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Konzert

Pures Serenaden-Glück mit Oktoplus

Ein Abend voller Juwelen: Die zweite der diesjährigen Museumsserenaden in der Minoritenkirche wurde vom Ensemble Oktoplus gestaltet.
Von Gerhard Dietel, MZ

Regensburg. Welche Art Musik möchte man an einem Serenadenabend hören? Sie sollte sich problemlos erschließen und nicht mit Gedankenschwere belastet sein – auf der anderen Seite aber nicht am Ohr vorbeirauschen, sondern Gehalt aufweisen und Abwechslung bieten.

Ganz diesem inhaltlichen Ideal folgte die zweite der diesjährigen Museumsserenaden in der Minoritenkirche, welche vom Ensemble Oktoplus gestaltet wurde, bestehend aus den Geigerinnen Isabelle van Keulen und Kristina Altunjan, der Bratscherin Taia Lysy, dem Cellisten Jan Hendrik Rübel, dem Kontrabassisten Rüdiger Ludwig sowie, an den Blasinstrumenten, Til Renner (Klarinette), Stefanie Kopetschke (Horn) und Malte Refardt (Fagott).

Bereits das eingangs musizierte Septett des zu Lebzeiten wenig anerkannten schwedischen Komponisten Franz Adolf Berwald erwies sich als kleines musikalisches Juwel. Mit seinem unkonventionellen Formaufbau, kurzweiligen Motiven und ständigen Klang- wie Charakterwechseln fesselte es die Aufmerksamkeit der Hörer. Auf seliges Schwelgen in romantischen Klängen folgte unvermittelt entschlossener Vorwärtsdrang, pastose Liegeklänge der Holzbläser, über denen kurze Motive der Streicher ertönten, wechselten mit kecken Fanfarentönen, und irgendwo im ganzen Verlauf wurde auch einmal, als Demonstration von Gelehrtheit, ein kleines Fugato aufgebaut, jedoch gleich wieder zugunsten neuer Einfälle aufgegeben.

Oktoplus: der Name steht für die Option, die Gruppe der Musizierenden um weitere Partner zu erweitern. War aber schon bei Berwald eher „Oktominus“ angesagt, so erst recht bei Francois Deviennes Quartett für Violine, Viola, Cello und Fagott in g-Moll op. 72/3. Devienne, selbst ein auf Blasinstrumenten erfahrener Musiker, gibt hier dem Fagott einmal Gelegenheit, in den Vordergrund zu treten und seine Beweglichkeit zu zeigen, was Malte Refardt weidlich ausnutzte, als er sich in ausgeziertem ariosen Fagottgesang erging, während die Streicher sekundierten. Allenfalls die Geige Isabell van Keulens durfte in dieser noch ganz im Tonfall des 18. Jahrhunderts gehaltenen Komposition ein gewichtigeres Wort mitreden.

Die volle Ensemblebesetzung erlebten die Besucher der Museumsserenaden dann bei Franz Schuberts bekanntem Oktett D 803. Durch die Farbigkeit der Klänge und die gerne in Terzbereiche abschweifende Harmonik erwies sich dieses Werk als eng verschwistert zu Berwalds vier Jahre später entstandenem Septett. Freilich: Berwalds spielerischer Vielfalt setzt Schubert einen eher sinfonischen, große Formbögen spannenden Zug entgegen. „Himmlische Längen“, die Robert Schumann einst bei Schuberts großer C-Dur-Sinfonie verspürte, gibt es auch in dessen ausgedehnten „Oktett“. Das Wunder der Komposition und wohl auch der Interpretation durch das Ensemble Oktoplus ist, dass sich die Wirkung der Musik mit jedem Wiederauftreten der melodieseligen Themen nicht abschwächte, sondern verstärkte: Man genoss Serenaden-Glück pur.

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