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Abschied

Ostbayerns Kunstszene sagt leise Servus

Unter den Regensburger Galerien hatte sie eine singuläre Position: Helga Grohs „Kleine Galerie“ schließt zum Jahresende.
Von Harald Raab, MZ

Galeristin Helga Groh hat sich 33 Jahre lang für die Kunst und die Künstler stark gemacht. Zum Jahresende schließt sie.
Galeristin Helga Groh hat sich 33 Jahre lang für die Kunst und die Künstler stark gemacht. Zum Jahresende schließt sie. Foto: Tino Lex

Regensburg.Eine Ära geht zu Ende. Nach 33 Jahren in der Kunstvermittlung schließt Helga Groh ihre Kleine Galerie in der Regensburger Gesandtenstraße. Am Samstag lädt sie zum letzten Mal zu einer Ausstellungseröffnung. Viele werden kommen, Künstler und Künstlerinnen und Menschen, denen die Galeristin zuverlässig Freude an der Kunst vermitteln konnte. Ende Dezember ist Finito in dem kleinen aber feinen Galerieraum im Schatten der Dreieinigkeitskirche. Im März nächsten Jahres wird dort der Nürnberger Goldschmied und Schmuckdesigner Martin Wittwer einziehen und seine Kreationen zeigen.

Zu sehen sind noch bis Jahresende, auf engsten Raum gehängt, Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die über drei Jahrzehnte von Helga Groh gut vertreten wurden. Ihr Fazit: „Es war eine schöne Zeit. Es war für mich immer etwas Kostbares, Kunstliebhabern und solchen, die es werden wollten, die Arbeiten der Künstler nahezubringen, die zu ihnen gepasst haben. Es geht darum, Freude an der Kunst weiterzugeben. Ich glaube, das ist mir gelungen. Es ist ja die Aufgabe einer Galeristin, Begeisterung für Kunst zu wecken und für jeden Interessenten genau das Richtige zu empfehlen. Das kann man nur, wenn man selbst überzeugt, ja begeistert ist.“

Das Honorar muss stimmen

Begeisterung war auch vor 33 Jahren das Motiv, die Mittlerrolle zwischen Publikum und Künstlern und deren Werke zu übernehmen. Parallel zum renommierten und stattlich dotierten ostbayerischen Kunstpreis der OBAG, sah Helga Groh als Ehefrau des Vorstandsvorsitzenden dieses regionalen Energieversorgers eine Aufgabe darin, Künstler, die sich in der Oberpfalz und in Niederbayern etabliert hatten, auf ihren Weg zu begleiten.

Es waren der Eichstätter Peter Recker und sein Frankfurter Kollege Kurt Seidl, die als Mentoren das nötige künstlerische Verständnis vermittelt haben. Als gelernte Kauffrau wusste Helga Groh, dass Kunst nach Brot geht und sie dafür verantwortlich war, dass Bilder, Zeichnungen und Skulpturen einen Käufer finden konnten. Bei guter Kunst muss auch das Honorar stimmen.

Felsen im Meer der Beliebigkeit

Die ostbayerische Kunstszene damals ist mit der heute nicht zu vergleichen. Vor drei oder vier Jahrzehnten war die Gruppe der bildenden Künstler in Ostbayern überschaubar. Eine solide Akademieausbildung sorgte schon dafür, dass die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Heute ist die Zahl derer, die sich mit Kunst beschäftigen, mit oder ohne eine gründliche Vorbildung, inflationär gewachsen. Welches künstlerische Niveau bei den meisten aktuell herauskommt, kann man in der jüngsten Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins leidvoll besichtigen: Viel zu oft Masse statt Klasse, naiv-bemühte Liebhaberei statt Professionalität.

33 Jahre Kleine Galerie

  • Ausstellung:

    Unter dem Titel „33 Jahre Kleine Galerie“ zeigt Helga Groh eine Auswahl von Werken regionaler Künstler, die im Lauf der Zeit immer wieder in ihren Räumen präsentiert wurden. Zu sehen sind Arbeiten auf Papier und Leinwand sowie Plastiken.

  • Eröffnung:

    Die Ausstellung beginnt am Samstag, 7. November (ab 10 Uhr) in der Kleinen Galerie, Gesandtenstraße 10, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 11 bis 18 Uhr, Samstag, 10 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon (09 41) 51 33 4.

Peter Dorn, der sich mit eigenwilligen Zeichnungen, Malereien und Installationen einen unverwechselbaren Namen gemacht hat, war der erste, der in der Kleinen Galerie ausgestellt hat. Alle Künstlerinnen und Künstler, die ihm gefolgt sind, zeichnet eines aus: Sie kommen aus Ostbayern, haben aber einen markanten Stil entwickelt, der überregional konkurrenzfähig ist, fernab von wuchernder Beliebigkeit, die heute auf weiten Strecken die jüngere ostbayerische Kunstproduktion – und nicht nur die – kennzeichnet.

Aus den Kraftquellen der Region geschöpft

In einer Atmosphäre des Austauschbaren ragen die Künstler der Kleinen Galerie wie Landmarken heraus. Kreative Potentiale und verlässliche Qualität: Dafür hat die altgediente Galeristin ein sensibles Gespür. Ob das Richard Vogl mit seinen geheimnisvoll phantastischen Malereien und Zeichnungen ist oder Fred Ziegler und Paul Schinner, der so kraftvoll zeichnet, ob Heiner Riepl mit seiner Farbmeditation, Richard Langhammer, Alfred Böschl oder Maria Seidenschwann, Johanna Obermüller, Astrid Schröder, Peter Weidl, Gerd Meier, Günter Mauermann – und einige andere.

Als Kunstvermittlerin hat Helga Groh ein wichtiges Kapitel der ostbayerischen bildenden Kunst mitgestaltet. Es war ein gutes, innovatives und gleichzeitig aus den Kraftquellen der Region schöpfendes Kapitel. Peter Dorn bedankt sich bei seiner Förderin mit einer respektvollen Verbeugung: „Man findet nicht mehr so oft eine Galerie, die ihr strenges Konzept so konsequent durchgehalten hat wie das bei Helga Groh der Fall gewesen ist.“

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