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Konzert

Russische Akzente zum Abschluss

Das Schumann-Quartett rundet die Saison des Regensburger Musikvereins ab – und verdient Bewunderung.

Das Schumann-Quartett zeigt technische Prefektion. Archivfoto: Koch
Das Schumann-Quartett zeigt technische Prefektion. Archivfoto: Koch

Regensburg.Ein Streichquartett-Abend mit russischem Akzent rundet die Saison des Regensburger Musikvereins ab und krönt sie. Selbst die Zugabe für das am Schluss jubelnde Publikum, ein Scherzo aus Haydns „russischen“ Quartetten fügt sich wunderbar in diesen Rahmen ein, und auch das Eröffnungsstück: Beethovens erstes „Rasumowsky-Quartett“, das zu Ehren des Widmungsträgers im Finalsatz eine russische Volksmelodie verarbeitet. Dies zusammen mit Werken von Tschaikowsky und Schostakowitsch präsentiert dem Publikum im Vielberth-Gebäude der Universität ein junges, doch bereits auf dem Streichquartett-Olymp angekommenes Ensemble: das Schumann-Quartett mit den Brüdern Erik, Ken (Violinen) und Mark (Violoncello), zu denen sich 2012 die in Tallinn geborene Bratschistin Liisa Randalu gesellte.

Schwer zu sagen, was man beim Spiel des Schumann-Quartetts an diesem Abend mehr bewundern soll: die technische Perfektion, das blinde gegenseitige Verständnis, das die vier so zusammenwachsen lässt, als musiziere ein einziger Körper und Geist, oder die Leidenschaftlichkeit des Interpretationswillens. Da bleibt kein Takt beiläufig, keine Wendung undurchdacht. Bis zum Bersten intensiv gestaltet das Schumann-Quartett Beethovens op. 59/1, als einen Prozess permanenter Überraschungen, in dem auf kleinstem Raum die Klangdichten und Ausdruckscharaktere wechseln. Fordernd ist diese Interpretation, sie gestattet kein entspanntes Zurücklehnen, sondern verlangt vom Hörer in jedem Moment arbeitenden Nachvollzug.

Keine Mühe hat das Schumann-Quartett, sein Spiel danach auf die ganz andere Stilistik von Dmitri Schostakowitschs fis-Moll-Quartett op. 108 auszurichten. Kein unmittelbarer Musikfluss, eher ein allmähliches Zusammenfügen isolierter Klangsplitter ist hier angesagt. Nur an dünnen Fäden hängt manchmal die Musik, ehe sie dann wieder Fahrt aufnimmt, in manische Wiederholungen gerät und einen Hang zur Groteske, zum Überdrehten entwickelt. Eine nochmals andere Welt erschließt das Schumann-Quartett dem Musikvereinspublikum mit Tschaikowskys drittem Streichquartett in der düsteren Trauer-Tonart es-Moll. Hier musizieren die vier auf dem Podium ganz breitflächig, entwickeln hochemotionale Gesangsbögen, lassen die Musik schon auch einmal mit viel Vibrato und leichtem Anschleifen der Töne hochromantisch schmachten. Emotionaler Höhepunkt: das „Andante funèbre“ mit seinen scharf bohrenden Rhythmen, „con dolore“-Melodien und fahlen Verschattungen. (mdg)

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