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Rosenbouquets hinterm Dornenzaun

Bis 13. Juni zeigt die Regensburger Galerie „Art Affair“ eine Gruppenausstellung in einem „goldenen Käfig“.
Von Michael Scheiner

Karl-Friedrich Krause zeigt Arbeiten verschiedener Künstler in der Galerie Art Affair. Foto: Scheiner
Karl-Friedrich Krause zeigt Arbeiten verschiedener Künstler in der Galerie Art Affair. Foto: Scheiner

Regensburg.Der Wald, so weiß die Redensart, ist manchmal vor lauter Bäumen nicht zu sehen. „Im goldenen Käfig“ von Karl-Friedrich Krause ist das anders – man stößt regelrecht darauf. Für die erste Ausstellung nach dem Lockdown hat sich der Galerist etwas einfallen lassen. Der „goldene Käfig“ in der Galerie Art Affair ist Sinnbild, Statement und praktische Form für die Umsetzung geltender Kontaktbeschränkungen in Einem.

Ausgehend von der Arbeit „Cut the Fence“ des schweizerischen Künstlerpaars Copa & Sordes hat Krause diese in den gesamten Raum der Galerie hinein verlängert. Als begehbare Installation aus mit Goldlack gestrichenen Bauzäunen dient es sowohl der Führung der begrenzten Anzahl von Besuchern, wie der aktuell erlebten gesellschaftlich-sozialen Realität. Entstanden ist das mit scharfen Kontrasten spielende kritische Werk bereits vor einigen Jahren im Zusammenhang mit dem Umgang mit geflüchteten Menschen in Europa. Auf gemustertem Stoffhintergrund ranken rosarote und weiße Rosensträucher in einen blauen Himmel. Goldfarbene Hubschrauber, Überwachungskameras, Drohnen und ein mit spitzen Dornen besetzter Maschendrahtzaun – ebenfalls golden – konterkarieren Perspektiven. Der romantische Kitsch schlägt um in ein Szenario, das Bedrohung, kaltblütigen Ausschluss und gewalttätige Unmenschlichkeit im herzerwärmenden Farbrausch offenlegt.

Vor schwarzen Stoffbahnen und eingezäunt kann man sich der Beklemmung dieses künstlerisch-sozialen Statements nicht entziehen. 80 Dosen Goldlack hat Krause für sein robustes Bauzaun-Konzept gekauft und damit einen zeitweisen Mangel in Baumärkten verursacht. Die meisten Arbeiten erfasst man deshalb erst einmal hinter Gittern, bevor man sich ins jeweils abgeteilte Areal begibt. Hier angelangt, kann man Bilder von Anna Bocek, Alex Bär und Ralf Koenemanns Tierporträts, glänzende Objekte von Willi Siber oder die hybriden Pflanzenwesen von Ren Rong in Ruhe in sich aufnehmen.

In der Ausstellung mit Künstlern der Galerie, darunter Markus Lüpertz, Arnauld Nazare Aga, Ugo Dossi mit einer geheimnisvollen Maske und James Gills grellen Monroe-Bildern, ist erstmals der tschechische Bildhauer David Cerný mit einer blau leuchtenden Arbeit vertreten. Wie von einem Scanner durchleuchtet sind Schuss-, Hiebwaffen und Explosionskörper auf einem Röntgenbild zu sehen. Unerwartete Aktualität bekommen auch einige von Peter Novotnys gesichtslosen Köpfen, deren Augen und Münder mit Tüchern verbunden sind, wie heute mit Maske bedeckt. Ein „goldener Käfig“ als erlebbarer Wald mit spannender Kunst und ein paar belangloseren Arbeiten.

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