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Kleinkunst

Österreichs Humor: Das ist der Gipfel!

Die Alte Mälzerei Regensburg zeigt großartigen Kabarett-Import. Der Austria-Abend wurde zum Höhenflug.
Von Daniel Pfeifer, MZ

„Soko Wien“- Star Gregor Seberg suchte in der Alten Mälzerei das direkte Gespräch mit dem Publikum.
„Soko Wien“- Star Gregor Seberg suchte in der Alten Mälzerei das direkte Gespräch mit dem Publikum.Foto: Daniel Pfeifer

Regensburg.Eigentlich haben wir unsere südöstlichen Nachbarn ja ganz lieb. Auch wenn sie uns Piefkes nennen, und wir ihnen den noch uncharmanteren Spitznamen Schluchtenscheißer verpasst haben. Trotz, oder vielleicht sogar wegen dieser freundschaftlichen Sticheleien ist der wunderbar einzigartige österreichische Humor das wohl beliebteste Exportgut aus Österreich, nach Mozartkugeln und Rainhard Fendrich.

Zum 21. Internationalen Thurn und Taxis Kleinkunstfestival importierte die Alte Mälzerei zum Austria-Abend am Freitagabend drei großartige Kabarettisten: Das Duo Kaufmann-Herberstein, den „Soko Wien“-Star Gregor Seberg und, in Vertretung für den Erkrankten Otto Jaus, die Wiener Powerfrau Magda Leeb.

Lust auf Kleinkunst? Hier das Programm des Festivals

Um die respektvolle Begrüßung der Gäste kümmerte sich Hannes Ringlstetter: indem er dem „Liedermachertrauma“ seiner Jugend musikalisch an der Gitarre Luft machte und gehörig Österreichs Nationalhelden – Falci, STS und Josef Hader – durch den Kakao zog. Nach einigen Anekdoten über die kulturellen Schluchten zwischen Deutschen und Österreichern durfte Ringlstetter als Moderator dann die ersten Gäste ankündigen:

Das junge Duo Kaufmann-Herberstein war einzig und allein für den Auftritt in Regensburg angereist. Zu ihrer Deutschland-Premiere spielte das Duo in der bis auf den allerletzten Platz ausverkauften Alten Mälzerei aus ihrem neuen Programm „Stadt. Land. Flucht.“ Darin geht es vor allem um die Stereotypen, die einem in den Großstädten Austrias so über den Weg laufen. Und natürlich um Liebe auf Österreichisch: vom ganz normalen Wahnsinn mit den Schwiegereltern bis zum Sex im Steirisch G’red, der so unerotisch ist, wie Sex nur sein kann.

Die Überraschung des Abends: Magda Leeb

Nach der aufgedrehten, musikalischen ersten Hälfte kam für den erkrankten Otto Jaus kurzfristig die Wienerin Magda Leeb auf die Bühne. Die Kabarettistin, die selbst in ihrer Heimat eher unbekannt ist, war die große Überraschung des Abends. Selbstironisch arbeitete sie die österreichische „Ah geh“-Mentalität auf und die gravierende Unterschiede zwischen Kronen-Zeitung und der Süddeutschen. Für ihren lockeren, energiegeladenen Auftritt erntete sie donnernden Applaus.

Zum Grande Finale kam Gregor Seberg auf die Bühne, bei uns vor allem bekannt dank seiner Hauptrolle in der „Soko Wien“. Auch als Kabarettist macht sich der Schauspieler aus Graz großartig. Er brachte das typische Granteln mit, und den dunkelschwarzen Humor aus Wien, auch wenn der typischerweise in Deutschland nicht immer funktioniert.

Wenn es ans österreichische Politkabarett ging, machte es sich Gregor Seberg leicht: Auf einer Leinwand zeigte er wortlos die abstrusen Facebook-Wahlwerbeslogans von Richard Lugner und seiner 57 Jahre jüngeren Ehefrau, sowie Ausschnitte aus dem österreichischen Parlament. Wer solche Politiker hat, braucht eigentlich gar keine Kabarettisten mehr. Immerhin: In Regensburg sind sie immer willkommen.

Alle Termine des 21. Thurn- und Taxis-Kleinkunstfestivals: www.alte-maelzerei.de/de

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