MyMz

Konzert

Perfekte Inszenierung eines Großen

„Regensburger Kantorei“ beging den Volkstrauertag mit schwerer Musik.
Von Gerhard Dietel, MZ

Die Regensburger Kantorei unter Leitung von Roman Emilius
Die Regensburger Kantorei unter Leitung von Roman Emilius Foto: Archiv

Regensburg. November ist traditionell die Jahreszeit des Totengedenkens. Ein „Requiem“ bildet denn auch den Schwerpunkt des „Chorkonzerts“ der „Regensburger Kantorei“, das am Volkstrauertag in der Dreieinigkeitskirche stattfand. Freilich, bei dem mit „Requiem“ betitelten Werk Max Regers handelt sich um kein Stück liturgischer und noch nicht einmal um christlich inspirierte Musik, sondern um die Vertonung eines Hebbelschen Gedichts.

Regers grandiose klangliche Umsetzung wurde unter der gestenreichen Leitung von KMD Roman Emilius vom Kantorei-Chor, dem Orchester der Vogtland-Philharmonie und der höchst expressiv gestaltenden Alt-Solistin Anna Haase von Brincken ebenso grandios inszeniert. Über kargen, dunklen Instrumententönen erhob sich ihr erster, später immer dringlicher wiederholter Appell: „Seele, vergiss sie nicht, die Toten“. Nicht ein flammendes Höllenfeuer droht den Verstorbenen ansonsten in Hebbels Dichtung, sondern ein kalt tobender „Sturm der Nacht“, der von Chor und Orchester mit aller Drastik bis hin zum wuchtigen Gongschlag beschworen wurde: ein „Dies irae“ der anderen Art, das beim Anhören schaudern machte.

Eng dem christlichen Glauben verhaftet sind dagegen die vier „Ernsten Gesänge“, die Johannes Brahms gegen Ende seines Lebens nach Bibeltexten komponierte. Der Bariton Christian Hilz wurde hier, mit klarer Diktion, zum eindringlichen Prediger, der von der Nichtigkeit der Welt und der Bitternis des Todes kündet, aber auch abschließend zum rettenden Gedanken an „Glaube, Hoffnung und Liebe“ fand.

Es schien allerdings, dass die Orchesterfassung dieser Gesänge, so geschickt der Bearbeiter Henk de Vlieger sie eingerichtet hat, gegenüber dem rein vom Klavier grundierten Original an Wirkung verlor, und auch das Spiel der Vogtland-Philharmonie wirkte hier, bei Brahms, nicht immer ganz präzise und inspiriert.

Zwei weitere Werke des vor hundert Jahren verstorbenen Max Reger vervollständigten das Programm des Abends. Der in etwas helleren Tönen, aber in ebenfalls schwerblütiger Klangsprache umgesetzten Gedankenlyrik von Hölderlins „An die Hoffnung“ gab Anna Haase von Brincken mit souverän kontrollierter Emphase Kontur. In der kompositorischen Umsetzung der Textvorlage vielleicht gelungener wirkte Regers „Der Einsiedler“ nach Joseph von Eichendorff. Wunderbar fand Christian Hilz sich hier in die Rolle des von der Welt vergessenen, lebenssatten Eremiten, während das Orchester in gedeckten, doch warmen Farben eine noch sonnendurchglühte Abendstimmung entwirft.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht