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Jugend

Reinste Popkultur auf 100 CDs

Ein der erfolgreichsten Compilations überhaupt: Seit 25 Jahren versammelt die „Bravo Hits“ Charterfolgel.
Von Aleksandra Bakmaz, dpa

Als die erste Ausgabe der „Bravo Hits“ 1992 auf den Markt kam, war Hape Kerkeling mit „Hurz!!!“ in den Charts. Foto: Bravo & Sony Music/dpa
Als die erste Ausgabe der „Bravo Hits“ 1992 auf den Markt kam, war Hape Kerkeling mit „Hurz!!!“ in den Charts. Foto: Bravo & Sony Music/dpa

München.Ja, es gibt sie immer noch: „Bravo Hits“ behauptet sich seit Jahrzehnten als eine der erfolgreichsten CD-Reihen im Land. Auf der vierteljährlich erscheinenden Doppel-CD landen regelmäßig aktuelle Top-Hits. Die erste Ausgabe erschien im April 1992 – damals noch mit Chart-Erfolgen wie „Das Boot“ von U 96 oder „It’s My Life“ von Dr. Alban. Mehr als 25 Jahre später feiert die Compilation, die zur Markenfamilie der Jugendzeitschrift „Bravo“ gehört, nun ein besonderes Jubiläum: Am 16. Februar kommt die „Bravo Hits 100“ auf den Markt.

Heute wie damals sollen Hits angesagter Künstler junge Käufer an die CD-Regale locken. Auf der 100. Ausgabe sind es „Perfect“ von Ed Sheeran oder „Him&I“ von Rapper G-Eazy mit Sängerin Halsey. Dass das in Zeiten von Streamingdiensten wie Spotify nicht leicht ist, sieht auch Thorsten Tutzeck. Er ist einer der „Bravo Hits“-Verantwortlichen bei der Plattenfirma Sony Music, die die Compilation zusammen mit Universal Music, Warner Music und „Bravo“ herausbringt: „Die Herausforderung liegt im erfolgreichen Übertragen der Marke in die Streaming-Welt“.

„Bravo Hits“-Erfinder Thomas Schenk hatte in den 90er Jahren noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen. Er sollte damals für Warner eine Hit-Compilation erarbeiten. Die Konkurrenz war mit ihren Produkten da schon erfolgreich auf dem Markt. Seine Idee: Eine jugendgerechte Compilation und eine erfolgreiche Jugendmarke – „Bravo“ – miteinander verbinden. Eine glückliche Fügung, wie sich später herausstellen sollte.

Viermal jährlich junger Zeitgeist

Die Compilation sei richtig eingeschlagen, erinnert sich der 68-Jährige, der mittlerweile in Rente ist. Läden hätten früher geöffnet, damit Kids noch vor der Schule ein Exemplar der neuesten „Bravo Hits“ kaufen konnten. „Sie war damals ein Objekt der Begierde“, sagt Schenk. Es sei manchmal nicht darum gegangen, dass man eine „Bravo Hits“ hat, sondern wie schnell man sie hat.

„Dass es 25 Jahre danach immer noch einen Hype um die „Bravo Hits“ gibt, ist, was mich mehr verwundert.“

Thomas Schenk, Erfinder der „Bravo Hits“

Vom Erfolg der Plattenreihe, die es 2001 sogar als erfolgreichste der Welt ins Guinness Buch der Rekorde schaffte, sei er nicht überrascht gewesen. „Wir sind damals mit sehr viel Elan und sehr viel Liebe an die Sache ran gegangen, haben viel Mühe ins Marketing gesteckt“, erklärt Schenk. Das bunte Cover sollte immer auch ein Stück Zeitgeist sein, ein bisschen Popkultur widerspiegeln. „Dass es 25 Jahre danach immer noch einen Hype um die „Bravo Hits“ gibt, ist, was mich mehr verwundert“, resümiert Schenk.

So sieht die 100. Ausgabe der CD-Reihe „Bravo Hits“ aus. Foto: BRAVO & Sony Music/dpa
So sieht die 100. Ausgabe der CD-Reihe „Bravo Hits“ aus. Foto: BRAVO & Sony Music/dpa

Die meistverkaufte „Bravo Hits“ war die Nummer 26 mit Liedern von Britney Spears, den Backstreet Boys und Sängerin Loona aus dem Jahr 1999. Knapp zwei Millionen Exemplare gingen über die Ladentheke. Zusammengerechnet sind die „Bravo Hits“ 1915 Wochen in den Charts platziert gewesen – und standen 582 Mal ganz oben. Insgesamt schafften es 4000 Hits auf die 100 Doppel-CDs.

Die Auswahl der Songs folgt einem recht einfachen System, sagt Schenk. Ein Kreativteam schaut auf die Platzierungen der Singles in den Charts und überlegt, welche Aufstiegschancen ein Song hat. Man blicke auch auf vielversprechende Neuveröffentlichungen geguckt und bevorstehende große Tourneen. „Es ging auch um die Radiopräsenz und den Namen des Künstlers. Große Namen wie Madonna hat man immer auf die ,Bravo Hits‘ genommen.“

Gefeilscht wie auf dem Basar

Nicht alle Titel, die auf der Wunschliste der Macher der Platten gewesen seien, habe man auch bekommen. Verhandlungsgeschick mit den Plattenfirmen der Künstler war gefragt. „Da ging es teils zu wie auf einem türkischen Basar“, berichtet Schenk.

Bis heute kümmert sich ein Kreativteam um die Compilation. Die Plattenfirmen und „Bravo“ lassen Expertise einfließen – „und auch viel Herzblut“, sagt Tutzeck von Sony: „,Bravo Hits‘ ist eine Art Familienprodukt.“ Ein Ende der Reihe sei keinesfalls in Sicht. „Die Bravo-Reihe einzustellen, wäre in etwa so, als würde man Bayern München aus der Fußball-Bundesliga werfen“, scherzt der Musik-Experte. Solange es gelinge, die Zielgruppe zu begeistern, werde es die „Bravo Hits“ geben – digital und analog.

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