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„Schreiben kann ein sehr einsames Geschäft sein“

Autorin Marita A. Panzer will als Vorsitzende der VS-Regionalgruppe Image und reale Situation ihrer Kollegen verbessern

Dr. Marita A. Panzer Foto: altrofoto.de

Von Susanne Wiedamann, MZ

REGENSBURG. „Nach Auskunft der Künstlersozialkasse liegt das Durchschnittseinkommen der Kulturschaffenden bei 800 bis 1000 Euro pro Monat. Als ich das gelesen habe, war ich schon verblüfft! Schließlich sind da ja auch Großverdiener mit dabei. Aber eben auch welche, die mit ihrem Kulturschaffen weit unter dem Existenzminimum bleiben.“ Seit November ist Dr. Marita A. Panzer Vorsitzende der Regionalgruppe Ostbayern des namhaften Verbandes Deutscher Schriftsteller (VS). Ein politischer Kopf war die Autorin lange bevor sie die Lebensumstände und Probleme der Schriftstellerkollegen so hautnah kennenlernte. Als Historikerin widmete sie ihre Projektarbeit und Veröffentlichungen intensiv sozialpolitischen Themen, wie der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Als Bürgermeisterin eines Münchner Stadtteils engagierte sie sich aktiv für die Bürger, nahm sich um ihre Sorgen an und lernte dabei, hartnäckig zu sein, um für andere etwas zu erreichen.

Die 1949 in Hof geborene Schriftstellerin, die seit sieben Jahren wieder in Regensburg lebt, hat nach einer Kindheit im Bayerischen Wald und der Regensburger Schulzeit in München Geschichte, Germanistik und Geographie studiert – „eigentlich fürs Lehrfach“. Doch dann gab es da andere berufliche Vorstellungen. Marita A. Panzer hatte in Bayerischer Landesgeschichte promoviert und fuhr mit ihren Forschungen fort. Ein Schwerpunkt war Frauengeschichte. „Das war damals ein Defizit. Bisher haben mich die Frauengestalten in der Bayerischen Geschichte immer mehr interessiert als die Männer. Die Frauen waren gehaltvoller, näher am Leben. Bei den Männern gab es meist nur die Politik.“

Blomberg und Bernauer

Nach etlichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen fing sie mit dem Schreiben von Biographien an, auch, weil sie neben der Wissenschaft ein breiteres Publikum erreichen wollte. Auf Vorschlag ihres Mannes schrieb sie ihre erste große Biografie über eine berühmte Frau der Regensburger Geschichte: Barbara Blomberg. Es folgten Bücher über „Bavarias/Bayerns Töchter“, „Englands Königinnen“, „Don Juan de Austria. Karriere eines Bastards“, „Die große Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt“ und im März dieses Jahres ihre Biografie „Agnes Bernauer. Die ermordete ‚Herzogin‘“. „Mein Ansatz ist, Personen von ihren Legenden zu entkleiden und der Wirklichkeit möglichst nahe zu kommen. Das Fiktive ist nicht so mein primäres Interesse.“

Seit sie für zwei Jahre zur Vorsitzenden der VS-Regionalgruppe gewählt wurde, muss sie ihre Zeit genau einteilen. Mindestens acht Stunden in der Woche arbeitet sie gewerkschaftlich für die Interessen der Autoren. Ihre Aufgaben und Themen sind dabei ein sehr weites Feld. „Die Honorargestaltung ist ganz wichtig!“ Die wenigsten Schriftsteller können von ihren Werken leben, Autoren mit einträglichen Bestseller-Auflagen sind selten. Und der Weg zu einer anständigen Entlohnung ist schwierig: „Wir haben nicht in jedem Teil der schriftstellerischen Tätigkeit ausgearbeitete Musterverträge nach dem neuen Urheberrecht.“

Risiko der Freiberufler

Nach Überzeugung der VS-Vorsitzenden, die auch in dem Landesverband in München aktiv ist, muss auch an der Basis ein gewisses Bewusstsein und Öffentlichkeit für die Situation der Autoren, die Risikosituation als Freiberufler, geschaffen werden. „Mich wundert immer wieder, dass alle vom Bücherschreiben leben können – außer die Autoren!“

