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Ausstellung

Schwelgen in der neuen Galerie Madesta

Fulminante Eröffnung in Regensburg: Andrea Madesta präsentiert junge Talente und Klassiker der Moderne in der Wahlenstraße.
Von Gabriele Mayer

In den neuen Galerieräumen: Dr. Andrea Madesta (links) mit Bettina Schnetter, eine Besucherin der Vernissage, vor Werken von Otto Piene Foto: Galerie Madesta
In den neuen Galerieräumen: Dr. Andrea Madesta (links) mit Bettina Schnetter, eine Besucherin der Vernissage, vor Werken von Otto Piene Foto: Galerie Madesta

Regensburg.Endlich war es soweit: Am Samstag lud Andrea Madesta zu ihrer ersten Ausstellung in den neuen Räumen ein. Die Regensburger Galerie ist umgezogen: von der Oberen Bachgasse in die Wahlenstraße 3. Das Gebäude hat Tradition und liegt nur einen Steinwurf vom Alten Rathaus entfernt. Die Eröffnungsausstellung ist fulminant.

Vorab aber zum Ambiente, in dem die Kunst nun ihre Wirkung tut. Die langgestreckte Galerie ist hell, gut einsehbar und kommunikativ, aber man kann sich auch in Nischen zurückziehen, und sie ist mit einem Innenhof und einem Kabinett im 1. Stock ausgestattet. Man muss der Überfrachtung zuvorkommen, sagt die Galeristin mit ihrer Erfahrung als ehemalige Leiterin und Kuratorin renommierter Häuser. Einige Werke kommen hier besser zur Geltung als in den vorherigen Räumen, andere vielleicht weniger.

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Das große blaue Gemälde der jungen Österreicherin Nina Rike Springer, diese originelle, elegante, gegenwartswache Foto-Konstruktion, entfaltet erst hier ihre ganze verschmitzte Theatralik.

Junge, vielversprechende Talente werde man nach wie vor bei ihr finden, sagt Madesta, aber vor allem wie bisher internationale Klassiker der Moderne und der Gegenwartskunst. Zum Beispiel Markus Lüpertz mit neuen Figuren aus der Mythologie, aber in bekannter Lüpertz’scher Art: einer vergoldeten Vergangenheit entrissen, in die Wirklichkeit gerückt, bunt, komisch, düster. Der Blickfang, wenn der Besucher durch die verschnörkelte Eingangstür tritt, hängt an der Stirnwand: ein Robert Indiana von 2008, ein Remake von „Love“ in Rot und Grün, ein Klassiker der Pop-Art.

Andrea Madesta holte Markus Lüpertz zuletzt in Kooperation mit Maria Baumann nach Regensburg, zum Aschermittwoch der Künster. Lesen Sie mehr: „Mein Gott, dieser Lüpertz!“

Pop-Art at its best – auch mit jungen Exponenten wie Mr. Brainwash, der sich gern als Banksy ausgibt – das ist einer der Schwerpunkte der Galerie. Die Pop-Art ist eine tragende Säule heutiger Kunst überhaupt, sie ist in die Konsum- und Medienwelt hineinspaziert und verwandelt, überhöht und reflektiert bis heute all das, was uns an Gemachtem umschwirrt. Von Warhol sind ein Unikat und einige seiner bekannteren Siebdrucke im Angebot. Zwei Lithographien von Roy Lichtenstein gehen unter die Haut. Er bezieht sich darin auf Monet, denkt aber den Impressionismus in der Form der Rasterung weiter und lässt die Darstellungen im Licht des Betrachter-Standorts jeweils anders erscheinen.

Video: Sperb

Andrea Madesta zieht um: Sehen Sie hier ein Video mit der Galeristin in den neuen Räumen, aufgenommen im Januar.

Bisher noch nicht gezeigte Arbeiten von Otto Piene sind rechtzeitig eingetroffen, einem der Begründer der einflussreichen Gruppe Zero vor 60 Jahren. Nach dem Krieg hat diese innovative, reduzierte, aber hoffnungsvolle Ästhetik, die mit Licht als unverbrauchtem Element und mit wenigen Grundelementen spielt, eine neue Sensitivität erzeugt. Pienes Farborgien in Blau und Rot muss man sich im Licht ansehen. Wie Piene war auch Imi Knoebel ein Schüler von Beuys. Er steht mit seinem radikal reduzierten Werk in der Tradition von Malewitsch und repräsentiert eine zweite tragende Säule für die Gegenwartskunst. Knoebel: „Oft ist es das Wenige, das vollkommen genügt, und wo du einfach von allem sonst nur belästigt wirst, weil es zu viel ist.“ Knoebel gestaltete kürzlich einige Fenster der Kathedrale von Reims. Demnächst gibt es Graphiken von Knoebel bei Madesta, bis zur Eröffnung der neuen Räume war dies allerdings nicht zu schaffen.

Neuer Ort Wahlenstraße

  • Die Galerie:

    Die Regensburger Galerie Andrea Madesta ist umgezogen in die Wahlenstraße 3 – in das Enslin-Haus, ein gotisches Gebäude mit frühklassizistischer Fassade. Die Galerie ist ausgerichtet auf international renommierte Künstlerinnen und Künstler aus den 1960er Jahren bis heute, sowie auf junge Talente.

  • Die Werke:

    In der Eröffnungs-Ausstellung sind Werke von Mr. Brainwash, Alex Katz, Dietrich Klinge, Imi Knoebel, Jeff Koons, Roy Lichtenstein, Markus Lüpertz, Julian Opie, Otto Piene, Markus Orsini-Rosenberg, Andy Warhol und anderen zu sehen.

In massiven Kisten angeliefert und ausgepackt: Julian Opie, auch er ein Reduzierer, und ein Pop-Art-Star. eines der Werke: der „Jogger“, vor blauem Hintergrund. Opie modelliert Ikonen der westlichen Gegenwartsgesellschaften. Die Figuren sind schablonenhaft vereinfacht, mit schwarzen Umrandungen versehen, die wie Schatten in Pop-Art-Zuschnitt wirken.

Eröffnung der neuen Galerieräume in der Wahlenstraße Foto: Galerie Madesta
Eröffnung der neuen Galerieräume in der Wahlenstraße Foto: Galerie Madesta

Trotz der Einfarbigkeit der Hintergründe und der starren Konturen und Typisierungen haben Opies Figuren gerade in ihrer frechen Reduziertheit etwas Unverbrauchtes und Lebendiges. Dies sind nur einige Spotlights auf die opulente Eröffnungs-Schau. Man kann schwelgen, sich vertiefen und kaufen.

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