.

Privat und unmaskiert ist Gene Simmons eine schillernde Figur, war in den 70er Jahren mit Show-Biz-Ikonen wie Cher und Diana Ross liiert, ist als Ehemann der „Treueste der Treuen“, seit 36 Jahren mit Shannon Tweed zusammen, mit der er zwei Kinder hat. Was aber nicht hindert, dass 2008, da ging er auf die 60 zu, ein aktuelles Sex-Video auftauchte, das ihn „beim Geschlechtsverkehr mit einer unbekannten Frau“ zeigt. Danach erschien sein Buch „Ladies of the Night – A Historical und Personal Perspective on the Oldest Profession of the World“.

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