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Rubens: Intellekt und pralle Körper

Nils Büttner porträtiert im 25. Band der „Regensburger Studien zur Kunstgeschichte“ den Maler Pietro Pauolo Rubens.
Von Matthias Kampmann, MZ

Lustvolles höfisches Treiben: Rubens’ „Liebesgarten“ von 1632, im Besitz des Madrider Prado, ziert das Cover des neuen Bands der „Regensburger Studien zur Kunstgeschichte“.
Lustvolles höfisches Treiben: Rubens’ „Liebesgarten“ von 1632, im Besitz des Madrider Prado, ziert das Cover des neuen Bands der „Regensburger Studien zur Kunstgeschichte“. Foto: Schnell & Steiner

Regensburg.Wer einmal in der Alten Pinakothek das über sechs Meter hohe Gemälde des „Großen Jüngsten Gerichts“ gesehen hat, das Pietro Pauolo Rubens 1617 gemalt hat, den lässt die körperlich spürbare Dynamik dieser Komposition nicht mehr los. Es mag dem Betrachter mit vielen Bildern des flämischen Pictor doctus, des gelehrten Malers und Diplomaten des Barock so ergehen: Man verfällt ihm regelrecht, wenn man sich auf seine Bilder einlässt.

Rubens, der fleischliche, der Maler des Furors, der Verdrehungen und Verschraubungen – ist sein Werk Klischee? Nils Büttner, Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste zu Stuttgart, erzählt uns in seinem jüngsten Buch über das Leben und das Werk. Zugleich markiert die Publikation ein kleines Jubiläum der „Regensburger Studien zur Kunstgeschichte“.

Die neue Rubens-Biografie

  • Das Buch:

    Der Stuttgarter Professor Nils Büttner hat den 25. Band in der Reihe „Regensburger Studien zur Kunstgeschichte“ zur Frankfurter Buchmesse veröffentlicht. Das Buch mit ausschließlich farbigen Abbildungen ist beim Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, erschienen, hat 200 Seiten und kostet 59 Euro.

  • Maler der Mächtigen:

    Nils Büttner stützt seine Betrachtungen auf Quellen, die er als Autor im Forschungsteam des renommierten Rubenianums Antwerpen exklusiv nutzen kann. Der Autor zeigt den Maler, der in der Nähe der Mächtigen ein intellektuelles Leben führte – während sonst meist die Bilder Ausgangpunkt der Reflexionen sind.

Christoph Wagner, Initiator und Herausgeber der Reihe sowie Institutsleiter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte, legt damit den 25 Band vor. „Als ich 2008 nach Regensburg kam, herrschte Tabula rasa mit Blick auf Publikationen“, beschreibt der Wissenschaftler die Lage vor sieben Jahren.

Die Reihe spiegelt die Schwerpunkte des Instituts. Spannenden Themen wie der „Esoterik des Bauhauses“, aber auch Randständigem oder Lokalem, etwa dem Schloss Sünching oder Hans Schmithals (1968-1964), schenkt es Aufmerksamkeit. Den ersten Band widmete Wagner den Texten zur Renaissance aus dem Nachlass seines Vorgängers Jörg Traeger. „In der anspruchsvollen Aufmachung des Verlags präsentieren wir außerdem herausragende Forschungen jüngerer Kollegen“, erklärt Wagner.

Mitglied in einem exklusiven Club

Nils Büttner ist in vielerlei Hinsicht mit Regensburg verbunden. Er ist Teil des Internationalen Promotionskollegs „Aisthesis“ und zugleich im Team des „Journals für Kunstgeschichte“, das die wichtigsten internationalen Neuerscheinungen aus dem Fach rezensiert. Zudem gibt er ebenso die Online-Fachzeitschrift „Kunstgeschichte“ mit heraus.

Nils Büttner ist auf dem Stand der Forschung. Sein Buch speist sich aus Quellen und schriftlichen Zeugnissen. Als Zugänge besitzt der Forscher wohl die exklusivsten. Er ist Mitglied im Autorenteam des renommierten Corpus Rubenianums und zeichnet für die Publikation über die Allegorien des 1577 in Siegen und 1640 in Antwerpen gestorbenen Malers verantwortlich. In den erlesenen Zirkel der wohl besten Werkkenner, darunter Svetlana Alpers, geriet Büttner per Einladung. Das Rubenianum in Antwerpen besitzt eine Bibliothek mit 500 000 Medien über Rubens.

In katholischer Handwerkstradition

Schon diese Zahl wirft die Frage auf, was Rubens für ein Typ gewesen ist: „Er hat in einer Zeit gelebt, in der die reichen Auftraggeber selbst Intellektuelle waren“, sagt Büttner. Sie verstanden, was Gelehrte damals ins Bild brachten. Rubens‘ Werk war nicht für jeden erschwinglich, aber er war auch nicht der teuerste Maler seiner Zeit. „Er stand in einer katholisch geprägten Handwerkertradition. Seine Preise richteten sich nach dem Gemeinsinn.“ Will heißen: nicht nur nach Profit. Ein Indiz seiner Frömmigkeit: Rubens verlieh Geld, aber nicht gegen Zinsen.

Autor Nils Büttner (l.) und Christoph Wagner, Initiator und Herausgeber der Reihe sowie Institutsleiter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Regensburg
Autor Nils Büttner (l.) und Christoph Wagner, Initiator und Herausgeber der Reihe sowie Institutsleiter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Regensburg Foto: Kampmann

Büttners Forschungen brachten bislang unbekannte Fakten aus dem Umfeld des Malers ans Licht. Etwa, dass die Unterschriften unter seinen Stichen von seinem Bruder stammten. Oder dass der Vater als Antwerpener Ratsherr aktiv Ketzer verfolgte. Der Kunsthistoriker umkreist die damalige Wirtschaftssituation, lässt aber die Bilder nicht zu kurz kommen. Ein wenig umdenken sollten wir auch, denn der Maler hat von sich stets als „Pietro Pauolo“ geschrieben. Er beherrschte Italienisch, Latein und Spanisch.

Ein europaweites Netzwerk

Büttner erzählt kurzweilig von dieser höchst spannenden Person, die im kulturellen Leben der katholischen Niederlande in einem europaweiten Netzwerk verknüpft war. Das Buch, das auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde, sei der „beste Rubens am Markt“, wie der Autor mit einem Schmunzeln versichert. Man will es ihm glauben – nicht nur, weil es in der ersten Woche bereits über 100 Mal verkauft wurde.

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