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Pianistin mit großer Zukunft

Anastasia Zorina spielte Chopin.
Von Gerhard Heldt, MZ

Regensburg.Das Feld kompetenter Chopin-Interpreten ist eigentlich bestens bestellt. Wer sich hier hervortun will, muss mit technisch wie musikalisch außergewöhnlich packenden Interpretationen aufhorchen lassen, wie die aus Weißrussland stammende, seit langem in Regensburg lebende Pianistin Anastasia Zorina, vielfache Preisträgerin bei „Jugend musiziert“ und Absolventin der Meisterklasse von Gerhard Oppitz an der Münchner Musikhochschule. Der Bayerische Rundfunk hatte sie nun mit einem Chopin-Programm verpflichtet, das sie im Regensburger Wolfgang-Saal bei einem Wohltätigkeitskonzert vorstellte.

Allein die physische Bewältigung der beiden Etüdenzyklen op. 10 und op. 25, zweier Balladen und der 2. Klaviersonate (mit dem Trauermarsch) verdient Respekt. Anastasia Zorina ist diesbezüglich in Hochform. Ihr Anschlag ist kraftvoll vom ersten Ton der C-Dur-Etüde op. 10,1 bis zum letzten, leise verklingenden Akkord der F-Dur-Ballade Nr. 2 op. 38. Doch das ist nur die eine Seite dieses pianistischen „Ritts über den Bodensee“ – die andere ist die der Konzentration auf die musikalische Seite des auswendig vorgetragenen Riesenprogramms. Wer kann es da einer Zwanzigjährigen verdenken, wenn hier und dort die Konzentration nachlässt, Tempi nicht sicher stehen und die Dynamik zugunsten kraftvollen Zupackens gelegentlich die leisen Bereiche ein wenig zu unterbelichtet erscheinen lässt. Da das Programm wohl auch im Hinblick auf die beabsichtigte Teilnahme am Warschauer Chopin-Wettbewerb 2010 ausgewählt wurde, wo die zupackende Pianistenpranke bisweilen mehr zählt als sensibel-einfühlsames Spiel, dürfen die kaum merkbaren Unkonzentriertheiten des Abends vernachlässigt werden.

Anastasia Zorina hat eigentlich alles, was eine junge, aufstrebende Pianistin braucht: eine verblüffende Technik und vor allem eine ausdifferenzierte Anschlagskunst, die es ihr erlaubt, sowohl machtvoll aufzutrumpfen als auch innig auf ihrem Instrument zu singen. Die Leichtigkeit, mit der ihr raumgreifende Arpeggien in geschmeidiger klanglicher Brillanz gelingen, vierfache Oktaven in pulsierendem Fluss dahingleiten, das exorbitant schwierige Kompendium technischer Raffinessen der Etüden op. 10 und op. 25 wie selbstverständlich vorgestellt wird, die gehaltlichen Tiefen der 2. Klaviersonate ausgelotet werden, das sind, zusammengefasst, die Eigenschaften, die eine Pianistin mit großer Zukunft ausmachen.

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