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Regensburg.

Oh, der Papst kann lachen und weinen

„Der Mensch im Quadrat“ – Feng Lus epoxidharzgewordene Geschichten

Feng Lu mit seiner Papst-SkulpturFoto: Zwicknagl

Von Claudia Böckel, MZ

Einen Papst wollte er machen für Regensburg, das sei die erste Idee gewesen, als er vor einem Jahr von der Ausstellung im Regensburger Kunstkabinett erfuhr, sagt Feng Lu. Der 29-jährige Chinese, klein und agil, spricht mit blitzenden Augen. Der Anfang seiner Arbeit sei stets sehr abstrakt, er suche die Gefühle von Menschen, habe dabei erst mal Fragezeichen im Kopf.

Papst Benedikt sei für ihn ein Heiliger gewesen. Bei den Recherchen habe er ein Papstbild entdeckt in genau der überschwänglichen Haltung, die jetzt die kleine Figur aus Epoxidharz zeigt. Da hätte er gedacht: Oh, auch ein Mensch, er kann lachen, kann weinen. Lassen wir ihn Disco tanzen. Deshalb hat Feng Lus Papst gelben Flipflops an, deshalb blinken die Discolichter.

Realistisch sind diese Figuren von Puppengröße, aber immer extrem und übertrieben. „Unter Schwestern“ zeigt zwei ältliche Damen als Dreiviertelfigur ohne Beine. Speckröllchen, Doppelkinn, überbordende Brüste in decolletierten Kleidern. Die Blicke sprechen: Was geht denn da vor sich? Haben wir was verpasst? Feng Lus Modelle für diese beiden skurrilen Damen in rot und grün mit schwarzen Turbanen sind seine Nachbarinnen in Berlin, denen er durchaus unterstellt, dass sie ein Auge auf seine Künstlerexistenz haben, dass er ihnen vielleicht auch als Angehöriger eines Hunde essenden Volkes nicht ganz geheuer sei. Feng Lus Blick auf die Menschen ist entlarvend. Seine Werke erzählen Geschichten; jeder Betrachter muss sich selbst seinen Reim drauf machen und genau hinschauen, sonst entgehen ihm Kleinigkeiten, die Handgranate in der Hand eines Kindes, das fehlende Höschen eine der Damen an der Sushibar.

Wie Feng Lu studierte auch der Koreaner Yusob Kim an der Berliner Kunsthochschule, war wie Lu Meisterschüler bei Wolfgang Petrick und ist jetzt Dozent in Korea und an der Uiversität der Künste Berlin. Er ist Maler, konzentriert sich in dieser Ausstellung mit dem Titel „Der Mensch im Quadrat“ aufs immer gleiche Format: 50 mal 50 Zentimeter Die fünf Zentimeter breiten Seitenteile sind ebenfalls bearbeitet, jedes Bild steckt in einem Plexiglaskasten und gewinnt nicht nur damit Objektcharakter. In leuchtenden Farben, meist aber linear, manchmal eruptiv gestaltet, zeigen sich „Pieces of paradise“, Stücke vom Paradies, rein abstrakte Bildwerke, die im weitesten Sinne Materie untersuchen wollen, die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde. Schichten sind übereinander gelegt, Farbe gewinnt Materialcharakter.

Pralles Leben, Stücke vom Paradies

Vorrangig wird mit Grundfarben gearbeitet, gelb, blau, rot. Achsensysteme teilen den Bildgrund, Tiefe entsteht durch luzide Überlagerungen. In ihrer Konzentration, sowohl geistig als auch formal, lassen die Bilder an Jawlenskis reduziertes Spätwerk denken. Materie, Essenz, Fundament, das sind Worte, die immer wieder vorkommen, wenn der introvertierte, vergeistigte Yusob Kim über seine Bildserie spricht, die eine Gegenwelt beschwört zu Feng Lus konkreter Gegenständlichkeit. Pralles Leben und Stücke vom Paradies, zwei aufregende asiatisch-europäische Positionen heutiger Kunst.

Bis November im Kunstkabinett, Untere Bachgasse 7 in Regensburg. Di. mit Fr. 11-18, Sa. 10-14 Uhr. (0941) 57856.

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