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Musik

Orchester brilliert auch ohne Dirigent

Die Camerata Salzburg und Instrumentalisten harmonieren im Audimax. Höhepunkt ist das Doppelkonzert für zwei Querflöten.
Von Elisabeth Angenvoort

Albrecht Mayer spielt die Oboe virtuos. Foto: Harald Hoffmann
Albrecht Mayer spielt die Oboe virtuos. Foto: Harald Hoffmann

Regensburg.Sie zelebrieren die Kunst, als Kammerorchester ohne Dirigat zu konzertieren, mittlerweile in Perfektion: Die Camerata Salzburg, Botschafter der Musik als Teil einer Kultur, die Menschen unterschiedlicher Nationen vereint, war zu Gast im Regensburger Audimax. Begleitet wurden die Musiker von zwei herausragenden Persönlichkeiten und Meistern auf ihrem Instrument: Flötistin Daniela Koch und Oboist Albrecht Mayer.

Als „Weihnachtskonzert“ tituliert, versprach das Programm einen Abend, den man als „besinnlich“ hätte bezeichnen können; doch käme dies wohl einem grundlegenden musikalischen Missverständnis gleich. „Besinnlich“ im Sinne von harmonisch, erklang zunächst jener Teil einer Sinfonie, die es wohl kaum bis in unsere Gegenwart auf ein Konzertprogramm geschafft hätte, wäre nicht fälschlicherweise über lange Zeit kein geringerer als Mozart als deren Schöpfer angesehen worden.

Musikalisches Kuckuckskind

Tatsächlich stammt lediglich der Einleitungssatz aus Mozarts Hand. Da es mittlerweile als gesichert gilt, dass Michael Haydn als Komponist der Sinfonie Nr. 25 (Perger 16) anzusehen ist, achtet man ebenso automatisch wie subjektiv auf akustische Hinweise, die das Allegro con spirito, welches Mozarts feierlich intoniertem Einleitungssatz folgt, als „nicht-mozartesk“ entlarven. Ein müßiges Unterfangen, insofern man nicht zu den Menschen zählt, die über das absolute Gehör verfügen. Nicht ohne Grund geriet das „Kuckuckskind“ für lange Jahre unbemerkt als Nummer 444 in Köchels Werkverzeichnis. Leicht, nahezu unbeschwert, und doch mit hochkonzentriertem Körpereinsatz interpretierten die Musiker der Camerata Salzburg dieses „Zwitterwerk“ als homogene Einheit.

Eindeutig dem genialen Geist Mozarts entstammt das Rondo in G-Dur (KV 373), das der Komponist im Jahr 1781 ursprünglich für Violine Solo in C-Dur schrieb. Albert Mayer übernahm den Solopart in der für Oboe transponierten Bearbeitung mit gewohnter Souveränität. Wie Perlen von Sekt klangen die Töne seines Instruments, dem man oft einen gewissen „näselnden Charakter“ nachsagt: Mayer belehrte die Zuhörer einmal mehr eines besseren. Durchsichtig zart begleiteten die Streicherstimmen, selbst im (kurzzeitig klagenden) Pizzicato noch wie schwebend, das melodisch von der Oboe getragene Rondothema.

Tröstende Gegenwelten

Mit zwei Sätzen aus der „Musica Adventus“ des lettischen Zeitgenossen Peteris Vasks setzten die Musiker nicht nur eine epochale Zäsur. Vasks, der in seiner Heimat lange den Repressalien einer willkürlichen (Kultur)Doktrin ausgesetzt war, möchte mit seinen Werken „der Seele Nahrung geben“. So ließen die anfänglich kaum wahrnehmbaren Flageolett-Töne zu Beginn des ersten Satzes selbst in ihrer späteren dynamischen Steigerung an Sphären denken, die sich in weiter Ferne zum Irdischen befinden.

Nach dem weniger spektakulären Oboenkonzert von Jan Antonin Kozeluh sowie Arcangelo Corelli`s Concerto grosso op.6, dessen letzter Satz „Pastorale“ vom Komponisten zwar ausdrücklich „ad libitum“ gesetzt wurde, der jedoch aufgrund der an Hirtenmusik erinnernden Klänge einen gewissen Stellenwert in der musikalischen Gestaltung der Weihnachtszeit erreicht hat, gelangte man zum eigentlichen Höhepunkt: das Doppelkonzert für zwei Querflöten von Domenico Cimarosa, in einer Bearbeitung für Oboe und Flöte von Heinz Holliger.

Anmutig-strahlend erhellte Flötistin Daniela Koch die Intonation spätestens in der ersten Kadenz, einfühlsam korrespondierend zugleich mit den Stimmen des Orchesters, während Mayer mit der ihm eigenen Leichtigkeit nicht nur solistisch brillierte, sondern wie selbstverständlich zeitweise das Dirigat übernahm. So schien das charmant transponierte Duett „La Ci Darem La Mano“ aus Mozarts Oper Don Giovanni als Zugabe folgerichtig: als würde nicht nur die Oboe (d’ amore), sondern auch die Flöte mit menschlicher Stimme singen.

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