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Konzert

Rupa Marya kämpft und singt

Der neue Stern am Weltmusik-Himmel gastiert beim Klangfarben-Festival. Die Amerikanerin führt ein stilistisches Lotterleben.
Von Michael Scheiner

Mit ihrer Band „The April Fishes“ gastiert Rupa Marya am 26. Juli beim Klangfarben-Festival im Thon-Dittmer-Palais. Foto: Rupa Marya
Mit ihrer Band „The April Fishes“ gastiert Rupa Marya am 26. Juli beim Klangfarben-Festival im Thon-Dittmer-Palais. Foto: Rupa Marya

Regensburg.Eben in Paris, ausgelassen zur Musette Walzer tanzend, findet man sich im nächsten Moment zwischen mexikanischem Mariachi-Gebläse wieder und just darauf mit Roma-Musikern auf den Straßen Südosteuropas. Rupa Marya heißt die Musikerin, die derartige musikalische Expeditionen im Minutentakt ermöglicht. Die gebürtige Amerikanerin mit indischen Wurzeln und französischer Schulbildung führt ein stilistisches Lotterleben zwischen Gipsy Swing und Texmex, vermischt Rock mit Balkansounds, Chanson mit Saudade und Latin mit American Folk. Ein klanglicher Multikulturalismus, der seine Wurzeln in der polyglotten Herkunft der Sängerin und Komponistin hat, die im eigentlichen Beruf – wie der bayerische Dr. Ringsgwandl – Ärztin ist.

Unterwegs durch Europa ist die Indo-Amerikanerin mit ihrer hervorragenden Band Rupa & The April Fishes. Beim Klangfarben-Festival im Thon-Dittmer-Palais, stellt sie am Freitag ihr neues Album „Growing Upward“ vor.

Dessen Titel kann durchaus programmatisch für die Anliegen und Ziele Rupas gelesen werden, denn „Musik kann heilen“, davon ist die energiegeladene Frau überzeugt. „In Stuttgart kam gestern ein Mann nach dem Konzert zu mir“, erzählt sie von einer Begegnung, „der sagte, er habe mich vor sieben Jahren schon einmal gehört“. Später sei er mit einer Krebsdiagnose ins Krankenhaus gekommen und habe dort „jeden Tag deine Musik gehört“. Für ihn sei das, berichtet Rupa weiter, „ein starker Einfluss auf dem Weg gewesen“, wie er mit dem Krebs fertig geworden sei. Auch sie selbst erlebe die heilende Kraft der Musik, „sie gibt mir Energie und macht mich optimistisch“, versichert sie mit überzeugender Offenheit.

Songs über Freuden und Leiden

Dabei sind ihre Themen durchaus nicht nur heiter, hell und kreisen um die Liebe. Immer wieder setzt sie sich in Songs mit aktuellen Problemen und Turbulenzen unserer Zeit auseinander. Mit wacher Aufmerksamkeit verfolgt die Künstlerin globale Entwicklungen und Rebellionen und verarbeitet diese ergreifend in politisch relevanten Songs etwa über Flüchtlingsschicksale an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, Ungerechtigkeiten in Palästina oder Griechenland. Sie kämpft und singt gegen die Privatisierung von Wasser, Polizeigewalt, Menschenverachtung und in besonderer Weise gegen das Vergessen. Treffend und mitreißend kleidet sie die Freuden und Leiden des 21. Jahrhunderts in Töne und Rhythmen.

Im Unterschied zu früheren Alben und Songs, bei denen ausschließlich traditionelle Instrumente zum Einsatz gekommen sind, geht Rupa mit „Growing Upward“ einige neugierige Schritte in Richtung elektronischer Sounds. Dezent nur und an wenigen Stellen erweitert sie damit ihre musikalisches Spektrum um weitere Ausdrucksmöglichkeiten und formale Stilmittel. Das klingt mal nach schwungvoller Zirkus-Musik, mal nach karibischem Reggae – und immer nach großer weiter Welt: Trompetenklänge schweifen zwischen Oaxaca und Osteuropa, ein außer Rand und Band geratenes Akkordeon zwischen Musette und Milonga. Das Cello bockt störrisch auf, um sich dann wieder im leidenschaftlichen Schmelz zu ergeben. Hinter allem ein federndes Schlagzeug, welches mal geradlinig markant, mal verspielter Raffinesse eine Vielfalt offenbart, die rhythmische Eintönigkeit in die hinterletzte Ecke verbannt.

Eine Institution in San Francisco

Mit diesem unbekümmerten Wildwuchs hat es die Künstlerin innerhalb eines Jahrzehnts beruflicher Doppelgleisigkeit geschafft zur Weltmusik-Institution der San Francisco Bay Area zu werden. Seither eilt die bis heute praktizierende Ärztin – Rupa arbeitet in der Notaufnahme für Flüchtlinge am San Francisco General Hospital – mit ihrer Combo von Erfolg zu Erfolg. Ihren wichtigsten Antrieb sieht sie darin, „das Bewusstsein der Menschen befreien“ zu wollen. Deshalb setzt sie sich in ihren Songs für „Menschlichkeit und Klimaschutz ebenso leidenschaftlich ein, wie für Flüchtlinge und den Kampf von Indianern oder Aborigines um ihre Existenz“.

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