mz_logo

Kultur
Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Lyrik

Poetisches Umarmen der Welt

Ein Erfolgsbuch: Der Passauer Dichter, studierte Theologe und Philosoph Friedrich Hirschl hat mit „Flussliebe“ Leserschaft und Kritiker beeindruckt.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Friedrich Hirschl Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Dieses Buch ist, auf die Verhältnisse des Genres gesehen, ein Bestseller. Kaum erschienen, musste die zweite Auflage gedruckt werden. 500 Exemplare waren innerhalb weniger Wochen weg. Ein schöner Erfolg. Denn Lyrik fristet ein Schattendasein in der deutschen Literaturszene, trotz Slam-Kunst und einiger junger Stars, und trotz so gelungener und in ihrer Kargheit vielsagender Gedichte wie denen des Passauer Schriftstellers und Philosophen Friedrich Hirschl.

„Flussliebe“ heißt sein vom Verlag Karl Stutz herausgebrachter Band mit rund 100 Miniaturen, der nicht nur bei den Lesern, sondern auch bei den Kritikern hervorragend ankommt. Das titelgebende Gedicht hat nur fünf Zeilen. „Er hat den Arm / um das kleine / Stück Land gelegt / Wie ein Vater / dem Kind“. Hirschl braucht nicht viele Worte, um ein treffendes und anrührendes Bild zu schaffen. So, wie in diesem Text der Fluss ein Stück Land umarmt, so fühlt man in Hirschls Gedichten die Welt, den Alltag, winzige Szenen und Beobachtungen poetisch eingefangen und liebevoll umschlungen.

Es sind dieser liebevolle, aber auch philosophisch geschulte Blick auf die Natur und die Dinge und diese knappe, konzentrierte, extrem komprimierte Sprache, die immer verständlich und leicht lesbar bleibt, die sich rhythmisch keine Extravaganzen leistet, die einen schnell gefangen nehmen.

Und Hirschls augenzwinkernde Art, mehr hineinzulegen, als nur die bloße Beobachtung. Statt in Worte transformierter Schnappschüsse werden hier fein komponierte Landschaftsbilder und Szenen wie kleine Schätze angeboten. Nie aufdringlich oder kämpferisch, sondern eher nachdenklich und als Schilderung eines Mannes, der das Dasein liebt. Und doch ist die Beobachtung der erste Schritt. Man muss die Welt sehen können, um ihre Poesie zu erkennen und dann in Gedichte wie „Felsen im Inn“ fließen lassen zu können: „Hochbetagte Flusspferde // Dem schnellen Lauf / des Wassers im Weg / lassen sie sich nicht / aus der Ruhe bringen / und schon gar nicht / vertreiben.“

Auch wenn Hirschl dem Menschen keine Hauptrolle gönnt: Es menschelt in fast allen seiner Texte. „An seiner Seite / recken sich / Geizhälse / von Lampen // Gierig / schluckt Dunkel / das spärliche / Licht“ schreibt Hirschl in „Nächtlicher Weg“. Und in „Ausgedient“: „Er hat seinen / gebrechlichen Drahtesel / an der Stange am Wegrand / stehen lassen // Da hat das Gestrüpp / zugegriffen.“ Hirschls Gedichte sind Preziosen, und oft mit feinem Humor durchtrieben. Im Herbst geht er auf Lesetour und kommt unter anderem am 25.Oktober nach Neumarkt. Wer nicht so lange warten will, kann ihn auch im Internet einige Gedichte lesen hören (www.friedrich-hirschl.de).

Das Buch

„Flussliebe“ ist im Verlag Karl Stutz erschienen und kostet 14,80 Euro (112 Seiten, ISBN 978-3-88849-064-4).

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht