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Oscar-Verleihung: Eine historische Nacht

Steve McQueen gewinnt als erster Schwarzer den Oscar für den besten Film. Es war nicht das einzige Highlight einer geschichtsträchtigen Oscarnacht.

  • „12 Years a Slave“-Regisseur Steve McQueen mit dem Oscar für den besten Film Foto: afp
  • Matthew McConaughey holt sich die Trophäe als bester Hauptdarsteller. Foto: afp
  • Cate Blanchett wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Foto: afp
  • Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino mit dem Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film Foto: afp

Hollywood.Seine Stimme zittert, seine Hände nesteln nervös am Notizzettel. Der Brite Steve McQueen muss sich einen Moment sammeln, er hat gerade Oscar-Geschichte geschrieben: Sein brutaler und aufwühlender Film „12 Years a Slave“ gewinnt den Oscar als bester Film. Bei den ur-amerikanischen Academy Awards, wo sich Hollywood normalerweise selbst feiert, triumphiert damit zum ersten Mal das Werk eines schwarzen Regisseurs, der nicht einmal Amerikaner ist - und das auch noch mit einem Film über das Schicksal eines Sklaven in den USA.

„Ich widme diesen Preis allen Menschen, die jemals unter Sklaverei gelitten haben, und den 20 Millionen Menschen, die noch heute darunter leiden“, sagt der 44-jährige McQueen schließlich in seiner Dankesrede, nachdem er den Oscar zusammen mit seinem Co-Produzenten Brad Pitt entgegengenommen hat. „Jeder verdient es, nicht nur zu überleben, sondern auch zu leben.“

Tränenerstickter Dank von Lupita Nyong’o

Sein Auftritt im Dolby Theatre in Hollywood markiert den bewegenden Abschluss einer emotionalen Oscar-Verleihung. Zuvor hat die Kenianerin Lupita Nyong’o den Goldjungen als beste Nebendarstellerin erhalten, für ihre Rolle einer erniedrigten Sklavin in „12 Years a Slave“. Mit tränenerstickter Stimme ruft sie den frenetisch jubelnden Gala-Gästen entgegen: „Ich vergesse nicht einen Moment, dass ich die Freude in meinem Leben dem Schmerz so vieler Anderer verdanke. (...) Wenn ich diese goldene Statue anschaue, dann erinnert sie mich und jedes kleine Kind daran, dass – egal woher du stammst – deine Träume wertvoll sind.“

Auch Jared Leto, ausgezeichnet mit dem Oscar als bester Nebendarsteller für seine Leistung in dem Aids-Drama „Dallas Buyers Club“, erinnert an die Kraft der Träume und verneigt sich zugleich vor seiner Mutter: „Danke, dass du mir das Träumen beigebracht hast.“ Der 42-Jährige nutzt die Bühne auch für ein politisches Statement: „An all die Träumer da draußen, in der Ukraine und in Venezuela: (...) Während ihr darum kämpft, eure Träume wahr werden zu lassen, denken wir an euch.“ Wenig später jubelt Leto dann seinem Co-Star aus dem Film zu: Matthew McConaughey, der sich für die Rolle als Aidskranker rund 20 Kilogramm heruntergehungert hatte, nimmt die Trophäe als bester Darsteller nach Hause.

Die deutschen Hoffnungen erfüllen sich zwar nicht, jedoch gehen gleich mehrere wichtige Auszeichnungen an Filmschaffende aus dem Ausland. Neben der Australierin Cate Blanchett, die für Woody Allens „Blue Jasmine“ als beste Hauptdarstellerin geehrt wird, triumphiert vor allem der Mexikaner Alfonso Cuarón.

Starker Auftritt von Moderatorin DeGeneres

Sein bildgewaltiges, in 3D gedrehtes Weltraum-Drama „Gravity“ sichert sich sieben Oscars und ist der zweite große Gewinner der Academy Awards. Cuarón kann als erster Mexikaner über die Trophäe für die beste Regie jubeln. Zugleich verdeutlicht der Oscar-Erfolg von „Gravity“, wie elegant ein Film kommerziellen Erfolg mit einer starken visuellen Präsenz verbinden kann. So feiert „Gravity“ mit Sandra Bullock und George Clooney in den Hauptrollen kunstvoll die Wucht der großen Leinwand und ist mit Kinoeinnahmen von rund 700 Millionen Dollar zugleich weltweit ein Blockbuster.

Und es gibt noch eine Gewinnerin: Moderation Ellen DeGeneres. Sie führt souverän durch die Show und sorgt mit so mancher Spitze für Lacher. So macht sie sich über den Jugendwahn Hollywoods lustig und lässt gegen das Magenknurren der Stars Pizza in Pappkartons in das Dolby Theatre kommen. Gleich zu Beginn der Show äußert sie halb scherzend die Befürchtung, die Weltöffentlichkeit könne Film-Amerika als rassistisch beschimpfen: „Alles kann passieren, es gibt so viele Möglichkeiten. Nummer eins: „12 Years a Slave“ wird bester Film. Nummer zwei: Ihr seid alle Rassisten.“ Hollywood kann nun also aufatmen. (dpa)

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