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Berlin

Rod Stewart blickt in den Rückspiegel

Wer sich kaum noch an originäre, selbstgeschriebene Hits von Rod Stewart erinnern kann, leidet nicht unter Gedächtnisschwund.

Rod Stewart macht Werbung für seine Greatest Hits mit Orchester. Foto: Donald Kravitz/ZUMA Wire/dpa
Rod Stewart macht Werbung für seine Greatest Hits mit Orchester. Foto: Donald Kravitz/ZUMA Wire/dpa

Berlin.Denn es gab seit langer Zeit keine mehr. Der Brite mit der Reibeisenstimme und der Strubbelfrisur, 2016 zum Ritter geschlagen und seither „Sir Rod“, hat es sich als Songwriter recht bequem gemacht. An diesem Eindruck ändert auch seine neue Veröffentlichung nichts – obwohl die Greatest-Hits-Sammlung „You’re In My Heart“ durchaus ihre Qualitäten hat.

Die 15 beziehungsweise in der 2-CD-Ausgabe 22 Stücke präsentieren überwiegend „die zu Klassikern gewordenen Vocals mit brandneuen Arrangements des Royal Philharmonic Orchestra“, wirbt das Label Rhino/Warner. Der fast 75-jährige Stewart, seit fünf Dekaden als Solokünstler im Geschäft und einer der bestverkaufenden Popstars überhaupt, hat die Lieder also nicht neu eingesungen.

„Mit diesem Album hatte ich kaum etwas zu tun. Es sind die Originalsongs, veredelt durch das Royal Philharmonic Orchestra. Es wurde alles für mich gemacht – von meinem Produzenten-Freund Trevor Horn“, sagt Stewart. Aber immerhin: „Ich mache Werbung für die Platte. Das ist mein Beitrag dazu.“

Der sinfonische Zuckerguss passt ganz gut zu Balladen wie „Sailing“ oder „I Don’t Want To Talk About It“. Und natürlich ist Stewarts noch junge Stimme fantastisch – in dem empathischen, früh gegen Schwulenhass zu Felde ziehenden Protestsong „The Killing Of Georgie“ von 1976 sogar tief berührend. Aber man hätte schon gern gehört, was er mit seinem fragileren, reifen Gesang von heute aus den legendären Vorlagen macht.

Das Risiko eigener neuer Lieder meidet der dreimal verheiratete achtfache Vater Rod Stewart seit den 1990ern weitestgehend – auch wenn es mit „Time“ (2013) und „Another Country“ (2015) halbwegs gelungene Versuche gab. Dabei konnte er doch einst grandiose Lieder schreiben, wie seine Solo-Klassiker von „An Old Raincoat Won’t Ever Let You Down“ (1969) bis „Atlantic Crossing“ (1975) beweisen.

Neben den alten Hits in sinfonisch aufgerüschten Versionen enthält die Rod-Stewart-Kompilation aber zwei zusätzliche Anreize: Der Simon-Climie-Song „Stop Loving You Today“ ist eine gediegene Schnulze mit viel Orchester- und Chor-Sirup. Und im Soul-Oldie „It Takes Two“ singt Stewart zusammen mit Robbie Williams. Wie es zu diesem Duett kam? „Er hat so lange rumgenervt, bis ich Ja gesagt habe“, erzählt Stewart augenzwinkernd über den jüngeren Star.

Nun darf man gespannt sein, ob der Britpop-Veteran das Versprechen wahr macht, eine Country-Platte aufzunehmen. Seine Begründung: „Country-Songs sind quasi meine zweite Natur.“ Dabei mag helfen, dass Stewart regelmäßig in den USA auftritt – mit einem Las-Vegas-Programm, das „noch einige Jahre“ laufen soll. „Ich bin jetzt bei Show Nummer 157.“ (dpa)

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