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Buch

Roman über den Regensburger Rennplatz

„Das Rennplatz-Geheimnis“ hat Rolf Stemmle seinen neuen Roman betitelt, mit dem er nun in Regensburg auf Spurensuche geht.
von Gerhard Dietel

Autor Rolf Stemmle signierte seinen neuen Roman.  Foto: Dietel
Autor Rolf Stemmle signierte seinen neuen Roman. Foto: Dietel

Regensburg.Wo anders hätte der Band besser vorgestellt werden können als an jenem Ort, an dem seine Erzählung spielt? Bei einer Lesung in der Buchhandlung „Bücherwurm“ am Rennplatz bot Stemmle den Zuhörern Kostproben aus seinem Text, stellte verbindende Zusammenhänge zwischen den Extrakten her und berichtete von Idee und Entstehung des nun glücklich vollendeten Projekts.

Er sei in unmittelbarer Nähe aufgewachsen, berichtet Stemmle, was ihn inspiriert habe, die Geschichte des Rennplatzes als Symbol für den Wandel der Zeit zum Ausgangspunkt seines Buches zu machen: im Rückblick auf jene stolzen Tage, als hier noch gesellschaftlich vornehmer Pferdesport-Betrieb unter der Ägide derer von Thurn und Taxis herrschte, über die Zeiten des Verfalls und der Verwilderung des Geländes hinweg bis hin zur Umgestaltung zum Wohngebiet in den 1990er Jahren. Doch autobiographisch sei die Romanhandlung nicht, diese Vermutung weist der Autor weit von sich.

Daseinsgefühl der damaligen Jugend

Fiktional sind die Akteure des „Rennplatz-Geheimnisses“, das in seiner Hauptzeitebene gegen Ende der 1960er Jahre spielt und das Daseinsgefühl der damaligen Jugend einfängt. Von der Generation der Väter beginnt sie sich zu distanzieren, entwickelt erst einen eigenen Musikgeschmack und beginnt dann auch politisch zu erwachen. Unvermeidlich geht der Blick von hier auf die Erlebnisse jener Elterngeneration zurück, die den Krieg überstanden hat und das Bombardement der dem Rennplatz nahe gelegenen Messerschmitt-Werke erleben musste. Spannungen aus dieser Zeit zwischen einem Freundespaar werden sichtbar gemacht: Wo der eine von den Kriegserlebnissen traumatisiert wurde, gelingt dem anderen, der bis in die Knochen hinein seine nationalsozialistische Erziehung bewahrt hat, in oberflächlich aufgesetzter Großspurigkeit die Verdrängung.

Ein Rest „Rennplatz-Geheimnis“ bleibt

Nicht alle Handlungsstränge des mit vielfältigen Perspektiven arbeitenden Buches kommen bei Rolf Stemmles Lesung gleichermaßen zum Tragen: etwa, dass es auch in der Tradition des Bildungs- und Erziehungsromans steht, wenn die emotionale Entwicklung des im Jahr 1969 sechzehnjährigen Protagonisten Jürgen geschildert wird. Und auch jene in die Zeiten des Zweiten Weltkriegs zurückreichenden Erinnerungen, die in die Gegenwart von 1969 nachwirken, kommen nicht ganz deutlich zur Sprache. Ein Rest „Rennplatz-Geheimnis“ muss noch bleiben: neugierigen Lesern ist anheimgestellt, es aufzudecken.

Ein Buchgespräch zu Stemmles „Rennplatz-Geheimnis“ findet am Donnerstag, 17. Oktober, um 19 Uhr im Evangelischen Bildungswerk Regensburg (Am Ölberg 2) statt (Eintritt: sieben bzw. fünf Euro). Der Roman ist im MZ-Buchverlag in der Verlagsgruppe Battenberg Gietl erschienen, hat 179 Seiten und kostet 14,90 Euro.

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