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Kultur
Freitag, 21. September 2018 28° 2

Kabarett

Parodiehandwerk vom Feinsten

Reiner Kröhnert nimmt seine Opfer genau unter die Lupe. Am Samstag ist der nochmal im Regensburger Statt-Theater zu erleben.
Von Curd Wunderlich

Stilecht mit Perücke: Reiner Kröhnert als Kanzlerin Merkel Foto: mcw
Stilecht mit Perücke: Reiner Kröhnert als Kanzlerin Merkel Foto: mcw

Regensburg.Wer einmal kurz die Augen schließt, ist sich eigentlich sicher: Da stehen im fliegenden Wechsel einmal Angela Merkel und Martin Schulz, kurz darauf Adolf Hitler und Erich Honecker und mittendrin auch noch Franz Beckenbauer und Daniela Katzenberger direkt vor einem. Von so viel Polit- bis D-Prominenz fühlt sich umgeben, wer einen Abend mit Reiner Kröhnert auf der Bühne besucht. Donnerstagabend trat er im Statt-Theater in Regensburg auf, am Samstag ist er dort mit seinem Parodistenkino „Kröhnert XXL“ um 20 Uhr erneut zu sehen.

Kröhnert hat über 40 Jahre Bühnenerfahrung, wurde mit Preisen überhäuft. Wer ihn erlebt, kann sofort ahnen, wieso: Der Kabarettist ist ein akribischer Handwerker. Egal welches „Opfer“ er mimt, immer ist dem ganz offenkundig ein präzises Studium nicht nur der Stimmlage, sondern auch der Gestik und Mimik vorausgegangen. Insofern sollte man bei Kröhnerts Show die Augen nicht zu lange geschlossen halten – Merkels Raute und TV-Moderator Michel Friedmans fast zufallende Augen gehören schließlich zum Gesamtkunstwerk dazu.

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Kröhnert beschränkt sich in seinen Parodien nicht auf platte Witze. Er nimmt seine Figuren auch inhaltlich genau unter die Lupe – und auf der Bühne dann auseinander. So schwadroniert Kröhnert als Schäuble von den TTIP-Vorzügen „Chlorhühnle“ und „Wachstumshormönle“. Als Merkel gibt der Parodiegroßmeister zu: „Ich würde nicht mit mir koalieren, ich kenn’ mich ja.“ FDP und SPD hätten schließlich ausreichend schmerzhafte Erfahrungen als Koalitionspartner ihrer CDU machen müssen.

Warum Boris Becker Geld nie so wichtig war

Herzhafte Lacher erntet Kröhnert, wenn er in der fiktiven Friedman-Talkshow „Der Intellekt hat viele Gesichter“ seine Gäste begrüßt. Einmal schlägt Boris Becker ihm „die Asse seines Geistes um die Ohren“ und erklärt, warum Geld ihm nie so wichtig war, dann erklärt Boris Becker ausführlich, warum er gerne ein „Arschloch“ ist. Mit Katzenberger tauscht Friedman sich voll Freude über Gänsehaut um die Nippel aus und fragt neugierig nach Silikon im Hirn statt in den Brüsten. Und schließlich bekommt auch Kaiser Beckenbauer seine Bühne in dem erfundenen TV-Format, das die oftmals traurige Talkshow-Realität grandios parodiert.

Jegliche Political Correctness lässt Kröhnert vollends unter den Tisch fallen, wenn Hitler und Honecker im „Vorhölleruhestand“ aufeinandertreffen. Einmal streiten sie, wer von Erdogan und Kim Jong Un denn nun der „bessere Nachfolger“ sei, dann beschimpft Hitler Honecker, weil der gern auf die Jagd geht: „Ich habe in meiner ganzen Amtszeit nie einem Tier auch nur ein Haar gekrümmt.“

Donnernder Applaus mit Bravorufen am Ende. Nach einer „Merkel“-Zugabe gibt Kröhnert dann auch noch die eigene Stimme preis – und erzählt, wie er seine Figuren erarbeitet.

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