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Pavel Liška als Rektor berufen

Von Harald Raab, MZ

PRAG. „Ich glaube schon, dass ich mich gegenüber meinen Aufgaben und meiner Stellung in Regensburg noch etwas verbessert habe.“ So sagt es Dr. Pavel Liška, der frühere Künstlerische Direktor des Kunstforums Ostdeutsche Galerie, mit böhmisch-schelmischen Understatement und lächelt. Nicht nur, weil er einen der begehrtesten Diensträume mit der besten Aussicht auf den Hradschin, die Prager Burg, hat, von einem der vielen k-u-k-Prunkgebäude der alten Moldau-Metropole aus.

Liška ist seit diesem Monat vom Senat auf vier Jahre gewählter Rektor der Prager traditionsreichen VŠUP (Visoká škola umeleckoprumyslová), der Akademie für Kunst, Architektur und Design, der ältesten ihrer Art in Böhmen. Daneben gibt es noch die Akademie der bildenden Künste, der Dramaturgie und die für Film und Fernsehen.

Für den 65-Jährigen ist es eine „Traumberufung“. Steht der Kunsthistoriker nun in einer Reihe mit international renommierten Rektoren dieser Akademie wie Josef Plecnik, dem Neugestalter des Hradschin in der ersten Tschechoslowakischen Republik, oder dem Kubisten Pavel Janák.

Neugestaltung der Akademie

Für Liška schließt sich in der aktuellen Phase seines beruflichen Wirkens ein Kreis, der jedoch eine neue große Herausforderung beinhaltet. In Prag ist er aufgewachsen und in unmittelbarer Nähe der VŠUP hat er studiert, allerdings Kerntechnik. Da er mit dieser abgeschlossenen Ausbildung nach der Flucht in den Westen 1968 natürlich keinen Job bekam – wegen Spionage-Befürchtungen –, setzte er erst in Deutschland sein Studium der Kunstgeschichte drauf.

Vom polyglotten neuen Rektor mit reichlich Europa-Erfahrung erwartet man in Prag eine Neugestaltung der 1885 zusammen mit der Wiener Akademie für angewandte Künste gegründeten VŠUP, die hervorragende Absolventen in Kunst, Architektur und Design hervorgebracht hat. Die Ausbildung wird gemäß dem so genannten Bologna-Prozess in Bachelor- und Master-Studiengänge umgestaltet.

Für die über 400 Studierende der Akademie stehen 25 Lehr-Ateliers zur Verfügung – von Architektur, Graphisches Gestalten über Film und neue Medien bis hin zu Malerei und skulpturales Schaffen oder Textildesign. Liškas programmatisches Ziel ist, die VŠUP weiter international zu vernetzen, durch Kooperationen mit anderen europäischen Akademien. Ein Studiengang, nämlich der für mediales Gestalten, wird bereits in Englisch angeboten. Die Beteiligung an internationalen Wettbewerben, Messen und Ausstellungen soll verstärkt werden. In Verbindung mit dem Goetheinstitut in Prag soll vor allem auch der Kontakt zu Deutschland gefestigt und ausgeweitet werden.

Chance für Regensburg

Zwar spielt Pavel Liska jetzt in einer anderen Liga. Sein früherer Wirkungsort Regensburg – „eine interessante Vergangenheit“ wie er es nennt – soll dabei nicht zu kurz kommen. Er bietet Künstlern und Regensburger Kultureinrichtungen an, Kontakte in Prag für sie zu knüpfen. Es geht ihm um „künstlerischen Austausch auf hohem Niveau“. So kann er vom gar nicht so fernen Prag ein Stück seiner Intention fortsetzen, mit der er an der Donau Hervorragendes geleistet hat.

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