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Gesellschaft

Schwule und Lesben auf der TV-Bühne

Quoten-Homosexuelle dürfen in Serien und Shows mitspielen. Schwulenverband kritisiert die Darstellung als realitätsfern.
Von Marco Kreftin

Bei „Let’s Dance“ tanzte in der jüngsten Staffel Sängerin Kerstin Ott (l.) als erster Promi mit dem gleichen Geschlecht. Foto: Henning Kaiser/dpa
Bei „Let’s Dance“ tanzte in der jüngsten Staffel Sängerin Kerstin Ott (l.) als erster Promi mit dem gleichen Geschlecht. Foto: Henning Kaiser/dpa

München.Sonntag nach 20.15 Uhr: Ein „Tatort“-Kommissar schläft mit einem Mann, in einem „Polizeiruf“ stirbt eine Transsexuelle in der Ausnüchterungszelle. Einen prominenteren Sendeplatz gibt es im deutschen TV nicht, um lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle oder queere (LSBTTIQ) Themen zu platzieren. Doch die beiden Filme sind schon Jahre her. Und wenn man mit Experten spricht, klingt ihre Analyse der deutschen Fernsehlandschaft nicht unbedingt nach 21. Jahrhundert.

Timo Gößler, Dozent für Dramaturgie und Serielles Erzählen an der Filmuniversität Babelsberg, kritisiert: „Noch immer werden homosexuelle Figuren häufig mit gefühltem Ausrufezeichen erzählt.“ Die „Andersartigkeit“ scheine in Serien, Filmen und Shows oft begründet werden zu müssen – entweder über Konflikte, die die Figur gerade wegen ihrer sexuellen Identität hat, oder über stereotype Charaktereigenschaften wie komischer Paradiesvogel oder mitfühlender bester schwuler Freund der weiblichen Hauptfigur.

Zweifelsohne sei es wichtig, diskriminierende Strukturen in der Gesellschaft zum Thema zu machen. „Doch genau so wichtig wäre es, dass Figuren selbstverständlich nicht-hetero sind, ohne dass dies besonders thematisiert und vor allem problematisiert werden müsste“, so Gößler.

Diversity-Beirat beim BR

Überhaupt kommen LSBTTIQ-Themen und -Menschen im deutschen TV zu wenig vor, wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) findet. Auch Prof. Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Uni Rostock, sagt: „Es kommen schlicht so wenige Homosexuelle im Fernsehen vor, dass man kaum allgemeingültige Aussagen treffen kann.“ Fünf bis zehn Prozent der Menschen gelten als LSBTTIQ. Dieser Anteil werde im TV bei weitem nicht erreicht. Die Queer Media Society fordert, dass sieben Prozent des Outputs aller Medien-Produktionen in Deutschland mit LSBTTIQ-Themen und -Inhalten belegt werden. „Wenn Homo-, Bi- oder Transsexualität nicht in Film oder Fernsehen als etwas Normales dargestellt ist, wie soll sie dann je in der Gesellschaft als normal angesehen werden?“

Neues Gay-Dating-Format

Die Sender selbst verweisen auf eine ganze Menge: Der Bayerische Rundfunk etwa hat seit kurzem einen „BR-Diversity-Beirat“. In der Daily „Dahoam is Dahoam“ taucht immer mal wieder ein schwuler Sohn auf. „Als öffentlich-rechtliche Medien senden wir für die ganze Gesellschaft – und die ist längst vielfältig“, erklärt eine Sprecherin. ProSiebenSat.1 verweist auf die Hauptcharaktere in der Sat.1-Crime-Serie „Instinct“ und im „Charmed“-Reboot auf sixx. „Erfreulicherweise bekommen wir in diesem Zusammenhang nur vereinzelt homophobe Reaktionen auf unser Programm“, erklärt eine Sprecherin. Sie betont aber auch: „Bei der Auswahl unseres Programms stehen primär gute Stoffe im Fokus, die sexuelle Orientierung der Protagonisten gibt dabei nicht den Ausschlag.“

Bei der RTL-Soap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ habe das Thema Diversität eine lange Tradition, sagt ein Sendersprecher. Bei „Let’s Dance“ tanzte in der jüngsten Staffel Sängerin Kerstin Ott als erster Promi mit dem gleichen Geschlecht. Und bei dem Kölner Privatsender suchte auch schon ein schwuler Bauer den Mann fürs Leben. A propos: Bald könnte es auch Konkurrenz für „Bachelor“ und „Bachelorette“ geben: Die Produktionsfirma Seapoint sucht gerade Kandidaten für ein neues Gay-Dating-Format unter dem Motto „Single, schwul, sucht...“

Die Darstellung entspreche oft nicht dem Leben Homosexueller, sagt LSVD-Sprecher Markus Ulrich. „Da gibt es dann einen Schwulen, der vielleicht noch einen Partner hat, aber mitten in der Großstadt ansonsten keine schwulen Freunde.“ Die Serien erzählten auch nichts vom schwulen oder lesbischen Ausgehen. Wichtig sei darüber hinaus, ganz verschiedene Typen abzubilden.

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