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Kultur
Mittwoch, 15. August 2018 27° 3

Poetry Slam

Schräger Humor mit Hazel Brugger

Die Welt ein irrer Streichelzoo: Die Schweizerin moderiert am Montag den großen Regensburger Poetry Slam im Audimax.
Von Claudia Bockholt

Die zweite Staffel der „Hazel Brugger und Thomas Spitzer haben eine Show Show“ ist gerade gestartet. Heute gibt es Folge drei. Foto: Spitzer
Die zweite Staffel der „Hazel Brugger und Thomas Spitzer haben eine Show Show“ ist gerade gestartet. Heute gibt es Folge drei. Foto: Spitzer

Regensburg. Jan Böhmermann erbebt unter den schneidenden Interview-Fragen von Hazel Brugger. „Wie fühlt sich das an, wenn man nur zehn Prozent der Zuschauer von Olli Welke hat?“ Eine Antwort wartet sie nicht ab: „Du machst ja immer diese ‚Eier aus Stahl‘-Videos und deckst da kuriose Sachen auf – wann deckst Du eigentlich mal auf, wie dreist ihr alles aus den USA klaut?“ Böhmermann, die Heuschrecke, dreht sich sachte weg.

Die Welt ist ein verrückter Streichelzoo: Alice Weidel ist eine Schildkröte, Barbara Schöneberger („Hättest Du lieber ein Gehirn oder einen dritten Busen?“) ein Käuzchen, Angela Merkel ein Mops: Leicht surreal und ziemlich trashig entfaltet sich der Witz in der ersten Staffel der „Die Hazel Brugger und Thomas Spitzer haben eine Show Show“, zwischen rotem Sperrmüll-Knautschledersessel und einem Spanplattenschreibtisch.

Thomas Spitzer ist in der Oberpfalz, wo er studiert hat, bestens bekannt als Poetry-Slammer und Veranstalter des Großevents „Master of the Uni-Vers“, das heute zum achten Mal über die Bühne des Audimax geht und wieder einmal restlos ausverkauft ist. 2015 holte er auch die Schweizerin zum U20-Slam nach Regensburg. Hazel Brugger hat seither eine steile Komik-Karriere hingelegt. Seit 2016 ist sie Außenreporterin der ZDF-„heute-show“, 2017 gewann sie den Salzburger Stier. Den Deutschen Comedypreis und den Bayerischen Kabarettpreis hat sie auch schon. Heute Abend wird sie wieder den großen Regensburger Poetry Slam vor über 1000 Zuschauern moderieren.

Jeden Montag eine neue Folge

Einstimmen dürfen sich Freunde des abgefahrenen Humors mit neuen Folgen der Brugger/Spitzer-Show-Show. Die zweite Staffel startete Mitte Mai, jeden Montag gibt es eine neue Folge auf Youtube und Facebook. „Die zweite Staffel ist deutlich professioneller und näher dran an dem, was wir machen wollten“, sagt Spitzer. Freunde der US-Komiker Judd Apatow oder Eric André, der in seiner Show Talkformate parodiert, werden sich hier wiederfinden. Ein rauchender Wetterfrosch, der lediglich verkündet: „Es wird nebelich“, eine junge Frau mit Migrationshintergrund, die nicht einmal so tut, als wäre sie Elyas M‘Barek, diverse Gastauftritte befreundeter Künstler, darunter die Theater- und Fernsehschauspielerin Katjana Gerz sowie der Regensburger Rapper Maniac.

Der Mega-Slam

  • Poetry Slam:

    Zum achten Mal findet heute der Poetry Slam „Master of the Uni-Vers“ im Regensburger Audimax statt. Der Abend ist ausverkauft. wird er erneut von Hazel Brugger.

  • Nächster Termin:

    Der Termin für den neunten „Master of the Uni-Vers“ steht auch schon fest: Es ist der 29. Oktober 2018, Beginn wieder um 20 Uhr im Audimax.

Zwar lebt Thomas Spitzer seit einigen Jahren mit Hazel Brugger in Köln, aber in der Oberpfalz taucht er immer wieder auf. Wie Hazel Brugger hat er sich in den vergangenen Jahren vom Poetry Slam Richtung Comedy entwickelt. „Super Funny“ heißt sein erstes Stand-Up-Programm mit witzigen Alltagsbetrachtungen. Daneben ist er als Autor tätig, unter anderem für die „heute-show online“.

Der gemeinsame Humor des Comedy-Duos ist trashig, lustig und versucht gar nicht, mehr zu sein, als er ist. Spitzer und Brugger sind bekennend post-ironisch. Die Comedienne hat in ihrer „Zeit“-Kolumne Anfang Mai über die Gefahr eines Ermüdungsbruchs im dauerironischen Zeitalter geschrieben: „Wann hatten Sie denn eigentlich das letzte Mal ein normales, ernstes Gespräch mit einem Menschen unter 35, das nicht in Schulterzucken und einem Zitat der Popkultur geendet hat?“

Man muss nicht dauerwitzig sein

In ihrer Humorkritik kritisiert sie das „Wettrüsten mit Witzen“ auf Twitter und sonstwo. Nicht, weil die Witze geschmacklos wären, sondern weil es den Autoren lediglich um die Pointe, nicht um die Sache geht. Auch Spitzer schreibt auf Facebook, dass er zwischen „Real- und Trashtalk trenne: Die Wahrheit ist doch: Den meisten Leuten ist inzwischen speiübel von halbironischen, ‚frechen‘ Sprüchen zum Tagesgeschehen.“ Beide sind kluge Analysten der gesellschaftlichen und politischen Lage im Land. Und Mainstream ist nicht ihr Gewässer, egal, in welche Richtung er gerade fließt.

Heute Abend kehren sie zur Quelle ihres Humors zurück. Den Poetry Slam nennt Hazel Brugger die Paralympics der Literaturszene: „Man kann zwar gewinnen, aber es interessiert sich keiner dafür.“ Für Regensburg stimmt das nicht: Hier dürfen sich Sieger noch wenigstens zweimal auf ein großes, enthusiastisches Publikum freuen. Die Zehn will Spitzer noch rundkriegen, dann ist – voraussichtlich – Schluss.

Lesen Sie mehr über Master of the Uni-Vers: hier

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