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Schlichte Harmonie und Marimbatöne

In der Dreifaltigkeitskirche bot der Regensburger Kammerchor ein bestens einstudiertes und vielfältiges Programm
Von Gerhard Dietel, MZ

Der Regensburger Kammerchor Foto: Kammerchor
Der Regensburger Kammerchor Foto: Kammerchor

Regensburg.Neugierig wenden einige Zuhörer ihre Köpfe: Mit psalmodierenden Linien der Frauen, dann der hinzutretenden Männerstimmen hält der Regensburger Kammerchor seinen Einzug in die Dreifaltigkeitskirche. Mit dieser „Procession“ eröffnet der Chor Benjamin Brittens weihnachtliche „Ceremony of Carols“, zu der Veronika Eder sanft grundierende Harfenklänge und ein eigenständiges, meditatives Interlude beisteuert.

Kein überbordender Jubel herrscht in Brittens Vertonung alter englischer Texte. Eher sind es verhaltene, im Ineinander von Dur und Moll herb-süße oder geradezu mystische Klänge, welche der Chor formt. Wunderbar pastellzart und doch leuchtend erklingen die Stimmen, leicht getupft oder in schwingenden Rhythmen. Angelika Achter, die Chorleiterin, hat die Schar der Singenden, aus denen mehrfach beherzt Soli hervortreten, nicht nur bestens einstudiert, sondern scheint mit teils kleinräumigen, dann wieder ganz weit ausgreifenden Bewegungen ihrer Arme den Chorklang gleichsam zu formen.

Einen anderen Akzent setzen die abschließend ertönenden „Carols und Lullabies“, die „Weihnachts- und Wiegenlieder“ des US-amerikanischen Komponisten Conrad Susa nach traditionellen spanischen Texten. Bewusst schlichte Harmonien herrschen hier vor, eine unmittelbare Nähe zur Folklore mit leicht spanischer Färbung, die der Kammerchor mit aller Seligkeit oder Beschwingtheit auskostet. Eigentümlich wirkt hier die instrumentale Begleitung, bei der zur Harfe noch Jürgen Faderls Gitarre sowie Antonino Secchias Marimba hinzutreten und für pikante Farbwirkungen sorgen.

Ergänzt wird die Programmfolge durch ein Marimba-Solo Antonio Secchias: einen „Traum von der Kirschblüte“ der Japanerin Keiko Abe, der sich anders als der Titel erwarten lässt überraschend dynamisch und virtuos steigert. Der Kammerchor fasziniert seine Zuhörer weiterhin mit William Byrds „Lullaby, My Sweet Little Baby“, das als breit gezogener Klangstrom beginnt, und vor allem mit einem „Alleluja“ des Zeitgenossen Dominick DiOrio. In immer neuen Akzentuierungen oder Silben-Fragmentierungen lassen die wendig agierenden Sängerinnen und Sänger den „Alleluja“-Jubel erschallen: in wirbelnde Marimbatöne eingehüllte Ton- und Wortkunst zugleich. Auf dem Weg, auf dem der Kammerchor seinen Auftritt einleitete, entschwindet er wieder: mit der „Recession“ von Brittens „Ceremony“ hinaus in die adventliche Nacht.

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