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Musical

Schach als hochaktuelles Musikdrama

Der Welterfolg „Chess“ ist erstmals in Regensburg zu hören. Das Theater Regensburg bringt es im Velodrom auf die Bühne.
Von Andreas Meixner

Die beiden Rivalen Frederick Trumper und Anatoly Sergievsky kämpfen nicht alleine nur um die Meisterschaft, sondern um vieles mehr. Foto: Jochen Quast
Die beiden Rivalen Frederick Trumper und Anatoly Sergievsky kämpfen nicht alleine nur um die Meisterschaft, sondern um vieles mehr. Foto: Jochen Quast

Regensburg.Es sprach alles dafür, dass das neue Musical mit Musik aus der Feder der beiden ABBA-Sänger Benny Andersson und Björn Ulvaeus ein großer Erfolg werden sollte. Dann kam Gorbatschows Glasnost und die Berliner Mauer riss den Eisernen Vorhang gleich mit in den Abgrund der alten Weltordnung, auf der die Geschichte von „Chess“ im Wesentlichen beruhte.

Inspiriert vom Jahrhundert-Schachspiel zwischen dem Russen Boris Spassky und dem Amerikaner Bobby Fischer 1972 in Reykjavík schrieb Tim Rice eine Hommage an das strategische Spiel und zugleich eine Parabel über Macht und Manipulation, über das Scheitern von Liebe und Lebensentwürfen. Die Londoner Premiere war 1986 umjubelt, die symphonische und rockige Musik gefiel, aus den Songs wurde „One Night in Bangkok“ zu einem respektablen Welthit. Über die Strecke konnte das Musical gegen den zeitlosen Plot von „Cats“ aber nicht mithalten.

So aktuell wie nie zuvor

Über 30 Jahre später ist die Geschichte plötzlich aktueller denn je. Die internationalen Fronten scheinen sich wieder zu verhärten, der Ost-West-Konflikt hat nach Jahrzehnten der Entspannung die Nachrichten zurückerkämpft. „Der aktuelle Bezug ist kaum zu verleugnen, die Story greift genau wieder dort, wo sie schon in den 80er Jahren ansetzte.“

Christina Schmidt inszeniert das Musical, das am 16. März im Velodrom seine Premiere in der deutschen Fassung und überhaupt seine Erstaufführung in Regensburg feiert. Und sie erliegt nicht den naheliegenden Klischees, alles in schwarz-weiß oder gar auf einem riesigen Schachbrett zu inszenieren. Auf der anderen Seite ist es ihr aber wichtig, dass Ruud van Overdijk als amerikanischer Schachgroßmeister Frederick Trumper und Thomas Christ als russischer Spieler Anatoly Sergievsky erkennbar Schach spielen und nicht mit Phantasiezügen nur Schachspiel imitieren. „Wir gehen sogar soweit, dass wir mit Original-Schachzügen der Weltmeisterschaft 1972 arbeiten.“ Schachspiel auch zu verstehen, und nicht nur als Vehikel zu benutzen, ist ihr wichtig. Die Ernsthaftigkeit des Brettspiels ist Grundlage für die Entwicklung der Geschichte. Aus dem Duell wird, angeheizt von den Medien, ein erbarmungsloser Stellvertreterkrieg zwischen zwei Männern, die selbst immer mehr zu Schachfiguren im Spiel der Mächtigen werden.

Das Musical Chess und seine Geschichte

  • Autor:

    Tim Rice schrieb den Text auf der Basis der legendären Schachweltmeisterschaft von 1972. Er hatte oft mit Andrew Lloyd Webber gearbeitet, darunter bei den Musicals „Jesus Christ Superstar“ und „Evita“.

  • Komponisten:

    Ursprünglich wollte Tim Rice wieder Andrew Lloyd Webber verpflichten, der jedoch gerade an „Cats“ arbeitete. Dann kam die Empfehlung für die ABBA-Sänger Andersson und Ulvaeus.

Schachturnier im Freien geplant

Verortet ist die Inszenierung im heute, lediglich in den Showdance-Momenten gibt es bei den Kostümen Anleihen an die bunten 80er Jahre. In den Proben zeigte sich der Opernchor begeistert von seiner Rolle, die schwelgerische Symphonik, aber auch die mitreißenden Popnummern werden nicht nur auf der Bühne Freude bereiten.

Die Aufnahme des Musicals in den aktuellen Spielplan sorgt auch thematisch für ein reichhaltiges Rahmenprogramm rund um das Thema Schach. So wird es neben einer Schachfilmwoche in den Kinos im Andreasstadel von 2. bis 8. Mai und weiteren Veranstaltungen auch einen großen Schachtag am 19. Mai im Freien auf dem Bismarckplatz geben (bei schlechtem Wetter im Neuhaussaal). Dort wird ein Simultanschachturnier mit einem Großmeister zu erleben sein, aber auch Simultanschach für Laien-Spieler angeboten.

Unter der Leitung von Alistair Lilley wird das Philharmonische Orchester Regensburg den Sound aus den Orchestergraben liefern. Für die Choreographie zeichnet Tamás Mester verantwortlich, dessen Arbeiten für die Tanzeinlagen in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ und „Cabaret“ dem Regensburger Publikum noch lebhaft in Erinnerung sein dürften. „Chess“ hat alles, was ein gutes Musical auszeichnet: mitreißende Musik, Balladen, ein anrührendes Liebesdrama und eine spannende Geschichte um Rivalität und Politik.

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