mz_logo

Kultur
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Konzertreihe

Seltene Perlen der Orgelmusik

Halgeir Schiager begeisterte im Regensburger Dom.
Von Gerhard Dietel

Die Rieger-Orgel: Meisterinterpreten bestreiten darauf die Reihe der Dom- konzerte. Foto: Michael Vogl/Archiv
Die Rieger-Orgel: Meisterinterpreten bestreiten darauf die Reihe der Dom- konzerte. Foto: Michael Vogl/Archiv

Regensburg.Zum Reiz der Orgelkonzerte im Regensburger Dom gehört es, dass die gastierenden Künstler oft wenig bekanntes Repertoire zu Gehör bringen. So war es auch am Mittwoch, als der in Oslo tätige norwegische Organist Halgeir Schiager an der Rieger-Orgel musizierte. Wer kennt schon heute noch den im 19. Jahrhundert tätigen, damals von Mendelssohn bewunderten Dresdner Hoforganisten Johann Gottlob Schneider? Mit dessen „Dank- und Jubelpräludium“ eröffnete Schiager seinen Vortrag, wobei er aus rauschhaften Bewegungen im Stil einer barocken Toccata allmählich die Zeilen des Chorals „Nun danket alle Gott“ herauszeichnete. Drei kurze lyrische Nummern aus Schneiders Sammlung „Zwölf leichte Orgelstücke“ op. 4 schlossen sich an. Zwar sind diese untereinander recht ähnlich strukturiert in ihrer Anlage als „Lieder ohne Worte“, doch Halgeir Schiager bot sie in den Klangfarben recht abwechslungsreich dar. Gabriel Joseph Rheinbergers Sonate Nr. 16 in der entlegenen Tonart gis-Moll musizierte der Organist mit starkem Plenum-Klang in den Rahmensätzen, der im Anfangs-Allegro zweimal von leisen, sanglichen Episoden abgelöst wurde. Eine wuchtige Introduktion leitete das Finale ein, aus der sich eine breit strömende Fuge samt kunstvoller Engführung entwickelte. Der begnadete Lyriker Rheinberger kam im „Skandinavisch“ betitelten Mittelsatz der Sonate zu Wort, dem eine leicht melancholisch wirkende dänische Volksmelodie zugrunde liegt.

„Skandinavisch“ war dann auch die Devise für die beiden folgenden Werke, die Halgeir Schiager aus seinem Heimatland Norwegen mitbrachte. Zunächst kam der 1947 geborene Komponist Kjell Mörk Karlsen mit Auszügen aus seiner „Sinfonia Norvegica“ zu Wort. Luftig gewirkten Tönen wurden im Scherzosatz des Werks immer wieder von Zungenstimmen intonierte Gedanken gegenübergestellt, bevor im Finalsatz aus toccatenhaft wirbelnden Klängen allmählich breitere Linienzüge hervortraten.

In ätherischer Höhe schwebende Klänge bildeten den Anfang der 1936 entstandenen „Fantasie und Fuge“ von Leif Solberg, der ein geistliches norwegisches Abendlied zugrunde liegt. In sanften Flötentönen erschien seine Melodie zunächst, dann gewann die Musik der „Fantasie“ an Bodenhaftung und Klanggewicht.

Auch zur aus einem bewegten Motiv entwickelten Fuge trat die Liedweise bald hinzu, wurde ins polyphone Gewebe hineinverschlungen und schließlich triumphal gesteigert, als würden – wie es im Gesangstext heißt – „Licht und Pracht“ der Sonne bei ihrem abendlichen Untergang noch einmal beschworen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht