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Oratorium

Seelenbrot für die Weihnachtszeit

Dem Cantemus-Chor unter der Leitung von Matthias Schlier gelang eine hochrangige und berührende Aufführung in St. Emmeram.
Von Andreas Meixner

Das Konzert des Cantemus Chores in der Regensburger Basilika St. Emmeram bleibt in Erinnerung. Archivfoto: Uwe Moosburger/altrofoto.de
Das Konzert des Cantemus Chores in der Regensburger Basilika St. Emmeram bleibt in Erinnerung. Archivfoto: Uwe Moosburger/altrofoto.de

Regensburg.Alljährlich funktioniert es: das stete Ritual um Bachs Weihnachtsoratorium als gemeinsames Kaminfeuer der gutbürgerlichen Weihnachtszeit. So oft es auch erklingen mag, die Faszination und festliche Würde, sowie seine religiöse Inwendigkeit nimmt keinen Schaden, scheint gegen Abnutzung immun zu sein. Wie Bachs Kosmos im Ganzen. Am Freitag lud der Cantemus Chor unter der Leitung von Matthias Schlier in die Basilika St. Emmeram, um die Kantaten I und IV-VI zu Gehör zu bringen.

Schlier holte sich erneut das Originalklang-Ensemble „Concerto Stella Matutina“ aus Österreich. Schon im vergangenen Jahr waren sie bei der Aufführung der h-moll Messe zu Gast in Regensburg. Und es ist wahrlich nicht die schlechteste künstlerische Partnerschaft, die man mit diesem hervorragenden Orchester eingehen kann. Vor allem, weil das Klangbild der historischen Aufführungspraxis unter diesen Musikern nicht zu exaltierten Extremen neigt, sondern an den alten Instrumenten eine besonnene und ruhige Klarheit entfaltet, die sich so angenehm undogmatisch gibt. Gerade bei Bachs Musik ist das von unsagbarem Wert. Schlier findet Gefallen an der Leichtfüßigkeit des Ensembles und wählte durch alle vier Kantaten hindurch zügige, tänzerische, aber nie davoneilende Tempi mit spürbarem Puls und Energie. Energie, die der Chor vom ersten Moment übernahm.

Hohe Klangkultur

Zwar fehlte der nicht allzu großen Chorbesetzung gegen das Tutti des Orchesters manches Mal die nötige Durchschlagskraft, sie bestach aber andererseits durch eine hohe Klangkultur durch alle Stimmgruppen hinweg. Die technisch anspruchsvollen Chorparts wie dem Eröffnungschor „Ehre sei dir, Gott, gesungen“ der Kantate V gelangen mühelos und souverän. Die Choräle ließ Schlier unangetastet, setzte sie schnörkellos und klar, immer den vorrangigen Blick auf Textgestaltung. So war „Ich steh an deiner Krippen hier“ erst recht berührend, weil es schlicht blieb. Der Dirigent blieb stets konzentriert und ernsthaft, überließ nichts dem Zufall. Vielleicht ist es auch die Erfahrung, wie tückisch die scheinbare Funktionalität von Generalbassmusik sein kann, wie schnell ein Chor oder ein Rezitativ verunglückt, wenn man nicht höllisch aufpasst und von der Schönheit der Musik aus der Kurve getragen wird. Umso beruhigender, wenn die vier Solisten ihr künstlerisches Handwerk verstehen.

Der Tenor Martin Platz war als Evangelist eine Bank für sich, übernahm mit hellem Timbre die Rolle des ausdrucksstarken Erzählers. Dass es ihm – ähnlich wie dem Chor und den anderen Solisten – nicht immer gelang, sich stimmlich bis in die hintersten Reihen durchzusetzen, mag an dem üppigen Barock der Asam-Brüder liegen, der die akustischen Verhältnisse in der Basilika nicht einfach macht. Die Arie „Ich will dir zu Ehren leben“ geriet dennoch zusammen mit den launig aufspielenden Violinsolisten und der Continuo-Gruppe zu einem Höhepunkt. Yannick Debus begeisterte daneben nicht nur mit seinem fein geführten Bass, sondern auch mit einer lässigen Unaufgeregtheit in der Gestaltung seiner Partie. Im Zusammenspiel mit den Sopranistinnen des Chores im Choral „Wohlan, dein Name soll allein in meinem Herzen sein!“ entstand eine ungemein dichte Atmosphäre, die bekannte Bass-Arie „Großer Herr, o starker König“ blieb elegant im Gestus und dennoch kraftvoll in der Aussage.

Elegante Stimmführung

Rebecca Martin zeigte sich schon in ihrer Alt-Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“ von ihrer besten Seite, mit warmer, eleganter Stimmführung und hoher Textverständlichkeit. Die Sopranistin Marletta Zumbült ist zu Recht eine gefragte Alte-Musik-Interpretin, das hell scheinende Timbre und eine Entspanntheit in den hohen Lagen machte es zur Freude, ihr zuzuhören. In Erinnerung wird die Arie „Flößt, mein Heiland, flößt dein Namen“ bleiben, mit zwei Knaben als Echosänger im Raum verteilt. Den Gesamteindruck einer hervorragend gelungenen und stimmigen Aufführung unterstrichen die Holz- und Blechbläser, die den kalten Bedingungen erfolgreich trotzten. Bachs Weihnachtsoratorium ist unter solchen Umständen unabdingbares Seelenbrot in der Weihnachtszeit.

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