Marita A. Panzer schätzt die Arbeit im Schriftstellerverband sehr. „Das verschafft mir persönlich eine gewisse Bodenhaftung. Man ist nicht immer am Schreibtisch, im Elfenbeinturm. Das Schreiben kann ein sehr einsames Geschäft sein.“ Um so wichtiger ist der Austausch, in der Landesgruppe oder den Regionalgruppentreffen mit ostbayerischen Autoren. Etwa alle sechs Wochen kommen die Schriftsteller der Region zusammen. Etwa 40 Mitglieder aus der Oberpfalz und Niederbayern hat die Gruppe. Jedes Mitglied – vom Romancier bis zum Kochbuchautor – hat mindestens ein Buch in einem Verlag veröffentlicht oder eine ausreichende Anzahl von Gedichten und Kurzgeschichten in Anthologien. „Wir sind nicht so klein. Aber vor allem sind wir sehr aktiv!“

Die Regionalgruppe veranstaltet Gedenktaglesungen, Schullesungen beispielsweise zur Bücherverbrennung im Mai, zum Thema Krieg und Kriegsende oder zur Reichspogromnacht im November, einen Lesemarathon in kleinen Galerien… Mehrere Mitglieder wie Barbara Krohn, Elfi Hartenstein und Wolf Peter Schnetz geben Schreib-Workshops. Im Januar lud die VS-Gruppe zu einer literarisch-musikalischen Führung durch das Kunstforum Ostdeutsche Galerie, eine weitere soll folgen. Auch eine Kriminacht im Regensburger Polizeipräsidium findet noch im Spätherbst statt. Zum Jahresthema „Regensburg und Böhmen“ gibt es am 16.Oktober um 20 Uhr im Naturkundemuseum eine Lesung mit Musik: „Kleine Wege zwischen Böhmen und Bayern“ werden beschrieben. Die VS-Mitglieder Harald Grill, Friedrich Brandl und Bernhard Setzwein lesen und berichten von ihrer Grenzwanderung zwischen Amberg und Pilsen. Außerdem pflegt der VS Ostbayern seit Jahren freundschaftlichen Kontakt mit Schriftstellern in Pilsen. Dieses Jahr entsteht in gemeinsamer Arbeit eine Mappe mit alten Fotos von Skoda-Traktoren, unterschrieben mit zweisprachigen literarischen Textlegenden. Die Arbeiten sollen im Rahmen einer kleinen Ausstellung in Regensburg im November und Dezember präsentiert werden.

Turmschreiber für Regensburg

Was das Engagement ihrer Mitglieder betrifft, ist Marita A. Panzer des Lobes voll. „Wir konnten die Lesungen immer schnell besetzen.“ Ihre persönlichen Anliegen gehen weit über die Vorstellung von Autoren und ihrer Arbeit hinaus. „Ich bringe eine etwas stärkere gewerkschaftliche Ausrichtung in dieses Amt ein“, sagt Panzer. „Wir wollen auch unser Selbstverständnis diskutieren.“ Und Panzer will Netzwerke schaffen, unter den Autoren, aber auch mit Kulturschaffenden anderer Kunstrichtungen.

Dass die Arbeit der Autoren in der Musik-Stadt Regensburg mehr und wohlwollender wahrgenommen und gewürdigt wird, ist ihr ein Herzenswunsch. Panzer wagt große Visionen: „Ganz toll wäre zum Beispiel das Hugendubl-Haus als Literaturhaus und Begegnungsstätte für alle Kunstrichtungen.“ Und auch in anderer Hinsicht hält sie die Stadt Regensburg für überreif: „Wieso haben wir keine Turmschreiberei in Regensburg?“ Das Ostentor gäbe eine wunderbare Heimat für Regensburgs ersten Turmschreiber ab, ist sie überzeugt.

Und ihre eigene Schriftstellerei? Den Einsatz für den VS und ihre Arbeit als Autorin unter einen Hut zu bringen, ist vor allem kurz vor Drucklegung eines neuen Buches schwierig, gibt die Autorin zu. Doch die gewerkschaftliche Arbeit ist immens wichtig. Und dass sie sie mit Freude und Engagement erfüllt, daran lässt Marita A. Panzer keinen Zweifel.

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