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Präsentiert wird nicht nur Zugängliches

Seit drei Jahren betreibt Andrea Madesta die ehemalige Galerie Bäumler. Ihr Konzept: Sie verbindet Niveau mit Aktualität.
Von Gabriele Mayer, MZ

Andrea Madestas Galerie ist in den Räumen des ehemaligen Landolthauses zu Hause.          Foto: Engelbert Heimgärtner
Andrea Madestas Galerie ist in den Räumen des ehemaligen Landolthauses zu Hause. Foto: Engelbert Heimgärtner

Regensburg.Kunst ist eine vielgestaltige und vielschichtige Angelegenheit. Neben die Künstler und ihre Werke treten sofort der Kunstmarkt und die Galerien, der weltweite Kunsthandel, Konjunkturen und Hypes, die Sammlungen, ihre Auflösungen und Verwertungen, die Kunstkritik, Kunstmessen und Experten, die Museen, alte und neue Kunst, die Entwicklungen, die Liebhaber und die Käufer. Und alles ist unterirdisch miteinander verknüpft.

Die Funktion der Galerien in diesem Betrieb ist die der Sondierung, der Auswahl und Vermittlung. Als sich Peter Bäumler 2014 zur Ruhe setzte, übernahm Andrea Madesta dessen renommierte Galerie in der Oberen Bachgasse in Regensburg, und seit 2015 trägt sie auch den Namen Galerie Madesta. Kontinuitäten und Neuerungen in der Ausrichtung der Galerie sind gleichermaßen festzustellen.

Sie kennt Tendenzen und Kanäle

Andrea Madesta ist eine Frau vom Fach mit großen kunsthistorischen Kenntnissen, mit einem umfassenden Überblick über die Gegenwartskunst und mit eigenem Profil, gebildet durch ihre Vorlieben, Erfahrungen und durch Weiterentwicklungen und Entdeckungen in der Kunst. Sie kennt die Tendenzen und Kanäle, sie kennt Künstler und liebt die Kunst mit einer frischen Begeisterung, die sich mitteilt, sie bietet nicht nur eine x-beliebige Ware an.

Was zeigt sich nach drei Galerie-Jahren? Nach wie vor prägen die Großen der Pop-Art, allen voran Warhol, die Galerie, aber, neu: auch Lichtenstein, Wesselmann, Opie oder Alex Katz und andere, zudem die nachwachsende Pop-Art-Generation bis hin zum ominösen Street-Art-Künstler Banksy. Dazu kommt die Nachkriegs-Gruppe Zero, die bei Madesta einen festen Platz hat. Die Galeristin hat einen feinen Geschmack und präsentiert nicht allein das Zugängliche. Den vielfältigen Facetten namhafter Künstler kann man hier auf die Spur kommen. Wobei nicht alles mit Niveau teuer sein muss, sagt sie. Zudem ist sie hier und dort für Sammler mit speziellen Komplettierungswünschen kunsthändlerisch tätig.

„Es geht um nachhaltige Qualität“

Und die Galerie hat sozusagen zwei Standbeine. Zum einen ist da die eta-blierte Gegenwartskunst, die sich auf internationaler Ebene abspielt. Dazu kommen internationale Entdeckungen junger Kunst, etwa Arbeiten von Lisa Beane aus den USA oder von Kamilla Szij aus Ungarn, die noch relativ preisgünstig sind. Zum zweiten präsentiert Andrea Madesta einige Positionen regionaler Kunst, solche, die sie gut findet. „Um nachhaltige Qualität geht es“, sagt sie.

Sie verbindet Niveau mit Aktualität, persönliche Vorlieben mit den Interessen des Käufers, und sie versteht es, jeweils den Geist eines Werkes und eines Künstlers zu fassen und zu vermitteln. Was sich übrigens auch in den Zusammenstellungen und erhellenden Hängungen ihrer Ausstellungen zeigt. Und der Besucher fühlt sich von ihrer lebendigen, offenen Art angesprochen, er kommt zu neuen Sichtweisen. Neue Zusammenhänge tun sich auf im Gespräch mit dieser Galeristin, die immer auch kunsthistorisch und kunstwissenschaftlich denkt.

„Kunst ist Begegnung“

Leidet darunter das Geschäft? Manchmal, weil dann nicht der Verkauf im Zentrum steht, gibt sie zu. Aber sicher gereicht ihre Kompetenz nicht zum Nachteil der potenziellen Käufer, sondern natürlich zu deren Vorteil, müsste man hinzufügen. Die Aspekte des Kunstwissenschaftlichen und die Kenntnisse des Kunstmarkts integriert sie in ihrer Sachverständigentätigkeit. Es geht nicht nur um die Bewertung von Kunstwerken vor Gericht. Oft seien zum Beispiel auch Expertisen veraltet. Das gelte auch für die Offerten von Kunst im Internet. Ist das Netz mit seiner breiten Verfügbarkeit eine Bedrohung für die Galeristen? „Kunst ist Begegnung, und die findet real statt“, antwortet Andrea Madesta.

Und welche Pläne hat sie? „Kunst muss sichtbar sein, in den öffentlichen Raum gelangen, zu den Menschen kommen und mit ihnen kommunizieren. Kunst ist zum Sehen da“, konstatiert sie als Plädoyer für Kunst auch an anderen Orten als in der Galerie oder im Museum. Im Oktober eröffnet ihre umfangreiche Ausstellung im Donau-Einkaufszentrum unter dem Titel „Shopping“ mit den Großen der Pop-Art, unter anderem mit Warhol und Opie. Einkaufs-Malls würden zunehmend zu Erlebniszentren, in denen Kunst ihren Platz bekomme. Derartige Begegnungen seien spannend.

Eine künstlerische Herausforderung sei es, wenn sich Kunst thematisch mit Kommerz, Branding und Konsumverhalten auseinandersetze, erklärt die Galeristin. Um Kunst zu schätzen, müsse man ihr näherkommen und sich mit ihr beschäftigen.

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