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Lesung

Polen erfühlen in 52 magischen Momenten

Matthias Kneip stellt sein neues Buch am 23. Oktober in Regensburg vor: eine nachdenkliche Hommage auf ein besonderes Land.
Von Susanne Wiedamann

Matthias Kneip Foto: Glufke
Matthias Kneip Foto: Glufke

Regensburg.„Vielleicht wartest du, dass jemand kommt.“ So beginnt der Regensburger Schriftsteller Matthias Kneip seine philosophische Sequenz über Fiesko I., den ersten Herrscher Polens. Der Fürst wartet in seinem Sarkophag. Dass einer kommt, sich neben ihn setzt und erzählt, wie es in den über tausend Jahren seit seinem Tod weiterging mit seiner Familie, seinen Freunden, den Feinden und Polen. „Vielleicht fragtest du“, spinnt Kneip den Gedanken fort. „Vielleicht aber schwiegest du. Hörtest nur zu. Schütteltest ab und an den Kopf. Und bätest schließlich darum, den Deckel wieder zu schließen.“

Magische Momente sind es, die Matthias Kneip in seinem neuen, soeben im Friedrich Pustet Verlag erschienenen Buch „Polen in Augenblicken“ hervorbringt. 52 Beobachtungen, Begegnungen, Bilder, feinsinnige Reflexion auf knapp 130 Seiten. Wer einen neuen literarischen Reiseführer des Polenexperten erwartet hat, liegt nicht ganz richtig und nicht ganz verkehrt. Ebenso die Freunde des Lyrikers Kneip, denen die fein komponierte Sprache wichtig ist. Denn Kneip hat hier mit seinen poetischen Miniaturen faszinierende Zwitterwesen erschaffen, die kenntnisreich Schlaglichter auf Landeskunde, Geschichte und Persönlichkeiten werfen und gleichzeitig sprachlich und literarisch kleine Meisterwerke sind.

Nachfühlen und sich hineindenken

Am Mittwoch, 23. Oktober, um 20.30 Uhr stellt er sein neues Werk bei freiem Eintritt bei Bücher Pustet in der Gesandtenstraße vor: eine Hommage auf ein besonderes Land. Wer hingeht, wird feststellen: Es geht hier ums Erspüren von spezifischen Atmosphären und Charakteren. Ums Nachfühlen, das Sich-Hineindenken, um Gedankenspiele, die auf eine besondere Nähe zielen, auf eine persönliche Beziehung zu Polen, zu seinen Menschen und Ortschaften.

Lyrik

Keiner versteht das! – Wirklich?

Oft sind es Grenzgänge, zu denen sich Kneip in seinen von je einem Foto gestützten Texten aufmacht. Meditative Spielereien sind darunter, wie „Der Zug zum Himmel“, eine auf den Buckel gekippte Lok, die als Denkmal erstarrt auf ihren nach oben gerichteten Gleisen ins All zu starten scheint und die die Menschen einlädt, ihre Sehnsüchte in ihrem Kessel zu Träumen zu verheizen.

Von der Natur kommt Kneip zum Wort. „Hier, in Masuren, halten sich die Seen an den Händen. Legen sich in Ketten, tauschen sich aus, präsentieren sich auf einer Platte.“ Warum bin ich hier, überlegt Kneip. „Gebe dem Wort schön seine Bedeutung zurück. Meine es ernst. Schön. Gott. Natur.“

Die Schwester der Erinnerung

Kneip ist ein hervorragender Humorist. Hier aber ist der Autor nachdenklich, empathisch, oft auch sehr ernst. „Ruhe als Schwester der Erinnerung“ findet, wer sich auf dem Platz der Ghettohelden in Krakau auf einem der Stühle niederlässt. Und in Auschwitz? „Der Tod tritt aus der Fessel meines Heftes heraus. So, sagt er, sehe ich aus.“

Neuerscheinung

Eine Liebeserklärung an den Nachbarn

Der Regensburger Autor Matthias Kneip verbindet in seinem neuen Buch „111 Gründe, Polen zu lieben“ Profession und Passion.

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