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Konzert

Sakralmusik als Klang-Monument

Viel Beifall gab es für die Regensburger Chorphilharmonie.
Von Gerhard Dietel

Die Regensburger Chorphilharmonie trat mit dem Deutschen Radio Kammerorchester auf. Foto: J. Härtl
Die Regensburger Chorphilharmonie trat mit dem Deutschen Radio Kammerorchester auf. Foto: J. Härtl

Regensburg.Es ist kaum vorstellbar, dass die f-Moll-Messe Anton Bruckners in liturgischem Rahmen erklingen könnte: Dazu ist sie zu ausladend in ihren zeitlichen Dimensionen, zu anspruchsvoll im Aufwand der Mittel. Sie ist ein Ausnahmewerk, mit dem Bruckner nicht nur eine Manifestation katholischer Glaubensfestigkeit beabsichtigte, sondern auch den Vergleich mit Gipfelwerken der Vergangenheit suchte: Bachs h-Moll-Messe und Beethovens „Missa solemnis“.

Das in der Konzertpraxis selten zu hörende Werk erlebte nun in der Pfarrkirche Herz Jesu eine beeindruckende Aufführung durch die Regensburger Chorphilharmonie und das Deutsche Radio Kammerorchester. Der monumentale Gesamteindruck wurde noch dadurch gesteigert, dass Horst Frohn, der die Vielzahl aller beteiligten vokalen und instrumentalen Kräfte umsichtig leitete, der Messe nach einer kurzen Stimmpause nahtlos Bruckners nicht weniger wuchtige Te Deum-Vertonung folgen ließ.

Ruhig, mit mystischen Klängen eröffnet Bruckner das „Kyrie“ der f-Moll-Messe. Devot ertönen die ersten Bitt-Rufe des Chors, bevor im „Christe“ erstmals aus dem Kollektiv menschliche Einzelstimmen hervortreten. Den Singenden macht Bruckner es ansonsten aber oft nicht leicht, sich gegenüber den Klangmassen des Orchesters durchzusetzen. Sie müssen sich dem sinfonischen Zug der Musik unterordnen, den das Deutsche Radio Kammerorchester prächtig entwickelt. Atemberaubende Höhepunkte gestaltet sie, in der die Musik sich in Fortissimo-Harmonieflächen festsaugt, doch auch manch differenzierte Einzelklänge der Bläser oder der Streicher, zumal in den zahlreichen Violinsoli, die immer wieder vokale Soli verzückt umranken.

Bestens einstudiert zeigt sich die Regensburger Chorphilharmonie, und jederzeit hellwach, wenn es gilt, Bruckners eigenwilligen harmonischen Wendungen zu folgen. Feste Glaubenszuversicht entwickelt der Chor in den kraftvollen Unisoni des „Credo“, bewältigt aber ebenso sicher die polyphonen Ansprüche der Partituren und tritt bei einigen wenigen A-cappella-Passagen klangschön hervor. Für zusätzliche Glanzlichter sorgt das Solistenquartett mit Anna Pisareva (Sopran), Vera Semieniuk (Mezzo), Holger Ohlmann (Bass) und Juan Carlos Falcon (Tenor), wobei Bruckner nur Letzterem mehr Raum zu individuellem Hervortreten gibt: etwa im ekstatisch aufleuchtenden „Salvum fac populum“. Auch in der wenig halligen Akustik der Kirche Herz Jesu stehen die Echos der letzten C-Dur-Klangsäule des Te Deums noch einen Augenblick im Raum, bevor lange anhaltender Beifall einsetzt, der allen beteiligten Musikern gleichermaßen gilt.

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