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Schräge Cops und melancholische Vampire

American Independent Cinema stand im Focus des Heimspiel-Filmfests: vom leichten Wohlfühlfilm bis zu Jim Jarmuschs neuem Geniestreich war alles dabei.
Von Fred Filkorn, MZ

Regensburg.Das American Independent Cinema, einer der Schwerpunkte des diesjährigen Heimspiel-Festivals genießt seine kreative Freiheit, weil es nicht von den großen Budgets der risikoscheuen Hollywoodstudios abhängig ist. Hinsichtlich der finanziellen Ausstattung ist aber auch in diesem Segment der amerikanischen Filmindustrie eine große Bandbreite an Filmen auszumachen. Größere Produktionen mit namhaften Schauspielern stehen extravaganten Genrefilmen mit unbekannten Darstellern gegenüber.

Nach seinem erfolgreichen Spielfilmdebüt „Junebug“ kehrt Phil Morrison mit einem alternativen Weihnachtsfilm ins Kino zurück. Wie so oft im amerikanischen Indie-Film, steht auch in „Das Wunder von New York“ ein gesellschaftlicher Außenseiter im Zentrum des Geschehens. Ex-Knacki Dennis kehrt nach seiner Entlassung zu Therese zurück, die allerdings mittlerweile eine Beziehung mit Dennis bestem Freund Rene führt. Vollkommen pleite begleitet Dennis seinen Widersacher nach New York, wo die Beiden ihre kanadischen Weihnachtsbäume verkaufen wollen. Diese werden nicht im glitzernden Downtown-Manhattan feilgeboten, sondern auf einer heruntergekommen Brache in Brooklyn. Getragen wird die unspektakuläre Geschichte von ihren Darstellern. Paul Giamatti gilt seit seinem Durchbruch mit „Sideways“ als die Idealbesetzung für den komischen Griesgram. Paul Rudd war erst kürzlich in der ähnlich gelagerten Buddy-Komödie „Prince Avalance“ zu sehen. Die Britin Sally Hawkins („Happy-Go-Lucky“) gibt etwas stereotyp die radebrechende Russin Olga. „Das Wunder von New York“ ist nett anzuschauen, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck.

Wohlfühlfilm von der Stange

Von der Konfektionsstange kommt die arg konventionelle Coming-of-Age-Geschichte „Ganz weit hinten“. Nachdem Nat Faxon und Jim Rash für ihr Skript zu „The Descendants“ (mit George Clooney) den Oscar erhielten, übernahmen sie bei ihrem zweiten Drehbuch gleich selbst die Regie. Duncan, ein blasser Jüngling mit schlechter Körperhaltung, wird vom Stiefvater Trent (Steve Carrell) ständig getriezt. Gemeinsam mit der Mutter (die wunderbare Toni Collette) geht’s in den Sommerurlaub an die Küste. Dort lernt Duncan den dauerquasselnden Wasserparkbetreiber Owen (Sam Rockwell) kennen, der mit seiner Crew dem 14-Jährigen Selbstvertrauen implantiert. Der Wasserpark ist wie aus der Zeit gefallen, er darf weder saniert noch verändert werden. In einer derart märchenhaften wie realitätsfernen Umgebung macht Duncan wichtige Erfahrungen. Ein Film zum Wohlfühlen.

Für Fans von „Spring Breakers“

Da ist „All Cheerleaders Die“ von Lucky McKee schon ein ganz anderes Kaliber. Der Highschool-Film treibt altbekannte Genremuster auf die Spitze, oder besser: durch den Fleischwolf. In flashigen bunten Bildern, schrägen Kameraeinstellungen, provozierenden Zeitlupenaufnahmen und einem dröhnenden Soundtrack lernt man die zickige Cheerleaderclique um Lexi kennen, die bald darauf tot auf dem Footballrasen liegt. Die nicht weniger hübsche Maddy macht sich daran, den Fall aufzuklären. Ein unglücklicher Zufall macht aus den sexy Girls reißerische Vampirladys. Hinter allen knackigen Slasher-Szenen kommt das an amerikanischen Hochschulen virulente Date-Rape-Problem zum Vorschein. Wer Harmony Korines „Spring Breakers“ mochte, liegt auch hier richtig.

Großartig: der neue Jim Jarmusch

Ebenfalls um Vampire geht es in Jim Jarmuschs großartigem neuem Film „Only Lovers Left Alive“. Die sind unheimlich alt und dementsprechend weise. In vergangenen Jahrhunderten haben sie Shakespeare und Schubert ihre Ideen eingeflüstert. Heute ist Adam (Tom Hiddleston) einfach nur noch (lebens-)müde. Dem melancholischen Gitarrenfreak und Vinylliebhaber gehen die Menschen auf den Senkel. Alles zerstören und vergiften sie – selbst das eigene Blut. Weshalb sich die Vampire in sterilen Blutbanken bedienen müssen. Der heimliche Rockstar lebt im menschenleeren Detroit, die Automobilindustrie hat die Stadt längst verlassen. Um Adam aufzuheitern, reist Eva (Tilda Swinton) an – aus Tanger, per Nachtflug. „Only Lovers Left Alive“ ist ein treffender Kommentar zum Zustand unserer Gesellschaft, eine Liebeserklärung an gute Musik und eine Verbeugung vor analoger (Studio)-Technologie. Der Film kommt am 25. Dezember ins Kino.

Freak Brothers in Uniform

Ob es „Wrong Cops“ dorthin schaffen wird, darauf darf man gespannt sein. Die herrlich abgedrehte Komödie hätte es verdient. Die Cops einer amerikanischen Kleinstadt sind alles andere als „dein Freund und Helfer.“ Duke vercheckt Dope in toten Ratten, der Kollege zwingt Frauen mit vorgehaltener Waffe zur Brustentblößung. Die blonde Baywatch-Polizistin erpresst einen Kollegen mit seiner Gayporno-Vergangenheit und schickt die eigene Tochter zur Geldübergabe. „Wrong Cops“ ist eine gelungene Mischung aus Freak Brothers und „Police Academy“ – nur um einiges böser und absurder. Der Streifen stammt von Quentin Dupieux, der als Mr. Oizo auch Musik veröffentlicht („Flat Beat“), weswegen der Film auch voller schräger Elektrobeats steckt.

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