MyMz

Klassikpreis

Renner Ensemble gewinnt Opus Klassik

Das Renner Ensemble aus Regensburg erhält als erste Gruppe den Opus Klassik für die beste Chorwerkeinspielung.
Von Andreas Meixner

Der Preisträger des Opus Klassik für die beste Chorwerkeinspielung 2018: das Renner Ensemble Foto: Renner Ensemble
Der Preisträger des Opus Klassik für die beste Chorwerkeinspielung 2018: das Renner Ensemble Foto: Renner Ensemble

Regensburg.Nach dem unwürdigen Ende des Echo-Musikpreises im Frühjahr diesen Jahres hat die Klassik-Branche erst vor wenigen Tagen den Opus Klassik der Öffentlichkeit vorgestellt, unabhängig vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der bis zuletzt für die Preisvergabe des Echos in den Sparten Pop, Jazz und Klassik verantwortlich war. Ob der neue Preis die Bedeutung erlangt, die der Echo in seinen besten Zeiten hatte, wird man abwarten müssen. Ob die Vergabe zukünftig fairer verläuft, ebenso.

Dem neuen Verein gehören unter anderem die Deutsche Grammophon, Sony Music und Warner Music, sowie der Verband der unabhängigen Label Class an. Aus Zeitmangel stammten die Bewerbungen allesamt aus dem Topf des Echo-Klassik, für den die Produktionen ursprünglich eingereicht worden waren. Im ersten Jahr bleiben Regularien und Jurybesetzung noch weitgehend unberührt, weshalb die Major-Labels in der bisherigen stets kritisierten Tradition auch die meisten Preise in der gestern veröffentlichten Preisträgerliste 2018 für sich beanspruchen.

Lange Zusammenarbeit belohnt

Dennoch gibt es erfreuliche Ausnahmen, darunter den Preis für die beste Chorwerkeinspielung des Jahres, die das Regensburger Renner Ensemble unter der Leitung von Hans Pritschet für seine CD „War no more – Männerchorwerke zu Krieg und Frieden“ (erschienen im Februar 2018 bei ARS Produktion) erhält. Ein Programm mit Anspruch und unbequemen Inhalt, die das Spannungsverhältnis zwischen Kriegseuphorie, Totenklage und Friedenssehnsucht thematisiert.

Die preisgekrönte CD des Renner ensemble

  • Widmung:

    Das Programm der von der Jury ausgezeichneten CD „War no more“ ist den weltweit 17 Millionen Opfern des 1. Weltkriegs gewidmet, dessen Ende sich am 11. November 1918 zum 100. Mal jährt.

  • Auswahl:

    Unter den vielen Werken aus verschiedenen Jahrhunderten – unter anderem von Joseph Haydn, Friedrich Silcher, Peter Carl August Cornelius oder Josef Gabriel Rheinberger – sind auch John Lennons Welthit „Imagine“ und der bekannte Gospelsong „Down by the riverside“ in Bearbeitungen von Hans Pritschet für den Männerchor zu hören.

  • Veröffentlichung:

    Die CD ist erschienen bei Ars Produktion (Bestell-Nr.: ARS 38 243)

Hans Pritschet zeigte sich überrascht, aber voller Freude über die Auszeichnung: „Ich bin sehr stolz darauf, dass die Werkauswahl, unsere Interpretation, sowie die Qualität der Aufnahmen das Lob der Jury gefunden hat. Und wir sind sehr dankbar, dass unser Label dieses außergewöhnliche Programm von Anfang an mitgetragen hat.“ Annette Schumacher, Produzentin der CD und Inhaberin von ARS Produktion, verweist im Gespräch auf die Kontinuität der Partnerschaft. „Seit 25 Jahren besteht die Zusammenarbeit mit dem Renner Ensemble, ab 1993 sind acht wunderbare Tonträger entstanden, fast immer mit außergewöhnlichen und anspruchsvollen Programmen. Es ist eine große Freude, dass diese intensive Zusammenarbeit mit dem Opus Klassik für die aktuelle CD belohnt wird.“

Mit der Auszeichnung steigt der Männerchor nun in die großen Fußstapfen von Singer Pur, die sich als eines der weltweit führenden Vokalensemble in ihrer Sparte den Echo Klassik gleich dreimal in die Vitrine stellen konnten und im Ursprung ihre Wurzeln genauso bei den Regensburger Domspatzen haben wie das Renner Ensemble.

Hans Pritschet im Zenit

Auszeichnungen und Preise sind für den Männerchor dagegen keine Seltenheit. Erste Preise erreichte der Chor beim 3. Deutschen Chorwettbewerb 1990 in Stuttgart, beim internationalen Chorwettbewerb der BBC Let the Peoples Sing 1991, beim 1. Internationalen Wettbewerb für Vokalensembles 1992 in Korntal-Münchingen, beim 27. Chorwettbewerb 1995 in Tolosa (Spanien), und beim 4. Internationalen Chorwettbewerb 1999 in Trelew (Argentinien).

Mit dem Opus Klassik steht die Ära des Chores unter der Leitung von Hans Pritschet in ihrem Zenit. Der 60-jährige Organist und Dirigent erntet damit den Lohn für seine professionelle künstlerische Arbeit als Leiter des Ensembles seit 2011, dem er sowohl programmatisch als auch interpretatorisch seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt hat.

Er blickt auch schon in die Zukunft: „Bereits im Frühjahr 2019 werden wir in Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk die Männerchorwerke mit Klavierbegleitung von Franz Schubert einspielen, zusammen mit dem Starpianisten Gerold Huber. Und vielleicht finden wir noch eine Möglichkeit, das Programm unserer preisgekrönten CD in Regensburg vor unserem Heimatpublikum zu präsentieren. Kein anderer Raum ist dafür besser geeignet als der historische Reichssaal. Wo wurde mehr über Krieg und Frieden debattiert und gestritten als an diesem Ort?“ Die Gespräche laufen bereits. Vielleicht gibt die Stadt dem frisch gekürten Preisträger diese besondere Ehre. Es wäre eine Freude für alle.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht