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Picassos Sohn Claude nennt es „Sabotage“

Die Wiedereröffnung des Pariser Picasso-Museums wird seit 2012 immer wieder verschoben. Der Sohn des Malers klagt die französische Regierung an.
Von Sabine Glaubitz, dpa

Claude Picasso, der Sohn des berühmten spanischen Malers, ärgert sich über das französische Kulturministerium: Das Picasso-Museum in Paris ist seit Jahren geschlossen.Foto: dpa

Paris.Die Wiedereröffnung werde ein „wahrer ästhetischer Schock“, prophezeite die Direktorin des Pariser Picasso-Museums, Anne Baldassari, Ende des vergangenen Jahres. Auf den Schock wartet die Öffentlichkeit noch immer. Ursprünglich sollte das vor fünf Jahren geschlossene Museum mit seiner herrlichen Sammlung schon 2012 seine Türen wieder öffnen – auf einer Ausstellungsfläche, die dank umfangreicher Umbauarbeiten von 1600 auf 3600 Quadratmeter erweitert wurde. Nun wurde der Termin erneut verschoben: Statt Juni heißt es jetzt September. Picassos Sohn Claude erhebt schwere Vorwürfe gegen Frankreich und das Kulturministerium und spricht in einem Zeitungsinterview sogar von Sabotage.

Ein Desaster statt eines Fests

„Ich habe den Eindruck, dass Frankreich sich über meinen Vater und mich lustig macht“, sagte der Sohn von Pablo Picasso und der 40 Jahre jüngeren Malerin Françoise Gilot in einem Interview mit dem „Figaro“. In der französischen Zeitung ließ er seinem Unverständnis und seiner Wut nach einem Gespräch mit Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti freien Luft. „Sie hat mir gesagt, man könne das Museum nicht öffnen, weil man keine Wärter habe“, zitierte die Zeitung vor wenigen Tagen den 66-Jährigen. Die Wiedereröffnung sollte Anlass zu einem einzigartigen Fest werden, stattdessen werde sie zu einem Desaster, bedauerte er. „Gibt es denn derzeit so viele große, vergleichbare Kulturprojekte, dass sich Frankreich es erlauben kann, das Musée Picasso zu sabotieren?“ fragte er in dem Interview weiter.

Renovierung kostet 52 Millionen Euro

Im Kulturministerium zeigte man sich erstaunt über die heftige Reaktion. Claude Picasso übertreibe. Das Ministerium habe 19 Millionen Euro in die Renovierung des Museums gesteckt und kümmere sich derzeit um die Einstellung von 40 Mitarbeitern, sagte ein ranghoher Beschäftigter des Ministeriums der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Wenn man so viel investiere, mache man sich sicherlich nicht über das Werk von Picasso lustig. Die Kosten der Renovierung des Hôtel Salé, eines Herrschaftshauses aus dem 17. Jahrhundert, wurden zuletzt auf 52 Millionen Euro beziffert.

In der Kritik steht laut Insidern auch das Management der Direktorin. Baldassari leite das Personal wie ein „übellauniger Hauptgefreiter“. In den letzten beiden Jahren sollen deshalb mehrere Mitarbeiter gekündigt haben. Dem Kulturministerium liege ein Bericht vor, in dem das schlechte Arbeitsklima beschrieben wird, wie die französische Tageszeitung „Le Monde“ schreibt.

Sohn unterstützt Museumschefin

Der Vertrag der Leiterin geht noch bis Juli 2015. In Claude Picasso, der den Nachlass seines Vaters verwaltet, hat Baldassari jedoch eine wichtige Stütze gefunden. Sie kämpfe seit zehn Jahren für das Museum und habe die notwendigen wissenschaftlichen Kenntnisse für die Leitung des Museums, erklärte er der Wochenzeitung „Le Nouvel Observateur“.

Baldassari steht seit 2005 an der Spitze der Einrichtung, die mit rund 5000 Arbeiten eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen der Werke des Meisters des Kubismus beherbergt. Rund 33 Millionen Euro, den Hauptanteil der Kosten, wurden vor allem durch eine Welttournee von Werken des Museums finanziert, die Baldassari organisiert hat. Seit der Schließung des Museums fanden weltweit mehr als 20 Picasso-Ausstellungen statt, unter anderem in Helsinki, St. Petersburg, Richmond und San Francisco.

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