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Ausstellung

Selbstbewusste Filmdiven als Vorbild

Wie Stummfilme in Spanien zum Wandel des Frauenbildes beigetragen haben, zeigt eine Schau im Donau-Einkaufszentrum.
Von Michael Scheiner

Pedro Alvarez Olañeta eröffnete die Ausstellung. Foto: Michael Scheiner
Pedro Alvarez Olañeta eröffnete die Ausstellung. Foto: Michael Scheiner

Regensburg.Frauen dürfen ohne Unterschrift des Ehemannes, Vaters oder Bruders das Gefängnis verlassen, wenn sie ihre Strafe verbüßt haben. Sie dürfen zudem künftig alleine reisen oder ihren Pass abholen. Diese aktuelle Entwicklung der Rechte von Frauen in Saudi-Arabien ist sicher auch durch Medien beeinflusst worden. Über diese wird den dortigen Frauen ständig vor Augen geführt, wie frei und unabhängig ihre Geschlechtsgenossinnen anderswo leben.

Stummfilme mit ihren weiblichen Figuren waren es auch, die in der Zeit von etwa 1900 bis Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts das Bild der Frau in Spanien erheblich beeinflusst haben. Es waren die „silbernen Jahre“ auf der iberischen Halbinsel, als sich mit Dichtern wie Federico Garcia Lorca und Denkern, wie dem Philosophen Ortega y Gasset rasante Entwicklungen im Bereich von Kultur und Politik ihren Weg in die verkrustete Gesellschaft bahnten. Darauf wies Pedro Alvarez Olañeta von Festival CinEScultura hin, als er im Donau-Einkaufszentrum mit Geschäftsführer Thomas Zink und Nicole Litzel von der Stummfilmwoche die Ausstellung „Vorbilder – Mujeres de Cine“ eröffnete. Mit Blick auf die Stummfilmwoche, die vom 13. bis 22. August erstmals thematisch orientiert ist, nimmt diese Ausstellung die Modernisierung des Frauenbildes in den Anfängen des Kinos in den Blick.

Auf Filmstills aus den 20er Jahren sind Lili Domita, Julia Foye, Billie Dove und Mary Pickford neben vielen anderen weiblichen Stars und Diven zu sehen. Sie blicken verschmitzt, herausfordernd, vergnügt oder ernst, dabei immer selbstbewusst aus dem Bild. Damit haben sie das traditionelle Bild der Frau im kinoverrückten Spanien kräftig durcheinandergebracht. Mit diesen selbstsicheren Vorbildern vor Augen musste in dem konservativ-agrarisch geprägten Land „die Rolle der Frau neu definiert werden“, wie Zink in seiner Begrüßung hervorhob. Große zweisprachige Zeittafeln verweisen auf gesellschaftliche und politische Einschnitte und Veränderungen, die parallel zur Entwicklung von Frauenrechten verliefen. So wurden mit Beginn der Zweiten Republik in Spanien 1931 das Frauenwahlrecht und das Recht auf Abtreibung eingeführt.

„Spanien war ein neues Land“, konstatierte Olañeta die geradezu revolutionären Veränderungen dieser Epoche, als Frauen durch die Leinwandvorbilder „ermutigt wurden, etwas Neues anzugehen“. Kunst kann Welten bewegen, ist er sich sicher, deshalb müsse man „das Feld Kultur pflegen und hegen“. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung durch Clemens Peters, der einige Gedichte und Flamenco-Kompositionen Garcia Lorcas in bewegender Weise interpretierte.

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